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Bio im Test

Schimmelspuren in Spaghetti gefunden

Ökotest hat Vollkornspaghetti unter die Lupe genommen und in mehreren Produkten Schimmelgifte entdeckt. Geschmeckt haben sie trotzdem.

31.03.2020 vonRedaktion

Im Märzheft singt die Ökotest-Redaktion das hohe Lied vom Vollkorn. Passend dazu ließen sie 20 Packungen Vollkornspaghetti verkosten und im Labor untersuchen. 15 davon waren Bio.

Mit „sehr gut“ schnitten die Bioladen-Spaghetti von Weiling ab, die Dinkel-Spaghetti von Naturata und Spaichinger Nudelmacher (Albgold) sowie fünf LEH-Bio-Marken. Bei den Spaghettis von Dennree und Rapunzel wertete Ökotest die Gehalte an Schimmelpilzgiften als „erhöht“. Sie erhielten ebenso wie zwei LEH-Produkte die Note „befriedigend“. Die Alnatura Spaghetti schnitten „mangelhaft“ ab, weil die Konzentration an Pilzgiften „stark erhöht“ war. Auch zwei LEH-Bio-Nudeln bekamen die rote Karte. Von den fünf konventionellen Vollkurnnudeln war nur ein Produkt „gut“. Bei der Sensorik gab es 19 mal „sehr gut“. Ökotest riet deshalb, alte Vorurteile gegen Vollkornnudeln über Bord zu werfen. „Geschmack und Mundgefühl sind deutlich besser geworden“, schrieb das Magazin.

Nicht akut gefährlich

Bestimmt hatte das Labor die Gehalte an T2 und HT2-Toxinen, die von Fusarienpilzen gebildet werden, wenn diese das Korn noch auf dem Feld befallen. Da sich diese Pilzgifte bevorzugt in den Randschichten des Korns ablagern, sind Vollkornnudeln besonders gefährdet. Getreidepilze treten verstärkt in feuchten Jahren auf. 2019 war der Sommer in Italien, wichtigstes Anbauland für Spaghetti-Hartweizen, durch heftige Unwetter geprägt.

Einen amtlichen Grenzwert für die Mykotoxine T2 und HT2 gibt es nicht. Die europäische Lebensmittelbehörde EFSA hatte 2011 eine noch tolerierbare tägliche Aufnahmemenge (TDI) von 0,1 Mikrogramm je Kilogramm Körpergewicht festgelegt. 2017 verschärfte sie diesen Wert auf 0,02 Mikrogramm. Diesen sehr strengen TDI-Wert verwendete Ökotest für seine Bewertung. Wurde er zu mehr als 50 Prozent ausgeschöpft, galt der Gehalt als „erhöht“. Wurde der Wert überschritten, gab es ein „stark erhöht“ und vier Noten Abzug. Ökotest wies eigens darauf hin, dass von diesen belasteten Nudeln keine akute Gesundheitsgefahr ausgeht. Allerdings wirken Schimmelpilzgifte bei dauerhafter Aufnahme schon in sehr kleinen Dosen; sie schwächen das Immunsystem und können Organe schädigen, vor allem die Leber.

Alnatura teilte mit, dass ihr Herstellerpartner den eingesetzten Vollkorn-Hartweizengrieß für die Spaghetti auch auf Mykotoxine untersuche. "Die regelmäßigen Analysen zeigen, dass diese Stoffe häufig gar nicht oder nur in sehr geringen Spuren und dann sehr ungleichmäßig vorhanden sind", schreibt Alnatura: "Wir werden mit unserem Herstellerpartner über eine noch genauere Probenahme und engmaschigere Analytik sprechen, um diese ungewollten Stoffe in den Alnatura Vollkornspaghetti künftig noch sicherer vermeiden zu können."

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