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Naturata Köln: Am Puls der Zeit

Seit über 20 Jahren prägt Naturata die Kölner Naturkostszene mit. Das Unternehmen ist stets am Puls der Zeit und passt sich veränderten Marktansprüchen an. Bei Zusatzleistungen hat Inhaber Lutz Größel eine Vorreiterrolle übernommen.

30.06.2004

Seit über 20 Jahren prägt Naturata die Kölner Naturkostszene mit. Das Unternehmen ist stets am Puls der Zeit und passt sich veränderten Marktansprüchen an. Bei Zusatzleistungen hat Inhaber Lutz Größel eine Vorreiterrolle übernommen.

Der erste Eindruck, wenn man den Citymarkt betritt, vermittelt, dass bei Naturata die Idee, Bio-Lebensmittel zu verkaufen, anspruchsvoll umgesetzt wird. Dieser Eindruck bestätigt sich im Gespräch mit Lutz Größel, Inhaber der beiden Kölner Naturata-Läden. Seit seinem Einstieg als Einzelhändler im Jahr 1994 übernimmt er eine Vorreiterrolle. Als einer der ersten hat er erkannt, dass biologische Lebensmittel und modernes Ambiente kein Widerspruch sind.

Nach dem Motto "wer wagt gewinnt" platzierte der junge Unternehmer mit 23 Jahren das Angebot des 150-Quadratmeter-Ladens seiner Mutter auf 240 Quadratmeter Verkaufsfläche. "Der Laden war ein echter Hingucker", erinnert sich Größel: weiße Bodenfließen, die Inneneinrichtung entworfen vom baden-württembergischen Künstler Dieter Zimmermann. "Das hatte zur Folge, dass auch 'Otto Normalverbraucher' ohne Schwellenangst einkaufen kam", sagt er. Das Kalkül, mit einer modernen Einkaufsstätte zusätzliche Kunden zu generieren, ging auf. Umsatzsteigerungen von 50 Prozent im ersten Jahr bestätigten, dass er auf dem richtigen Weg war.

In der weiteren Entwicklung achtete Lutz Größel darauf, am Puls der Zeit zu bleiben oder der Zeit sogar voraus zu sein. Er führte als erster in Kölns Naturkostszene Einkaufswagen ein und ein Warenwirtschaftsystem. "Die Bedürfnisse und Wünsche der Kunden waren meine Orientierung, nicht der Status Quo der Mitbewerber", sagt er.

Lieferservice bringt 15 Prozent Umsatz

Größels Grundsatz: "Wir wollen der beste Laden sein." Service und Zusatzangebote hält er für ein Muss: Die große Naturtextil- und Spielzeug-Abteilung im Stammladen im Stadtteil Sülz gibt es von Anfang an. Sie hat ihren Ursprung im ganzheitlichen Denkansatz, aus dem heraus der Laden 1982 von Helga Größel gegründet wurde: Die gesamte Spannbreite ökologischen Lebens sollte für Verbraucher zugänglich gemacht werden.

Flächenmäßig nimmt die Abteilung mit Baby- und Kinderkleidung sowie kindgerechtem Spielzeug aktuell etwa 100 Quadratmeter ein, zum Umsatz trägt sie rund 20 Prozent bei. Trotz konjunkturbedingtem Null-Wachstum seit zwei Jahren wollen Lutz Größel und seine Ehefrau Claudia das Angebot aufrechterhalten. Denn die Abteilung hat einen hohen Bekanntheitsgrad in der Stadt.

Der Lieferservice existiert seit 1995 und ist zusammen mit dem Internetshop (seit 2001) ein weiteres Standbein. Umsatzanteil: etwa 15 Prozent. Die Kommissionierung der täglich bis zu vierzig Bestellungen beginnt ab fünf Uhr morgens im Sülzer Laden. Ein Klein-Lkw mit gekühltem Laderaum fährt die Ware an vier Wochentagen aus. Der Lieferservice-Kunde kann aus rund 2.500 Artikeln wählen, ab 30 Euro entfällt die Zustellgebühr. "Die Aufträge liegen zwischen 30 und 250 Euro. Eine Zusatzdienstleistung, die sich rechnet", urteilt Größel.

Außer dem Lohn für den Fahrer und dem Unterhaltungsaufwand für den Transporter entstehen keine zusätzlichen Kosten. Warenbeschaffung und Warenpflege laufen über den Laden, ein zusätzliches Lager ist nicht nötig, und das Personal deckt sich mit dem Ladenteam. "Durch sinnvolle Arbeitsabläufe lassen sich hohe Umsätze pro Mitarbeiter und Quadratmeter erzielen." Es gibt nur ein Problem: Die Kapazitätsgrenze ist bald erreicht.

Frischfleisch als Shop-in-Shop

Während des BSE-Booms blieb Größel Realist. Das Personal wurde nicht aufgestockt, jeder leistete Mehrarbeit und schuf dadurch die Basis für weitere Expansion. Nur 200 Meter vom alten Standort in Sülz entfernt wurde im Jahr 2001 ein 400 Quadratmeter großes Ladenlokal bezogen. Frischfleisch als Shop-in-Shop Lösung der Kölner Bio-Fleischerei Jansen wurde eingeführt, ebenso eine separate Bäckerei-Theke im Eingangsbereich.

Die künstlerische Ladeneinrichtung musste im Lebensmittelbereich funktionalen Elementen weichen. Sie blieb nur in der Textil- und Spielzeugabteilung erhalten, die nicht vergrößert wurde. Auch dieser Umzug war wieder ein Erfolg: 20 Prozent Umsatzplus im ersten Jahr.

"Selbst bei 500 bis 700 Kunden täglich muss es noch möglich sein, Atmosphäre zu schaffen und Spaß mit der Kundschaft zu haben. Ihre Wünsche zu kennen, ist uns sehr wichtig", sagt Lutz Größel. Auch Kritik empfindet er als ausgesprochen wertvoll. Wo immer möglich, sucht er den Kontakt zu den Kunden. Ausflüge auf Höfe und zu Herstellern sind ein probates Mittel, um die Meinung interessierter Menschen einzuholen. Größel lässt sich einiges einfallen, um Kundenbindung zu betreiben. Dieses Jahr ist eine Schifffahrt auf dem Rhein mit Unterhaltungsprogramm und Essen geplant.

Mitarbeiter übernehmen Verantwortung

Nicht nur Kundenorientierung wird bei Naturata gepflegt, sondern auch die Verbindungen zu Lieferanten, Herstellern und Mitbewerbern. Bei aller Offenheit für Neues setzt Größel auf gewachsene Partnerschaften. Zum einen liegt ihm die Region am Herzen, was sich im Sortiment beispielsweise in der Präsenz der Firmen Heuschrecke, Viana und Käse vom Demeter-Hof Haus Bollheim niederschlägt. Zum anderen engagiert er sich jedoch auch für Projekte in Übersee. So ist mit der Firma Weiling ein besonderes Bananenprojekt in Planung.

Teamarbeit wird auch in den Läden groß geschrieben. Im Stammgeschäft in der Berrenratherstraße gibt es keinen Chef. Das neunköpfige Team übernimmt die Verantwortung. "Das Vertrauen, das ich dem anderen zusammen mit gestalterischen Möglichkeiten einräume, macht die Flexibilität und Geschwindigkeit des Unternehmens aus", so Größel. Im Naturata City führt das Duo Michael Heck und Ute Vierkötter das Geschäft.

"Mein Konzept, auf Menschen zu setzen, lässt sich weiterentwickeln und selbstverständlich auch vervielfältigen", beschreibt Lutz Größel seine weiteren Pläne. Kontakte zu Großhandel, Lieferanten und Ladenbauern seien vorhanden, ein Ladenlokal mit 400 Quadratmetern stehe in Aussicht, die Hausbank habe bereits Hilfe signalisiert. Es bestehe jedoch kein Zeitdruck. Deshalb könne er in Ruhe mögliche Veränderungen der Firmenstruktur durchdenken und die dem Zeitgeist entsprechende, richtige Entscheidung treffen.

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