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Rückrufe

Pestizid-Funde auch in Bio-Sesam aus Indien

Seit gut zwei Monaten häufen sich in der EU Funde des verbotenen Wirkstoffes Ethylenoxid. Der Ursprung sind Sesamsamen, die aus Indien stammen. Betroffen sind konventionelle und Bio-Unternehmen.

15.12.2020 vonLeo Frühschütz

Inzwischen stoppte Indien den Export von Sesam in die EU.

Seit gut zwei Monaten häufen sich in der EU Funde des verbotenen Wirkstoffes Ethylenoxid. Der Ursprung sind Sesamsamen, die aus Indien stammen. Betroffen sind konventionelle und Bio-Unternehmen.

Die Liste der Rückrufe auf lebensmittelwarnung.de, dem Informationsportal der Bundesländer und dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, ist lang: 16 Produkte mussten Hersteller seit Ende Okober zurückrufen, weil sie Sesamsamen mit Rückständen von Ethylenoxid enthielten, das unter dem Verdacht steht, krebserregend zu sein.

Betroffene Bio-Hersteller aus dem Fachhandel:

  • Allos (Amarant Müsli),
  • Sanchon (zwei Kichererbsenaufstriche),
  • Govinda (Backpacker Hanf)
  • Arche (Sesamöl)

Es könnten noch mehr werden, denn die Untersuchungen der Lebensmittelbehörden sind noch in vollem Gange. Die Labore, so war von einem Hersteller zu hören, kommen mit den Tests kaum noch hinterher.

Jede zweite Lieferung wird untersucht

Indien gehört zu den großen Sesam-Lieferanten der EU. Da immer wieder Salmonellen-Fälle auftraten, hat die EU für Sesam aus Indien festgelegt, dass jede fünfte Lieferung auf den Erreger untersucht werden muss. Womöglich hat dies dazu geführt, dass indische Exporteure vermehrt ihre Ware mit dem dort erlaubten EO desinfizierten. Die Gefahr aufzufliegen ist gering, denn die Substanz wird von den gängigen Pestizid-Screenings nicht erfasst und muss einzeln analysiert werden. Ein Aufwand, den Importeure üblicherweise nicht betreiben.

Ein konventionelles belgisches Unternehmen meldete dennoch den Fund. Am 9. September tauchte er im europäischen Schnellwarnsystem RASFF auf und zog einen Rattenschwanz von Ermittlungen nach sich. Es tauchten Belastungen in weiteren Sesam-Lieferungen auf und am 13. Oktober stand zum ersten Mal Bio-Sesam im RASFF, der über die Niederlande in die EU gekommen war. Seit 26. Oktober muss EU-weit jede zweite Lieferung Sesam aus Indien auf EO untersucht werden. Parallel dazu stoppte Indien den Export von Sesam in die EU, wie Mundus Agri meldete.

Das Zertifizierungsprogramm GMP+ hat eine Liste der indischen Unternehmen veröffentlicht, in deren Sesam-Lieferungen EO nachgewiesen wurde. Zwei von ihnen tragen Bio im Namen: Nature Bio Foods und Organic Products India. Bei den anderen ist nicht ersichtlich, ob sie auch Bio-Sesam in die EU einführten.

Ethylenoxid: Verboten wegen Krebsverdacht

Ethylenoxid (EO) ist ein reaktionsfreudiges, giftiges Gas und wird verwendet, um bestimmte Chemikalien, etwa Tenside, herzustellen. Mit EO werden aber auch Gewürze, Nüsse und Ölsaaten begast, um sie zu desinfizieren. „Bei Sesam sollen so eventuell vorhandene Darmbakterien (z.B. Salmonellen) abgetötet werden, die dort häufig nachgewiesen werden“, erklärt das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart (CVUA).

In der EU ist EO als Pestizid seit 1991 verboten, in Deutschland schon seit 1981, da es als krebsereregend und erbgutschädigend eingestuft ist. In anderen Staaten wie Indien oder den USA darf es weiterhin angewandt werden. Ölsaaten wie Sesam, die in die EU eingeführt werden, dürfen maximal 0,05 Milligramm je Kilogramm (mg/kg) an EO enthalten.

Bei Bio-Produkten würde bereits ein Wert von 0,01 mg/kg zu dem Verdacht führen, dass die Ware mit einem nicht erlaubten Mittel begast wurde. EO zerfällt relativ schnell und bildet dabei 2-Chlorethanol, über dessen Schädlichkeit wenig bekannt ist. Deshalb gilt der Grenzwert vorsorglich für die Summe aus Ethylenoxid und 2-Chlorethanol. Gemessen wurden in Bio-Sesam zumeist Gehalte von mehreren mg/kg.

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