Biohandel

Wissen. Was die Bio-Branche bewegt

Geschäftsjahr 2022

Neumarkter Lammsbräu verkauft weniger Bier

Der Bio-Getränkehersteller konnte trotz Absatzrückgang seinen Umsatz 2022 im Vergleich zum Vorjahr nahezu stabil halten. Auf die aktuelle Kaufzurückhaltung reagiert Lammsbräu mit Veränderungen.

Die Neumarkter Lammsbräu hat im vergangenen Jahr einen ähnlich hohen Umsatz erzielt wie 2021. Zwar verkaufte der Bio-Hersteller 2022 insgesamt weniger Getränke – der Absatz sank um 3,75 Prozent von insgesamt 270.420 auf 260.286 Hektoliter (hl). Der Umsatz ging im gleichen Zeitraum lediglich um 1,24 Prozent zurück – von 32,2 Millionen Euro im Jahr 2021 auf 31,8 Millionen Euro. Im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019 konnte Neumarkter Lammsbräu den Umsatz um 10,1 und den Hektoliter-Absatz um 1,05 Prozent steigern.

„Wir blicken auf drei außergewöhnliche Jahre zurück, die von gegenläufigen Effekten geprägt waren“, teilte Inhaber und Geschäftsführer Johannes Ehrnsperger mit. „Zum einen hat das allgemeine Bewusstsein für eine gesündere und nachhaltigere Ernährung während der Corona-Zeit weiter zugenommen und den Bio-Markt zunächst befördert. Auf der anderen Seite sind die Nachwirkungen der Lockdown-Einschränkungen in der Gastronomie und die sich seit Beginn des Ukrainekriegs 2022 entfaltende Inflation im Konsumverhalten der Menschen deutlich sichtbar.“

Dass die Menschen angesichts stark gestiegener Preise zurückhaltender einkaufen, merkte Lammsbräu besonders beim Bier. Davon setzte der Bio-Pionier im vergangenen Jahr mit 98.379 Hektolitern 7,0 Prozent weniger ab. 2021 waren es noch 105.783 Hektoliter, 2019 verkaufte Lammsbräu 101.346 Hektoliter. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts lag der versteuerte Bierabsatz in Deutschland im Jahr 2022 bei mehr als 72,3 Millionen Hektoliter. Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Bier-Absatz demnach um rund vier Prozent. Bei den alkoholfreien Bio-Getränken verbuchte Lammsbräu einen Absatzrückgang von lediglich 1,66 Prozent auf 161.907 Hektoliter (2021: 164.637 hl, 2019: 156.198 hl).

Wichtige Reformvorhaben sollen jetzt umgesetzt werden

Für Johannes Ehrnsperger bedeuten diese Entwicklungen zweierlei: „Als Bio-Pionier sehen wir unser jahrzehntelanges Engagement für mehr Nachhaltigkeit und echten Genuss grundsätzlich auch am Markt bestätigt und werden es konsequent fortsetzen. Das ist unser Kern.“ Auf der anderen Seite sei Lammsbräu durch das aktuelle Sparverhalten in großen Teilen der Bevölkerung motiviert, „die eigenen Vermarktungsaktivitäten sowie die Kostenstruktur daran anzupassen und wichtige Reformvorhaben jetzt umzusetzen“.

So wolle Neumarkter Lammsbräu beispielsweise den Handel mit attraktiven Zweitplatzierungs- und Informationsangeboten breit unterstützen, „damit die Besonderheiten der Lammsbräu-Produktrange auch am POS noch besser zur Geltung kommen“, so Johannes Ehrnsperger. Zusätzlich wolle das Unternehmen mit anderen Herstellern kooperieren und seine Ressourceneffizienz steigern, um „diese Phase der Kaufzurückhaltung gestärkt zu überwinden“.

Neumarkter Lammsbräu legt großen Wert darauf, so nachhaltig, fair und nachvollziehbar wie möglich zu wirtschaften. Dazu gehört auch der Anspruch, die Herkunft aller wesentlichen Bio-Rohstoffe und alle Akteure in seinem Liefernetzwerk zu kennen, für die sozialen und ökologischen Bedingungen vor Ort mit Sorge zu tragen und diese gegebenenfalls zu verbessern.

Naturland Fair-Zertifizierung für umfassende Sorgfaltsstrategie im Liefernetzwerk.

Für Ihre Biere wurde die Neumarkter Lammsbräu im vergangenen Jahr von 176 Bio-Landwirten der Erzeugergemeinschaft für ökologische Braurohstoffe (EZÖB) beliefert. Was die Produktion seiner Now-Limonaden angeht, kommen die Rohstoffe für die mengenmäßig relevantesten Zutaten dem Unternehmen zufolge zu rund 90 Prozent aus Europa. 2022 erhielt Lammsbräu für einige Limonaden die Naturland Fair-Zertifizierung für umfassende Sorgfaltsstrategie im Liefernetzwerk.

Seit 2021 ist die Brauerei Teil des Pilotprojekts Regionalwert Leistungen. In diesem Projekt hat Lammsbräu im vergangenen Jahr erstmals den konkreten Mehrwert quantifiziert, den ein durchschnittlicher EZÖB-Landwirtschaftsbetrieb pro Jahr für Umwelt und Gemeinwohl durch sein nachhaltiges Wirtschaften zusätzlich zu seiner Lebensmittelerzeugung erbringt. Zur finanziellen Bewertung der Nachhaltigkeitsleistungen der Bio-Landwirte kam ein Online-Tool von Regionalwert Leistungen zum Einsatz, das auf circa 300 Kennzahlen basiert. Ergebnis: Etwa 53.200 Euro pro Hof und hochgerechnet rund 9,6 Millionen Euro erwirtschaften die 176 EZÖB-Bauern jährlich an Mehrwert für Umwelt und Gemeinwohl, teilte Lammsbräu mit.

Neumarkter Lammsbräu ist laut eigenen Angaben Marktführer in Deutschland bei Bio-Bier mit einem Marktanteil von über 60 Prozent. Bei Bio-Limonaden ist das Unternehmen demnach zweitgrößter Hersteller im Naturkostmarkt mit einem Marktanteil von über 20 Prozent. Aktuell beschäftigt der Bio-Pionier 159 Mitarbeitende.

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