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Bio-Getränkehersteller

Lemonaid vs. Behörden: Mindestzuckergehalt in Limos ist Geschichte

Vor über fünf Jahren wurde Lemonaid erstmals wegen einem zu geringeren Zuckergehalt in seinen Limonaden abgemahnt. Nach langen Auseinandersetzungen mit unterschiedlichen Behörden hatte das Unternehmen nun Erfolg: Limo darf nun offiziell weniger Zucker enthalten und trotzdem Limo heißen.

Der Bio-Getränkehersteller Lemonaid darf seine Limonade ab sofort offiziell Limonade nennen. Nach über fünf Jahren Auseinandersetzungen mit der Deutschen Lebensmittelbuch-Kommission (DLMBK) hat die Behörde ihre Limonaden-Leitsätze aktualisiert und Mitte Mai im Bundesanzeiger bekanntgemacht.

Zuvor wurde das Unternehmen, wie BioHandel berichtete, ab 2018 mehrfach durch verschiedene Behörden abgemahnt und einer Pressemitteilung zufolge „wirtschaftlich in die Enge getrieben“, da dessen Limonaden zu wenig Zucker enthalten. Laut der DLMBK entsprachen die Lemonaid-Limos dem Leitsatz für Erfrischungsgetränke nicht. Dieser besagte bisher, dass Limonaden einen „Gesamtzuckergehalt von mindestens 7 Gewichtprozent“ aufweisen müssen, „der bei brennwertverminderten Limonaden teilweise oder ganz durch Süßstoffe ersetzt ist.“

Jahrelanger Einsatz für neue Limo-Leitlinien

Als Protest gegen die Abmahnungen erschuf der Hersteller im Jahr 2020 eine Zuckerstatue von der damaligen Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft Julia Klöckner. Mit diesem „Denkmal“ machte Lemonaid öffentlichkeitswirksam auf einen Widerspruch aufmerksam: zwischen Klöckners erklärtem Ziel, den Zuckergehalt in Getränken bis Ende 2025 um 15 Prozent zu senken, und der gleichzeitigen Abmahnung für eine Limo mit zu wenig Zucker. Zwar lenkte Klöckner ein und beauftragte die DLMBK mit einer Überprüfung ihrer Leitsätze.

Doch von dort kamen zunächst verschiedene Vorschläge und Vorgaben statt neuer Leitlinien: etwa, das Getränk „Erfrischungsgetränk“ statt „Limonade“ zu nennen oder auf den geringeren Zuckergehalt hinzuweisen. Angenommen hat der Hamburger Getränkehersteller diese Vorgaben laut des Online-Magazins Stern unter anderem aus wirtschaftlichen Gründen nicht bzw. nur in Teilen. Die Abmahnungen haben laut Lemonaid „existentielle Sorgen für das soziale Unternehmen ausgelöst“.

Auf den geringeren Zuckergehalt wies Lemonaid als Reaktion beispielweise mit einem an Zigarettenschachteln angelehnten Warnhinweis aus Papier mit der Aufschrift „Achtung, wenig Zucker“ hin, statt ihre Glasflaschen mit eingebrannter Bezeichnung und Rezeptur teuer umzugestalten und auszutauschen. Unter anderem mit Aktionen wie dieser sowie jahrelangem Einsatz führte das Unternehmen die behördlichen Vorschläge ad absurdum.

Neue Leitlinien für gesündere Getränkealternativen

Mit Erfolg: Der Passus, dass Limonaden mindestens sieben Prozent Zucker enthalten müssen, ist gestrichen. Stattdessen besagt der Limonaden-Leitsatz laut Bundesanzeiger vom 16. Mai 2024 nun, dass sich „der Gesamtzuckergehalt bei Limonaden üblicherweise aus dem Zuckergehalt der Fruchtbestandteile und dem zugesetzten Zucker zusammensetzt. Bei brennwertverminderten Limonaden kann zugesetzter Zucker teilweise oder ganz durch Süßungsmittel ersetzt werden.“

Neben Medienberichten machte am Dienstag auch Lemonaid selbst seinen Erfolg auf Instagram bekannt und kommentierte: „Dass sich unsere Mühen der letzten Jahre gelohnt haben und die groteske Zucker-Mindestgrenze nun endlich aufgehoben wurde, ist nicht nur ein großer Erfolg für uns und alle, die sich für gesündere Getränkealternativen einsetzen, sondern vor allem höchste Zeit.“ Denn, so schreibt das Unternehmen in seiner Pressemitteilung: „In letzter Konsequenz hätte die Zucker-Mindestgrenze zu einem Verbot und einer damit verbundene Entsorgung aller Mehrweg-Flaschen und Produkte geführt.“

Zur Feier seiner „ersten legalen Limo“ nach 15 Jahren Markterfolg startet der Bio-Getränkehersteller eine Aktion im Supermarkt und versieht seine Limos mit einem „Jetzt legal“-Aufkleber. Damit wolle sich Lemonaid auf humorvolle Weise zu der viel zu langen Entscheidungsdauer und fehlenden Konsequenz der Bundespolitik positionieren.

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