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"Pestizidrebellen"

Verfahren gegen Oekom-Geschäftsführer Radloff wird eingestellt

Das Landgericht Bozen in Südtirol hat entschieden, die Verfahren gegen den Verleger Jacob Radloff und Vorstände des Umweltinstituts zu den Akten zu legen. Für die Betroffenen ein erster Teilerfolg.

28.10.2020 vonLeo Frühschütz

Gegen Oekom-Verleger Jacob Radloff wird nicht mehr ermittelt.

Das Landgericht Bozen in Südtirol hat entschieden, die Verfahren gegen den Verleger Jacob Radloff und Vorstände des Umweltinstituts zu den Akten zu legen. Für die Betroffenen ein erster Teilerfolg.

Jacob Radloff ist Geschäftsführer des Oekom-Verlags, der 2017 Alexander Schiebels Buch "Das Wunder von Mals" veröffentlichte. Darin berichtete der Autor über den Kampf der kleinen Südtiroler Gemeinde gegen den Pestizideinsatz im Obstanbau. Der Südtiroler Landesrat Arnold Schuler und über 1600 Landwirte erstatten Anzeige wegen übler Nachrede gegen Schiebel und seinen Verleger.

Der Prozess gegen Schiebel begann bereits im September. Mit der Anhörung Radloffs wollte das Gericht klären, ob es auch ihn anklagt. In seiner Erklärung vor Gericht wertete Radloff die Anzeige als schweren Angriff auf die Meinungsfreiheit: „Es darf nicht sein, dass sich haltlose Klagen gegen Publizist*innen als Mittel etablieren, um unliebsame Kritik zum Schweigen zu bringen“, sagte der Verleger.

Entscheidung aufgrund von Mangel an Beweisen

Während das Verfahren gegen Schiebel weitergeführt wird, entschied das Gericht, die Ermittlungen gegen Radloff zu den Akten zu legen und begründete dies mit einem Mangel an Beweisen. Ebenfalls beendet wurde das Verfahren gegen ehemalige und aktive Vorstände des Umweltinstituts München.

Die Betroffenen begrüßten die Entscheidung als einen bedeutenden Teilsieg für das Recht auf freie Meinungsäußerung. „Auch wenn ich nun nicht mehr selbst auf der Anklagebank Platz nehmen muss, stehen immer noch Menschen vor Gericht, weil sie auf ein real existierendes Problem aufmerksam gemacht haben“, sagte Radloff.

Neben Schiebel ist noch Karl Bär vom Umweltinstitut München angeklagt. Der Verein initiierte im Jahr 2017 eine öffentlichkeitswirksame Kampagne zur Aufklärung über den hohen Pestizideinsatz in Südtirol.

Anmd.d.Red.: Der Artikel ist am 28.10.2020 aktualisiert worden.

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