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Umsatzentwicklung 2019

Top 25: Fachhandel straft „untreue“ Marken weiter ab

Schon vor der Corona-Pandemie war die Nachfrage nach bestimmten Lebensmitteln sehr groß. Dass hatte Auswirkungen auf unser Umsatzranking im Fachhandel. Während einige Hersteller 2019 ihre Position ausbauen konnten, mussten andere Marktanteile abgeben – oder fielen ganz aus den Top 25 heraus.

02.07.2020 vonSusanne Gschwind

Steigende Umsätze und verstärkte Nachfrage nach bestimmten Produkten kennzeichneten das Jahr 2019.

Extrem  gestiegene Nachfrage, knappe Rohwaren, Produktionen am Rande der Kapazitätsgrenze: Dass Corona Auswirkungen auf die Hersteller der Branche hat, ist klar (siehe dazu auch unsere Titelgeschichte vom Juni). Wie sie sich auf das Geschäftsjahr 2020 niederschlagen, wird sich zeigen. Mit Prognosen halten sich die Hersteller derzeit noch zurück. Fest steht allerdings, dass sich bestimmte Entwicklungen, etwa steigende Umsätze oder die verstärkte Nachfrage nach manchen Lebensmitteln auch schon 2019 abgezeichneten – und Auswirkungen auf die Top 25 haben.

So konnten etwa laut Analysen von bioVista sowohl Bauckhof als auch die Spielberger Mühle gegenüber dem Vorjahr noch einmal deutlich Boden gutmachen. Bei Bauckhof sind die starken Umsatzzuwächse vor allem auf den Bereich der Frühstückscerealien zurückzuführen, insbesondere bei den Getreideflocken, Müslis und im Porridge-Bereich. Bei den Mühlenerzeugnissen waren vor allem die Backmischungen erfolgreich.

Auch die Spielberger Mühle konnte 2019 bei den Frühstückscerealien zulegen, in erster Linie aber bei den Mühlenerzeugnissen, insbesondere bei den Basisprodukten wie Getreideflocken, Mehl und klassischem Getreide. „Als exklusive Fachhandelsmarke konnten wir uns bereits vor der Corona-Krise über ein Wachstum im höheren zweistelligen Bereich freuen. In einigen Produktgruppen hat dieses Wachstum mit Beginn der Beschränkungen wegen der Pandemie weiter stark zugenommen“, sagt Charlotte Ruck von der Spielberger Mühle. Doch so erfreulich die Zuwächse auch sind: „Diese Nachfrage zu bedienen stellt uns seit Wochen vor große Herausforderungen.“

Logona raus aus den Top 25

Auch im vergangenen Jahr dürften Spielberger und Bauck zudem davon profitiert haben, dass Davert wegen des Engagements im LEH von vielen (inhabergeführten) Naturkosteinzelhändlern ausgelistet wurde – und es deshalb bereits 2018 nicht mehr unter die Top 25 geschafft hatte. Im vergangen Jahr nun kostete die Übernahme durch L‘Oreal Naturkosmetikpionier Logona den bislang sicheren Platz in unserem Ranking. Der Trend, dass Fachhändler „treue“ Marken belohnen und „untreue“ durch Auslistung abstrafen, setzt sich also fort. Dass Logona im Bereich Haarfarben mit Khadi einen starken Wettbewerber bekommen hat, dürfte Analyst Ganz zufolge ebenfalls zu dem starken Umsatzrückgang beigetragen haben. Beachtenswert hierbei sei, dass im inhabergeführten Handel die Entwicklung wesentlich stärker eintrete als im filialisierten.

Seine marktführende Position halten konnte dagegen Rapunzel. Die stärksten Umsatzzuwächse erzielten die Legauer 2019 laut bioVista bei den Nüssen, Trockenfrüchten und Brotaufstrichen, hier insbesondere bei den Nussmusen. „Wie sich die Situation im Laufe dieses Jahres noch entwickeln wird, lässt sich heute schwer einschätzen“, sagt Unternehmenssprecherin Eva Kiene. Rapunzel importiere Rohstoffe fast ausschließlich direkt aus dem Ursprungsland. „Wir kaufen nicht an Spotmärkten und Rohstoffbörsen ein“, so Kiene. Die direkte Beschaffung habe für alle Beteiligten langfristige Vorteile. In außergewöhnlichen Krisenfällen sei es jedoch schwerer, flexibel und schnell zu reagieren. Zwar habe man Reserven eingeplant, „aber auch diese sind endlich. So kann es passieren, dass im Laufe des Jahres Produkte ausgehen und diese erst wieder mit den neuen Ernten geliefert werden können“, gibt die Rapunzel-Sprecherin zu bedenken. So manch ein Ladner hat die Lieferschwierigkeiten schon zu spüren bekommen.

Schwierige Rohstofflage

Die Beschaffung der Rohwaren wird in Zukunft ein Thema bleiben“, ist sich auch Hans-Ulrich Schatz, Geschäftsführer von Lebensbaum sicher. Starke Umsatzzuwächse hatte der Tee- und Kräuterspezialist im vergangenen Jahr laut bioVista vor allem im Bereich sortenreiner Gewürze und bei den Kräuter- und Gewürzmischungen. Erfolgreich war Lebensbaum auch mit seinen beiden Adventskalender-Tees. Die Idee, zwei Produkte mit unterschiedlicher Preisstellungen und damit zwei Geschenk-Möglichkeiten anzubieten, hat sich laut Fabian Ganz als clever erwiesen.

Auch der österreichische Kräuter- und Gewürzhändler Sonnentor beschreibt es als „Herausforderung, dass wir gut mit unseren Rohwaren haushalten müssen.“ In vielen Fällen seien die Ernten in den vergangenen Jahren allerdings sehr gut gewesen. „Sonnentor hat daher gut gefüllte Lager“, so Marken-Botschafterin Marie-Theres Chaloupek. Auch künftig dürften die Österreicher deshalb wieder mit vielen Innovationen aufwarten. Starke Umsatzzuwächse gab es 2019 laut bioVista im Bereich der Tees, insbesondere der Kräutertees. Bei den Einzelartikeln liefen vor allem der Manukahonig, die Happiness-is-Linie und der Kurkuma-Zitronen-Sirup gut. „Alles was „Wellbeing“ und „Happyness“ ist, scheint zur Marke zu passen“, so Analyst Ganz.

Damit, aktuelle Ernährungstrends aufzunehmen, war im vergangenen Jahr auch Allos sehr erfolgreich. Vor allem „Aufs Brot Avocado“ und die Linsenaufstriche seien super vom Markt angenommen worden. Auch die Milchalternativen und ungesüßte Müslis waren sehr erfolgreich. Dennoch konnte diese positive Entwicklung nicht ausgleichen, was andere Marken, die wie Allos zur Wessanen-Gruppe gehören, verloren. So tun sich etwa sowohl Cupper als auch Tartex schwer.

MoPro-Trends von Ziege und Schaf

Aktuelle Trends machten sich auch bei den Molkereien bemerkbar: „Alles, was Schaf und Ziege ist, ist im Kommen“, so Fabian Ganz. Zudem seien Produkte mit Demeter-Zertifizierung und solche im Glas extrem nachgefragt. So erstaunt es nicht, dass die Molkerei Schrozberg auch im vergangenen Jahr wieder deutlich zugewinnen konnte. Erfolgreich war sie laut bioVista insbesondere mit den Rahmprodukten.

Nicht ganz so positiv war die Entwicklung für Andechser und vor allem Söbbeke, bei denen der monatliche Umsatz pro Laden im Vergleich zum Vorjahr leicht zurückgegangen ist. Dagegen konnte Berchtesgadener Land seinen Umsatz leicht ausbauen. Zuwächse gab es laut bioVista hier vor allem bei laktosefreier und Demeter-Milch in der Flasche.

Überaus erfolgreich war auch die Demeter-Schlagsahne, die Großhändler Weiling unter der Bioladen-Eigenmarke auf den Markt gebracht hat. Und anders als bei Dennree, bei dem sich die Milcherzeugnisse 2019 etwas schwer getan haben, konnten die Coesfelder die Umsätze hier etwas steigern.

Großhändler vorne

Auch in diesem Jahr belegen beide Großhändler mit ihren Handelsmarken wieder vordere Plätze in unserem Ranking. Allerdings mussten beide leicht Umsatzanteile abgeben. Analyst Ganz führt das darauf zurück, dass die große Wachstumszeit der Eigenmarken vorbei ist: „Irgendwann sind die Sortimentsbereiche belegt, in denen eine Eigenmarke sinnvoll ist.“ Zudem gebe es eine natürliche Wachs­tumsgrenze. „Bioläden leben ja nicht von Eigenmarken allein.“

Alnatura gewinnt hinzu

Umsatzanteile hinzugewinnen konnte dagegen Alnatura, wobei wir auch dieses Mal wieder auf Schätzungen angewiesen sind. Offizielle Zahlen über die Alnatura-Handelsmarke gibt es nicht. Grundlage unserer Schätzung ist die Hälfte des Gesamtumsatzes und die überschlägige Erschließung des Anteils der Handelsmarken im Sortiment. Mit einkalkuliert wurde zudem der im Verhältnis zu Markenartikeln höhere Umschlag und der niedrigere Preis der Handelsmarke. Danach erzielt Alnatura 2019 einen Umsatz von rund 32.400 Euro pro Laden und Jahr und klettert von Rang vier auf drei.

Auch Voelkel konnte Umsatzzuwächse erzielen – und das in einem Marktumfeld, in dem sich Getränke laut Analyst Ganz schwer getan haben. Ein Plus gab es vor allem im Bereich der Säfte, bei den Erfrischungs- und Wellnessgetränken. Spannend hier: Während es 2019 einen große Abtausch weg von dicken Muttersäften hin zu Mischgetränken gegeben hatte, legten während der Corona-Krise die Frucht-Muttersäfte und Smoothies laut bioVista im Vorjahresmonatsvergleich um über 50 Prozent zu. „Vermutlich haben viele Verbraucher diese Getränke zur Stärkung ihres Immunsystems gekauft“, so Fabian Ganz.

Welche Sortiments-Verschiebungen es durch die Pandemie noch geben wird – und wer davon profitieren kann, beziehungsweise darunter leiden wird, werden die nächsten Top 25 zeigen.

Umsatz der TOP 25-Hersteller

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