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Herstellerporträt

Kräuter- und Gewürzspezialist Galke über 80 Jahre am Markt

Seit 1920 beschafft, verarbeitet und vertreibt die im Harzvorland ansässige Alfred Galke GmbH Kräuter, Gewürze und pflanzliche Produkte. Angefangen hat alles mit der begehrten schlesischen Kamille.

31.01.2003

Seit 1920 beschafft, verarbeitet und vertreibt die im Harzvorland ansässige Alfred Galke GmbH Kräuter, Gewürze und pflanzliche Produkte. Angefangen hat alles mit der begehrten schlesischen Kamille.

Wer sich dem rund 2.000 Einwohner kleinen Flecken Gittelde auf der Kreisstraße von Westen her nähert, hält es kaum für möglich, hier einen größeren Betrieb anzutreffen. Sanft gewellte Felder, dunkle Fichten und die wolkenverhangenen Kuppen des Harzes erinnern an die Reiseberichte Goethes.

Und doch: Ein wenig oberhalb des Ortskernes, gleich beim Bahnhof, beherbergt die Alfred Galke GmbH auf mehr als 20.000 Quadratmetern Lagerfläche rund 800 bis 1.000 Sorten Heil- und Arzneikräuter, Gewürze und andere pflanzliche Produkte - importiert aus allen Winkeln der Welt.

'Dabei fing alles so klein und überschaubar an', erzählt Geschäftsführer Hartmut Galke. Seine Großeltern Hedwig und Alfred Galke gründeten 1920 in Schlesien eine Teetrocknerei und -großhandlung, die nach zwei Umzügen ihren Sitz in Standorf hatte. Dort wurden Kamille, Melisse und Pfefferminze in großem Stil angebaut. Für Eichenrinde war das Unternehmen Hauptlieferant in ganz Deutschland.

Nach dem Zweiten Weltkrieg mussten die Galkes im Westen neu beginnen. Am Gittelder Bahnhof, in den Räumen eines früheren Sägewerkes, wurden sie auf der Suche nach einem geeigneten Standort fündig. 'Während sich andere Betriebe schon im Westen befanden, mussten meine Großeltern wieder ganz klein anfangen', erinnert sich der 39-Jährige. 'Aber wir sind ständig solide und fundiert gewachsen', ergänzt er.

In der Tat: Das Familienunternehmen kann sich bestens am Markt behaupten. Hat es vor zehn Jahren noch etwa 20 ähnliche Vegetabilienhändler in Deutschland gegeben, so sind es jetzt nur noch fünf. In Niedersachsen ist lediglich die Alfred Galke GmbH übrig geblieben.

Spezialwissen von Generation zu Generation überliefert

Die Familie spielt nach wie vor eine große Rolle. Neben Hartmut Galke, der den Betrieb in der dritten Generation führt, sind auch seine Eltern Erika und Alfred Galke im Geschäft - ebenso wie Ehefrau Katrin und Bruder Rolf. Denn trotz der schönsten Märchen und spannendsten Mythen, die sich um Kräuter und Gewürze ranken, vertraut man in Gittelde lieber auf das von Generation zu Generation überlieferte Spezialwissen. Und auf die eigenen, über Jahre hinweg> >angehäuften Erfahrungen von Familienmitgliedern und langjährigen Mitarbeitern.

Apropos Mitarbeiter: Fluktuation kennt man unter den Angestellten kaum. Zwar hat sich ihre Zahl in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt, doch wurden auch fast alle Mitarbeiter im eigenen Unternehmen ausgebildet. Und dass der Job Spaß macht, wird schnell deutlich, wenn man die Betriebsabläufe bei Galke eine Weile beobachtet. 'Ich bin jeden Abend aufs Neue erfreut darüber, wie viel man von der weiten Welt sehen kann, ohne sich auch nur einen einzigen Schritt aus Gittelde wegzubewegen', sagt Versandleiter Feti Mami.

Zu sehen bekommt man dann auch einiges: Trucker stehen Schlange. Große Sattelschlepper, die Tausende von Kilometern zurücklegen, bringen tonnenweise neue Ware. Zum Beispiel Salbei, Brennnesselblätter oder Schlüsselblumen aus Albanien, Hirschzungenkraut aus Slowenien, Reiherschnabel aus Bulgarien, Lindenblüten aus dem ehemaligen Jugoslawien. Bis zu vier Wochen sind Lastwagen unterwegs, die das Unternehmen mit pflanzlichen Produkten aus dem Iran beliefern.

Containerweise werden Blüten, Rinden, Hölzer und Kräuter aus Übersee herangeschafft. Exoten wie Potenzholz aus Brasilien, Teufelskralle aus Namibia oder Krappwurzel aus Pakistan stellen nur einen kleinen Auszug aus dem riesigen Angebot dar.

Optimale Produkte durch optimalen Technikeinsatz

Fast genauso vielfältig wie das Produktangebot ist die Verarbeitung der importierten Rohstoffe. Schließlich sind Qualität und Sorgfalt Herzenssache der Gittelder Kräuterexperten. Kein Wunder, denn die Verarbeitung von Arzneidrogen und anderen Vegetabilien ist Maßarbeit, die jede Menge Know-how und individuelle, schonende Techniken verlangt.

Galke bevorzugt dabei weder Alt noch Neu, sondern stets das, was optimal erscheint. Computergestütztes High-Tech-Equipment koexistiert harmonisch mit traditionellen Herstellungsprozessen: Da mischen riesige Trommeln ganz gemächlich - und deshalb besonders schonend - Teekompositionen oder Potpourris, während nebenan die brandneue, computergesteuerte Druckentwesungsanlage auf Hochtouren läuft. Sie fasst in zwei Spezialbehältern bis zu acht Europaletten. Durch den Einsatz von natürlichem CO2-Gas werden dort Schädlinge zuverlässig und umweltfreundlich bekämpft. Neben dem üblichen Schneiden, Mahlen, Sieben und Mischen wird bei Galke auch in Verbrauchsmengen konfektioniert - beginnend bei Einheiten ab 100 Gramm oder 50 Stück.

Die Abnehmer sind äußerst vielfältig. Galke liefert an zigtausend aktive Kunden im In- und Ausland. Bei einer Umschlagsmenge von deutlich über tausend Tonnen jährlich werden neben der kosmetischen, pharmazeutischen und chemischen Industrie, Handel (Reformhäuser, Naturkostläden, Drogerien, Apotheken) und Hersteller mit zum Teil ausgefallenen Raritäten und Spezialitäten beliefert.

Auch Schnapsbrennereien befinden sich in der Kundenkartei Galkes. 'Die kaufen spezielle pflanzliche Rohstoffe für streng geheime Rezepturen, um den leckeren Kräutergeschmack ihrer Hochprozenter zu erzielen', erläutert Hartmut Galke. Und so gehen Produkte, die einst aus Tibet, Sri Lanka oder Israel in Gittelde eintrafen, hier verarbeitet oder konfektioniert wurden, erneut auf eine lange Reise - zum Beispiel nach Panama, Taiwan oder Curaçao.

Doch auch wenn der Blick des Öfteren ins Weite schweift, sind die Galkes auf dem Boden der Tatsachen geblieben - und das macht die Kräuterfachleute so sympathisch. 'Es lohnt sich, die direkte Umgebung etwas genauer zu betrachten. Zum Beispiel unsere Nachbarschaft in Gittelde', so Hartmut Galke. Vergessen wir also mal für einen Moment Telefax, E-Mail und World Wide Web und widmen uns dem, was uns umgibt. Schließlich ist es doch das Gute, was so nah liegt.

Qualität wird nicht dem Zufall überlassen

Bei der Alfred Galke GmbH werden laut Geschäftsführer Hartmut Galke 'hochqualitative Rohstoffe bester Provenienz' bevorzugt. Das gelte für konventionelle Ware - und für kbA-Produkte gemäß EG-Verordnung 2091/91 umso mehr. 'Nach sorgfältigsten Wareneingangskontrollen behandeln wir die Rohstoffe mit natürlichem CO2. Dies dient dem Vorratsschutz', erläutert Hartmut Galke. Darüber hinaus untersucht das Institut Fresenius in Berlin die Kräuter, Gewürze und pflanzlichen Produkte auf Lebensmittelqualität.

Bioga. Grün mit der Natur.

Dass sich die Menschen am Harzrand grün mit der Natur sind, ist schnell zu merken. Eine eigene Handelsmarke in kbA-Qualität zu etablieren, war daher für Geschäftsführer Hartmut Galke nur eine Frage der Zeit. Entstanden ist Bioga: sorgfältig ausgewählte Kräuter, Gewürze und Teemischungen aus kontrolliert biologischem Anbau in Galke-Qualität. Bioga-Produkte werden verpackt in attraktiven Faltkartonagen aus recycelter Braunpappe mit Sichtfenster. In zwei haushaltsgängigen Verpackungsgrößen stehen Gewichtseinheiten zwischen 15 und 300 Gramm zur Verfügung. Mehr noch: Seit kurzem wurde das Bioga-Programm um originelle Geschenk-Sets in Weißblechdosen erweitert. Zur Verfügung stehen zum Beispiel Teemischungen, Safran und verschiedene Gewürzkombinationen.

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