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Oxfam-Ranking

Menschenrechte: Letzter Platz für Edeka

Der Supermarktcheck 2020 der Menschrechtsorganisation Oxfam zeigt, dass Menschenrechte für Supermärkte weiterhin eine Nebenrolle spielen. Edeka landete in diesem internationalen Vergleich wieder auf dem letzten Platz.

10.07.2020 vonLeo Frühschütz

Edeka-Markt von Innen – der Handelskonzern wird von Oxfam stark für seine Menschenrechtspolitik kritisiert.

Zum dritten Mal hat Oxfam analysiert und bewertet wie 16 Handelsketten in Deutschland, Großbritannien, den USA und den Niederlanden mit Menschenrechten in ihren Lieferketten umgehen. Das Ergebnis: Lidl, Rewe und Aldi haben sich zwar deutlich verbessert, doch noch immer erreicht kein deutscher Supermarkt mehr als ein Drittel der möglichen Punkte. „Was uns Corona-Ausbrüche in deutschen Schlachtbetrieben vor Augen führen, ist auch in den internationalen Lieferketten menschenunwürdige Realität mit bitteren Folgen: Konzerne tun zu wenig dagegen, dass die Menschen, die das Essen in den Supermarktregalen herstellen, ausgebeutet werden“, sagte Franziska Humbert, Oxfam-Expertin für Wirtschaft und Menschenrechte.

Transparenz bei Lidl

Bei Lidl lobt sie, dass das Unternehmen mittlerweile einen Großteil seiner direkten Zulieferer publik mache. Auch hätten Lidl und Aldi sich dazu verpflichtet, für Risikoprodukte zusammen mit Gewerkschaften und der Zivilgesellschaft vor Ort Risikoanalysen und Aktionspläne zu erarbeiten, um bessere Arbeitsbedingungen durchzusetzen. Rewe und Lidl wollten außerdem einen Beschwerdemechanismus für Betroffene einrichten.

Lidl erreichte 32 von hundert Punkten, Aldi Süd und Rewe lagen bei 25 und Aldi Nord bei 18. Edeka kam gerade mal auf 3 Punkten und damit auf den letzten Platz. Der Handelskonzern verweigere sich einer ernsthaften Menschenrechtspolitik, kritisierte Oxfam.

Zu niedrige Preise

Weiterhin kritisch sehen die Menschenrechtler die Preispolitik der Handelsketten: „Die Menschen, die für unsere vollen Einkaufsregale sorgen, erhalten selbst Hungerlöhne, die nicht zum Leben reichen“, schreibt Oxfam. „Die Supermärkte müssen dringend ihre Preispolitik gegenüber Zulieferern ändern, damit diese auch Löhne zahlen können, die für den Lebensunterhalt ausreichen.“ Kein Unternehmen habe belegen können, dass es Lieferanten nach menschenwürdigen Arbeitsbedingungen auswähle und nicht nur nach niedrigen Preisen.

Insgesamt lagen die deutschen Unternehmen im Mittelfeld der 16 Handelsketten,während die britischen Supermarktketten Tesco und Sainsbury‘ das Ranking anführten. Das liegt laut Oxfam daran, dass sie per Gesetz gezwungen seien, über ihre Menschenrechtspolitik zu berichten. Für Deutschland fordert Franziska Humbert ein Lieferkettengesetz, „das Supermärkte dazu verpflichtet, die Menschenrechte in ihren Lieferketten zu achten.“

Über den Oxfam Supermarkt-Check

Seit drei Jahren vergleicht Oxfam einmal jährlich die größten deutschen Supermarkt-Ketten miteinander: Wie transparent sind Aldi, Edeka, Lidl und Rewe? Achten sie die Arbeiterrechte in ihren Lieferketten? Wie steht es um den Umgang mit Kleinbauern? Inwiefern spielen Geschlechtergerechtigkeit und Frauenrechte eine Rolle?

Zum Oxfam Supermarkt-Check 2020

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