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"Tegut Bio zum kleinen Preis"

Neue Bio-Marke von Tegut rangiert preislich auf Discount-Niveau

Die ersten Produkte der neuen Marke „Tegut Bio zum kleinen Preis“ stehen bereits in den Märkten. Ein Preisvergleich zeigt: der Name ist Programm.

Früher als erwartet verkauft Tegut erste Produkte seiner Bio-Preiseinstiegslinie „Tegut Bio zum kleinen Preis“. Erst in der vergangenen Woche hatte die Lebensmittelzeitung (LZ) berichtet, ein Launch der Marke stehe „in Kürze“ an.

Bereits am Wochenende wurde es dann offiziell: In einem Prospekt stellte der hessische Lebensmittelhändler die neue Bio-Marke vor, vier Artikel standen am Montagmorgen in den Regalen einer Tegut-Filiale in der Nähe der BioHandel-Redaktion.

Tiefpreise wie angekündigt

Wie Tegut mitteilt, sind insgesamt 60 Bio-Basisartikel auf der unteren Preisschwelle geplant: Trockenware, frische Teigwaren, Obst- und Gemüseartikel und Wurstwaren. Im Prospekt beworben werden stückige Tomaten, Sonnenblumen-, Raps- und Olivenöl sowie zwei Naturland-Brote aus der Herzberger Bio-Bäckerei. Dazu der Slogan „Bio ist für alle da.“

Brote

Bis auf die Naturland-Brote waren beim Marktbesuch von BioHandel alle Produkte von „Tegut Bio zum kleinen Preis“ vorrätig. Laut Prospekt kostet das Bio-Roggenvollkornbrot aus 100 Prozent Roggenmehl 3,78 Euro/Kilogramm, das Bio-Vollkornsauerteigbrot ist, sobald verfügbar, für 3,18 Euro zu haben.

Speiseöle

Das kaltgepresste, native Bio-Sonnenblumenöl ist mit 2,90 Euro/Liter ausgezeichnet, das kaltgepresste, native Bio-Rapsöl mit 3,70 Euro/Liter und das Bio-Olivenöl nativ extra kostet 6,12 Euro/Liter. Abgefüllt werden alle drei Öle von der P. Brändle GmbH aus Empfingen, die unter eigenem Namen konventionelle Speiseöle, Essig, Suppen und Gewürze verkauft.

Dosentomaten

Die geschälten Tomaten in Stücken für 1,38 Euro/Kilogramm stammen laut Etikett aus Italien und werden vertrieben durch die Eterna Nahrungsmittel GmbH. Zu dem Unternehmen mit Sitz in Frankfurt am Main gehört auch die Marke Mamma Lucia, die mit konventionellen italienischen Produkten zum Beispiel bei Edeka, Rewe und Globus steht.

Preisvergleich

Die neue Marke von Tegut rangiert preislich auf Discount-Niveau. Vergleichbare Produkte von Alnatura, die bei Tegut bisher den Bio-Preiseinstieg markierten, liegen deutlich darüber.

Alnatura

Das native Sonnenblumenöl von Alnatura kostet bei Tegut 3,38 Euro/Liter, das native Rapsöl 4,98 Euro/Liter, und das Olivenöl nativ extra gibt es für 6,98 Euro/Liter. Für die stückigen Tomaten von Alnatura bezahlen Kunden bei Tegut 2,87 Euro/Kilogramm. Heruntergerechnet auf 400 Gramm stehen sich die Dosen von Alnatura mit 69 Cent und „Tegut Bio zum kleinen Preis“ mit 55 Cent gegenüber.

Aldi „Gut Bio“

Tegut hält bei den Tomaten in Stücken mit Discounter Aldi mit. In einer Filiale von Aldi Süd kostet die 400-Gramm-Dose ebenfalls 55 Cent. Genauso bei den Ölen: Das kaltgepresste Bio-Sonnenblumenöl der Aldi-Marke „Gut Bio“ kostet 2,90 Euro/Liter, das kaltgepresste Bio-Rapskernöl 3,70 Euro/Liter, und für das Bio-Olivenöl nativ extra verlangt der Discounter 6,12 Euro/Liter. In Summe bleibt Aldi geringfügig günstiger als "Tegut Bio zum kleinen Preis": Aufgrund der Mehrwertsteuersenkung gewährt der Discounter 3 Prozent Preisnachlass auf alle Artikel, bei Tegut bekommen Kunden 2 Prozent auf Lebensmittel.

Dennree

Einstiegsmarken im Bio-Fachhandel können preislich nicht mit „Tegut Bio zum kleinen Preis“ mithalten. Das kaltgepresste native Sonnenblumenöl von Dennree kostet im Biomarkt 3,49 Euro/Liter, das kaltgepresste native Rapsöl 5,38 Euro /Liter. Für das griechische Olivenöl nativ extra zahlen Fachhandelskunden 11,98 Euro/Liter, etwas günstiger ist die italienische Variante für 8,99 Euro/Liter. Die stückigen Tomaten von Dennree sind mit 2,48 Euro/Kilogramm 1,10 Euro teurer als die von „Tegut Bio zum kleinen Preis“ und Aldi.

Reaktion auf das Marktgeschehen

Über den Gedanken hinter der neuen Marke schreibt Tegut im Prospekt, man wolle ausdrücklich alle Menschen mit guten Lebensmitteln versorgen, „auch die Jüngeren mit dem kleinen Geldbeutel und alle anderen, die beim Einkauf auf den Preis achten“. Tegut-Einkaufschef Robert Schweininger sagte der LZ, man reagiere damit auf das aktuelle Marktgeschehen.

Mit dem Launch seiner Tiefpreis-Marke bietet Tegut vom 7. bis 12. September außerdem einige Demeter-Produkte zwischen 16 und 36 Prozent günstiger an. Darunter der Weidemilchjoghurt der Gläsernen Molkerei für 1,38 Euro/Kilogramm, der im nahegelegenen Biomarkt regulär einen Euro mehr pro Kilogramm kostet.

Discounter Lidl, der wie Kaufland zur Schwarz-Gruppe gehört, wirbt diese Woche zweiseitig mit veganen Produkten, von denen die Hälfte bio sind – und manche extrem günstig. Den Bio-Mandeldrink der Eigenmarke Milbona gibt es für 1,11 Euro pro Liter, den Haferdrink für 96 Cent. Pendants von Dennree aus dem Biomarkt kosten 2,29 Euro und 1,19 Euro.

Aldi Süd hält sich in seinem aktuellen Prospekt mit Bio-Angeboten zurück. Lediglich das Bio-Rinderhackfleisch fällt ins Auge, das vom 14. bis 19. September 22 Prozent billiger ist und nur 6,98 Euro/Kilogramm kostet.

Bei der Edeka-Tochter Netto Marken-Discount bekommen Kunden bis 12. September 20 Prozent auf alle Obst- und Gemüseartikel der Eigenmarke „Bio Bio“. Lebensmittelhändler Rewe gibt pauschal zehn Prozent auf alle Produkte seiner Eigenmarken, inklusive „Rewe Bio“.

Der BioHandel-Preisvergleich zeigt: Tegut will ein größeres Stück vom Bio-Kuchen haben und setzt mit seiner Einstiegsmarke den Billigangeboten der Konkurrenz etwas entgegen. Der Preiskampf im Bio-Bereich verschärft sich damit weiter.

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Kommentare

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Georg Rieck

Sieh da – die Marktgegebenheiten … ! Da sind sie schon – das ging ja schneller, als befürchtet.

Wenn Tegut den Konkurrenten nichts anderes entgegensetzen kann als „kleine Preise“, müsste man sie eigentlich wegen Phantasielosigkeit bedauern, wenn es sich bei dieser Entwicklung nicht um die ganz große BIO - Tragödie handeln würde.

Tegut trat einstmals als großer Sinnstifter auf, der das Qualitätsmarketing ins Haifischbecken zurückbrachte, nachdem sie sich vom Discounter – Saulus zum Bio – Paulus gewandelt hatten, bekamen Preise und wurden hoch gelobt. Und jetzt die Kapitulation. Der Vorreiter von BIO im LEH beugt sich dem Preisdruck der Kollegen. Abwärts im Strudel des Preisverhaus. Bis hierher wäre es ein „persönliches“ Schicksal, es geht ihnen so, wie allen kleinen Haien, die von ihren großen Brüdern gefressen werden. Aber anstatt die Qualität zu verteidigen, das zarte BIO – Pflänzchen, das ihnen doch so am Herzen lag, mit hinunter zu reißen, nehme ich Ihnen persönlich übel! Preisdruck ist der natürliche Fressfeind der Qualität! „BIO“ ist aber ein Qualitätsversprechen! Sogar das Versprechen einer ganz besonderen Qualität, die sich auf die Zusammenhänge der Ökologie beruft, Kleinteiligkeit, Vielfalt und Diversität. Das geht ganz sicher nicht preisorientiert und billig!

Was passiert da? BIO ist zur Zeit ein Profilierungssortiment und deshalb im LEH hoch willkommen, weil sie sonst ja schon alle Qualität versaut haben. Aber jetzt haben sie Alle BIO und schon beginnt das böse Spiel: Preiskrieg zum Zweck der Verdrängung. Von wegen „damit sich junge Leute und Familien ...“ Das ist Bemäntelung und Gleisnerei!

SchadeSchade – Bio war ein echt guter Ansatz für eine neue, wertschätzende Kultur in der LBM – Wirtschaft.

Markus Maaß

So viel zum Thema "Demeter-Artikel werden vom LEH garantiert nicht über die Preisstellung, sondern über ihre Wertigkeit beworben".
Offensichtlich waren die Demeterartikle ja viel zu Preisaufgeladen, wenn sie jetzt so verramscht werden können.

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