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Nutri-Score: Nutzer und Verbraucher sollen stärker eingebunden werden

Unternehmen und Verbraucherverbände sollen intensiver in die Arbeit am Nutri-Score mit einbezogen werden. Der Teilnehmerkreis soll dabei ein möglichst repräsentatives Abbild der an der Nährwertampel beteiligten Anwender widerspiegeln.

Im Rahmen von regelmäßigen Anwenderforen sollen Unternehmen und Verbraucherverbände über aktuelle Entwicklungen am Nutri-Score informiert und zu technischen und praktischen Umsetzungsfragen angehört werden. Das hat der Nutri-Score-Lenkungsausschuss beschlossen, der für die übergreifende Koordination und Entwicklung der Lebensmittelampel auf internationaler Ebene verantwortlich ist. Darüber informierte das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft.

Die Nutri-Score-Staaten haben die Rahmenbedingungen des Anwenderforums in ihrer gemeinsamen Grundsatzvereinbarung beschrieben. Dieses soll mindestens einmal jährlich tagen, bei Bedarf und in Abhängigkeit von aktuellen Themen aber weitere Sitzungen veranlassen können. Der Teilnehmerkreis des Forums soll ein möglichst repräsentatives Abbild der am Nutri-Score beteiligten Anwender widerspiegeln, teilte das BMEL mit.

Teilnehmer werden per Losverfahren ausgewählt

Hierfür soll jeder der sieben Nutri-Score-Staaten – neben Deutschland sind dies Frankreich, Belgien, Luxemburg, Schweiz, die Niederlande und Spanien – bis zu zehn interessierte Anwender, darunter einen nationalen Verbraucherverband, vorschlagen können. Zusätzlich soll dem europäischen Verbraucherverband BEUC (Bureau Européen des Unions de Consommateurs) Raum zur Anhörung geboten werden, sodass insgesamt bis zu 71 Anwender an den Sitzungen des Forums teilnehmen können. Die Ergebnisse der Sitzungen sollen in öffentlichen Protokollen festgehalten werden.

Das BMEL, das in Deutschland für die Umsetzung und Koordination des Nutri-Score zuständig ist, hat sich dazu entschieden, je einen Verband der Lebensmittelwirtschaft und der Verbraucherschaft zu dem Austausch einzuladen. Um welche Verbände es sich dabei handelt, stand zunächst noch nicht fest. Zusätzlich stehen noch acht Plätze für Wirtschaftsvertretungen aus Deutschland zur Verfügung.

Das BMEL möchte Unternehmen aus den Gliedern entlang der Wertschöpfungskette beteiligen sowie kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) berücksichtigen. Interessierte und für den Nutri-Score registrierte Unternehmen aus den drei Gruppen Hersteller, Handel und KMU werden für die Teilnahme am Anwenderforum per Losverfahren ausgewählt. Das Auftakttreffen soll im Juli stattfinden, teilte das Ministerium auf BioHandel-Anfrage mit.

Algorithmus bewertet Lebensmittel

Mit dem Nutri-Score will das BMEL Verbraucherinnen und Verbraucher bei der Auswahl ernährungsphysiologisch günstigerer Lebensmittel unterstützen. Als sogenannte erweiterte Nährwertkennzeichnung bewertet der Nutri-Score den Nährwert eines verpackten Lebensmittels zusammenfassend anhand eines wissenschaftlichen Algorithmus. Das Ergebnis wird in Form einer fünfstufigen Farb-Buchstaben-Kombination auf der Verpackungsvorderseite abgebildet und soll es Verbraucherinnen und Verbrauchern erleichtern, den Nährwert von Lebensmitteln einer Kategorie zu vergleichen.

Das wissenschaftliche Komitee „Countries officially engaged in Nutri-Score“ (COEN) hat den Algorithmus der Nährwert-Ampel Nutri-Score im vergangenen Jahr überarbeitet. Dabei wurden auch zentrale Forderungen des Bund Naturkost Naturwaren (BNN) umgesetzt, die eine adäquatere Bewertung von Bio-Produkten ermöglichen sollen.

Mehrheit der BNN-Mitglieder lehnt Nutri-Score ab

Trotz dieser Änderungen lehnen 80 Prozent der BNN-Mitglieder eine EU-weite Einführung des Nutri-Scores ab. Ihnen fehlt die Berücksichtigung des Verarbeitungsgrades bei der Lebensmittelbewertung. Wird dieser nicht mit einbezogen, werden etwa Monoprodukte wie Käse, die für die private Weiterverarbeitung verwendet werden, mittels Nutri-Score deutlich schlechter bewertet als hochverarbeitete Produkte wie Pizza, so der BNN. Da vielen Menschen nicht klar ist, dass beim Nutri-Score nur Produkte innerhalb einer Produktgruppe vergleichbar sind, entsteht also ein verzerrtes Bild: die Tiefkühlpizza wird im Vergleich zu Käse fälschlicherweise als gesünder wahrgenommen.

Erst im März hat Berief, Hersteller von pflanzlichen Drinks, die Lebensmittelampel von seinen Produkten entfernt. Der Grund: Nach der Überarbeitung zur Bestimmung des Nutri-Scores werden alle Produkte, die getrunken werden, nach dem Algorithmus für Getränke bewertet und nicht mehr mit dem Algorithmus für allgemeine Lebensmittel. Das bedeutet für Berief, dass zahlreiche bislang mit der grünen Bestnote „A“ bewertete Getränke künftig mindestens mit einem „B“ oder schlechter eingestuft werden.

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