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Aldi, Rossmann und Co.

Rabattical bei LEH und Drogeriemärkten

Bei der Mehrwertsteuersenkung haben die konventionellen Handelsketten ihre Hausaufgaben gemacht. Der Bio-Fachhandel ist nun gefordert, sich ebenfalls großzügig zu zeigen. Bislang ist noch eher Schweigen im Walde.

27.06.2020 vonHorst Fiedler


Bei der Mehrwertsteuersenkung haben die konventionellen Handelsketten ihre Hausaufgaben gemacht. Der Bio-Fachhandel ist nun gefordert, sich ebenfalls großzügig zu zeigen. Bislang ist noch eher Schweigen im Walde.

Aldi Nord und Süd haben sich schon mal als die Großzügigsten eingestuft. Auf alle Preise soll es 3 Prozent Rabatt geben, egal ob sie 7 oder 19 Prozent Mehrwertsteuer (Mwst) enthalten. Und nicht erst ab dem 1. Juli, dem offiziellen Beginn der staatlich verfügten Mehrwertsteuersenkung , sondern bereits ab Samstag, 27. Juni.

Alle Preise wurden am Regal geändert, so dass der Kunde nicht selbst rechnen muss. Das Pfund Kaffee, das bislang für 3,29 Euro zu bekommen war, kostet jetzt 3,19 Euro. Wäre nur die Mwst um 2 Prozentpunkte gesenkt worden, müssten die Aldi-Kunden 3,22 Euro für den Kaffee zahlen. Bei einem Artikel, der 100 Euro netto kostet und mit 19 Prozent zu besteuern ist, würde bei der gesetzlichen Mwst-Senkung von 3 Prozentpunkten ein Preis von 116 Euro auszuloben sein, Aldi verlangt nur 115,43 Euro. Die Devise heißt denn auch: 3 Prozent Rabatt auf Ihren Einkauf!

Rossmann so großzügig wie Aldi

Die Drogeriemarkt-Kette Rossmann, die auch Bio-Lebensmittel verkauft, hält mit: 3 Prozent Rabatt auf den Bruttobetrag gibt es hier an der Kasse ─ auch auf bereits rabattierte Ware. Los ginges aber erst am 29. Juni. Rossmann spart sich den Aufwand der Preisumstellung und geht pragmatisch ans Werk. Denn wenn nach einem halben Jahr die vollen Mehrwertsteuersätze wieder gelten sollten, müssten nochmals alle Preise am Regal geändert werden und der Kunde bekäme den Eindruck von Preiserhöhungen. Praktisch für die Kunden ist der Mehrwertsteuerrechner auf der Webseite von Rossmann. Gibt man den Regalpreis ein, kann man gleich sehen, was man an der Kasse zahlen muss und was man gespart hat.

dm will Dauerpreise sechs Monate halten

Die Kollegen von dm sind nicht ganz so freigiebig und reduzierten die Steuersätze je nach Produkt um 3 oder 2 Prozent. Der Kunde kann das auf seinem Kassenzettel ab 1. Juli artikelgenau nachvollziehen. Zudem soll die dm-Dauerpreisgarantie, die sonst jeweils für vier Monate angelegt ist, während der gesamten Laufzeit der Regierungsentscheidung bestehen bleiben. „Mit den beiden Entscheidungen möchten wir unsere Verlässlichkeit und unsere Solidarität bei drogistischen Produkten und bei Bio-Lebensmitteln unter Beweis stellen. Der Dauerpreis und das Rabattmodell machen im Gegensatz zu Aktionspreisen die tatsächliche Weitergabe der Mehrwertsteuersenkung nachvollziehbar“, erläutert Christoph Werner, Vorsitzender der dm-Geschäftsführung, die Maßnahmen.

Der frühste Vogel fängt keinen Wurm

Während Aldi bei den Discountern und Vollsortimentern die Preisführerschaft im „Rabattical“ übernommen hat, muss Lidl kleinere Brötchen backen. Die Schwarz-Tochter war zwar vorgeprescht und konnte schon am 22. Juni mit veränderten Regalpreisen aufwarten, aber diese wurden brav nach den von der Regierung vorgegebenen Sätzen gesenkt. Die fünf Tage Preisvorteil für Lidl-Kunden fallen durch die Preisgestaltung bei Aldi auf das halbe Jahr bezogen kaum ins Gewicht.

tegut rundet krumme Rabatt-Beträge zugunsten der Kunden auf

Die regionale Supermarktkette tegut spart sich die Neuauszeichnung am Regal und weist dafür die Ersparnis wie dm artikelgenau auf den Kassenbons nach. Auch wird nach Lebensmitteln und Drogerie/Nonfoodartikeln unterschieden, so dass es einmal 2 und einmal 3 Prozent Rabatt gibt. Ab Montag, 29. Juni, begann für tegut das „Rabattical“. Bei „krummen“ Rabattbeträgen wird zugunsten der Kunden aufgerundet. „Die artikelgenaue Auszeichnung des Rabatts und des ursprünglichen Verkaufspreises auf dem Kassenbon sorgt im Gegensatz zur Neuauszeichnung der Preise am Regal für noch mehr Transparenz für die Kunden und entlastet darüber hinaus unsere Filialmitarbeitenden und die Umwelt“, erläutert Thomas Gutberlet, Geschäftsführer von tegut. Zu erwarten ist jedoch, dass tegut jetzt ellenlange Bons zulasten der Umwelt herausgibt und entsprechende Mengen Kassenrollen vorrätig haben muss.

Endziffer 9 wird bei Preisen zur Rarität

Auf Preisänderungen am Regal setzt dagegen Edeka, ebenfalls seit Montag, 29.Juni. Preise von bis zu rund 20.000 Artikeln pro Markt waren zu ändern. Edeka hält sich an die 3 und 2 Prozent. Auch Tochter Netto ist seit Montag mit neuen Regalpreisen dabei und macht es bei den Rabatten wie die Mutter. Das Witzige: Im neuen Angebotszettel gibt es nur ein Produkt, dessen Preis mit einer 9 endet. Sonst war die 9 die beliebteste Endziffer. Verkauft werden beispielsweise Mini-Snacks für 1,91 Euro. Eine Eins am Ende ging sonst gar nicht.

Werbeprospekt von Discounter Netto

Alnatura weist Rabatte auf Bons aus

Im Bio-Fachhandel hat sich Alnatura dafür entschieden, die Rabatte an der Kasse zu gewähren und jeden Preisnachlass artikelgenau auf dem Bon zu dokumentieren. Der Aufwand, Preise an den Regalen zu ändern, sei zu hoch. Alnatura will ab 1. Juli die Mehrwertsteuersenkung weitergeben. Ansonsten ist auf Webseiten der Bio-Filialisten und inhabergeführten Läden (ohne alle gesichtet zu haben) nichts über die Mehrwertsteuersenkung zu finden. Wir hoffen, durch unsere Umfrage noch weitere Informationen über Entscheidungen im Bio-Fachhandel zu bekommen.

Rewe beschreitet Sonderweg

Inzwischen hat auch Rewe bekannt gemacht, wie Kunden von der Mehrwertsteuersenkung profitieren können. Der Handelskonzern gewährt jede Woche 10 Prozent Rabatt auf ausgewählte Sortimente, z.B. auf das Drogerie-Sortiment. Zudem wurden laut Werbung 5.000 Artikel im Preis gesenkt. Am meisten spart man mit 16 Prozent bei der konventionellen Rewe-Eigenmarke, bei Rewe Bio sind es 13 Prozent und bei konventionellen Markenprodukten 9 Prozent, wie Beispiele von gezielt zusammengestellten Produkten in der Werbung zeigen.

Aktualisiert am 30.6.2020

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