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Soto-Organic Veggie Food

Auf dem Sprung nach vorne

Sie mussten größer werden und haben sich glatt verdoppelt – Soto, Spezialist für vegetarische Teigtaschen und Fingerfood, wagt nicht zum ersten Mal etwas Neues.
12.01.2019 vonGudrun Ambros

Handarbeit wird groß geschrieben bei Soto in Bad Endorf.

Sie mussten größer werden und haben sich glatt verdoppelt – Soto, Spezialist für vegetarische Teigtaschen und Fingerfood, wagt nicht zum ersten Mal etwas Neues.

Bad Endorf, Ortsausgang in Richtung Wasserburg: Dem gerade fertiggestellten Anbau der Soto Organic Veggie Food GmbH fehlt noch das warme Rot an den Wänden, aber es stehen schon frisch gepflanzte Bäumchen davor. Drinnen ist vieles noch im Umbruch, doch die Produktion läuft. Im Büro der Geschäftsführerin herrscht Ruhe. In einer Ecke wachsen Bananenstauden aus den Töpfen, daneben döst der Hund, an den Wänden Buddha- Bilder. Maria Schramm hat sich an das kleine runde Besprechungstischchen gesetzt und nimmt sich Zeit, das Familienunternehmen vorzustellen. Es wächst und gedeiht, kein Wunder, denn mit vegetarischer und veganer Convenience segelte Soto in den vergangenen Jahren des Veggie-Hypes im Wind, 2018 wuchs der Umsatz um zehn Prozent.

Das „Nadelöhr“ im Bereich der Verpackung war für Maria Schramm ein Anlass auszubauen. Jetzt kann eine dritte Verpackungsmaschine in den freigeräumten Altbau einziehen und wird damit nicht nur Engpässe ausgleichen, sondern auch den Weg frei machen in Richtung Tiefkühlprodukte. Darüber hinaus sind erst kürzlich zwei Gar-Tunnel dazugekommen. Diese verkürzen die Zeit, die beispielsweise Frühlingsrollen oder Gemüse-Getreide-Snacks in der Fritteuse verbringen – ein Plus an Qualität, denn so gelangt weniger Fett ins Endprodukt. Für die neuen Maschinen ist jetzt genügend Platz, mit dem Anbau haben sich Produktions- und Lagerfläche verdoppelt.

Viel Handarbeit

Das Unternehmen fertigt Samosas, Frühlingsrollen, Burritos und Spinattaschen nach wie vor von Hand. Aber die Chefin hat zu Maschinen eine entspannte Einstellung: „Die Kunst besteht darin, sich immer wieder neu auszurichten. In den Anfängen haben wir die Pattys selbst zwischen den Händen gerollt und flach gedrückt. Dann kam die erste Maschine, die sie geformt hat. Wir mussten sie nur noch mit dem Spachtel abstreifen.“ Anfangs wurden die Tofuburger und Frühlingsrollen noch in Papierbeuteln verkauft. So lange, bis sich die Hygienevorschriften änderten. So kam eine Maschine dazu, die die Soto-Veggiesnacks in Folienbeuteln vakuumierte. Doch das presste Burger und Bällchen zu stark zusammen. Heute liegen sie locker in einer Schale, die mit Hilfe einer Maschine unter Schutzatmosphäre verschlossen wird.

Für eine echte 68erin ist die Frau mit dem weiß-blonden Pagenschnitt zu jung – damals war Maria Schramm gerade mal acht Jahre alt. Aber in die Alternativbewegung ist sie reingewachsen. Die gelernte Bankkauffrau zog aufs Land, führte zusammen mit ihrem Mann Oskar Schramm und Freunden einen Aussteigerbauernhof, mit Ziege und Schaf, selbst gesponnener Wolle, Fleckerlteppich und Brot, das sie auf Flohmärkten der Umgebung verkauften. 1988 gründeten sie Soto, das Kernprodukt: rein pflanzliche Bio-Snacks. „Unsere Philosophie: kein künstliches Aufblähen durch Wasser und Bindemittel – nur Getreide, Saaten, Gemüse, Früchte, Gewürze, Kräuter, Meersalz.“ 1993 der Umzug nach Breitbrunn in einen ehemaligen Kuhstall. Die BSE-Krise um die Jahrtausendwende gab gewaltig Rückenwind, schon wuchs ein kleines Containerlager rund um den ursprünglichen Bau: Dort wurde kommissioniert, der Betrieb organisiert.

Geschäftsführerin Maria Schramm und Mitarbeiter John Inegbu bei der Spinatvorbereitung.

Sprung nach vorne gewagt

Als Oskar Schramm 2009 starb, stand seine Frau vor einer schwierigen Entscheidung: weitermachen oder aufhören. Und weil passende größere Räumlichkeiten fürs Unternehmen in der näheren Umgebung nicht zu finden waren, bedeutete es außerdem: entweder bauen oder verkaufen. Maria Schramm entschied sich für den Sprung nach vorne, fürs Weitermachen, vor allem „aus Verantwortung für die Mitarbeiter, die mit Herzblut dabei sind, und für deren Familien.“ Und um das Lebenswerk ihres Mannes fortzuführen. Sie baute in Bad Endorf, 2011 zog das Unternehmen dorthin.

Spätestens in dieser Zeit muss die Unternehmerin gelernt haben, Arbeit zu delegieren. „Ich kann mich auf meine Mitarbeiter verlassen“, sagt sie. „Es begeistert mich, zu sehen, welches Potenzial jemand entfaltet, wenn er die Möglichkeit dazu erhält.“ Im Gegenzug kommt positives Feedback, etwa in Form eines sorgsam gemalten Buddha- Bilds, Geschenk einer Mitarbeiterin. „Das hinter dem Schreibtisch fällt aus der Reihe. Es zeigt eine Frau, in den Armen ein Kind, über dem Kopf ein kleines Buddha-Wesen, ein Bodhisattva. „Das ist nicht nur ein Bild, sondern ein spirituelles Energiegemälde. Das Kind steht für mein Unternehmen und meine Mitarbeiter. Meine Aufgabe ist es, mich darum zu kümmern.“ Die Unternehmerin sieht die buddhistische Lehre und Praxis nicht als Religion, vielmehr als eine Lebensform, in der Achtsamkeit eine große Rolle spielt. Sie trennt nicht streng zwischen Arbeit und Freizeit: Beides gehöre zum Leben. „Beim Abendessen oder im Garten kommen die besten Ideen.“

Die Produktentwicklung wird bei Soto im Team praktiziert: Mit dabei sind Qualitätsmanager, Produktionsleiter, der Vertrieb und Maria Schramm. Ab einem bestimmten Stadium werden treue Endverbraucher mit ins Boot geholt. Diese können im Werksverkauf des Unternehmens direkt unter der Verwaltung einkaufen.

Blick in die Zukunft

Wie das Unternehmen in fernerer Zukunft geführt werden soll, ist noch nicht festgezurrt. Das Unternehmen ist organisatorisch so aufgestellt, dass weitere Zukunftsaufgaben gut bewältigt werden können. „Das Wichtigste ist, etwas mit Freude und Leidenschaft zu machen. Dann fällt es leicht, ist keine Anstrengung.“

Drei Fragen an Geschäftsführerin Maria Schramm

Wie halten Sie’s mit dem konventionellen Einzelhandel?

Unsere exklusive Bio-Fachhandelsmarke ist Soto. Für den gehobenen LEH haben wir die Bio-Marke Lotus Naturkost entwickelt. Zum Beispiel bei den Edekanern gibt es durchaus Leute, die auch mit Herzblut für Bio stehen.

Aber auch andere …

Stimmt. Aber die Grundidee der Biobewegung ist doch, dass die gesamte Landwirtschaft ökologisch arbeitet und Bio für alle angeboten wird.

Und das Risiko, dass der LEH mit seiner Preispolitik den Fachhandel verdrängt?

Ich denke, wir müssen noch einmal lernen, die Vorzüge unserer Produkte hervorzuheben. Das macht uns der LEH zurzeit vor. Der Bio-Fachhandel steht für Beratung, ein komplettes Bio-Sortiment mit großer Sortimentsvielfalt sowie Wohlfühl-Atmosphäre. Unsere Stärke ist es, innovative und wohlschmeckende Produkte mit sehr gutem Preis-Leistungs-Verhältnis zu entwickeln, wo der Mehrwert über die Produktqualität zu erkennen ist.

Zahlen – Daten – Fakten

1988: Gründung Soto
Firmenstandort: Bad Endorf, Obb.
Mitarbeiter: 80, davon Frauen ca. 50 Prozent / 5 Azubis
Sortiment: vegane und vegetarische Bio-Convenience (Frühlingsrollen, Teigtaschen, Fingerfood, Burger, Falafel, Feinkost-Saucen, Fertigmischungen, TK-Fritten, TK-Beeren); Frische und TK, Groß- und Kleingebinde
Exporte: in benachbarte EU-Länder und die Schweiz
Umsatzentwicklung 2017/2018: 10 Prozent Wachstum
Lager- und Produktionsfläche: 3.200 qm
Geschäftsführung: Maria Schramm
Webseite:
www.soto.de

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