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Fairer Handel

Konventioneller Kakao ist nicht nachhaltig

20 Jahre freiwillige Nachhaltigkeitsbemühungen im Kakaosektor haben keinerlei Erfolg gezeigt. Diese Bilanz ziehen die Herausgeber des Kakao-Barometers 2020. Auch bei Bio-Kakao gibt es Verbesserungspotenzial.

02.12.2020 vonLeo Frühschütz

Kakao-Bauer: In der Elfenbeinküste werden 30 bis 40 Prozent des Kakaos illegal in Naturschutzgebieten angebaut.

20 Jahre freiwillige Nachhaltigkeitsbemühungen im Kakaosektor haben keinerlei Erfolg gezeigt. Diese Bilanz ziehen die Herausgeber des Kakao-Barometers 2020. Auch bei Bio-Kakao gibt es Verbesserungspotenzial.

Alle zwei Jahre berichtet ein internationales Bündnis entwicklungspolitischer Organisationen, über die Entwicklung im Kakaosektor, insbesondere in Westafrika, wo der größte Teil der konventionellen Kakaobohnen angebaut wird. Ihr Fazit: Die weit verbreitete Armut von Kakaobauern besteht fort, ausbeuterische Kinderarbeit hat zugenommen und die Entwaldung schreitet voran. Dabei versprechen die großen Player im Kakaogeschäft seit Jahren, dass sie die Zustände verbessern wollen.

„Solange die Schokoladenindustrie nicht bereit ist, höhere Kakaopreise zu bezahlen, lassen sich Armut und Menschenrechtsverletzungen in der Kakaolieferkette nicht beenden“, sagt Evelyn Bahn vom Inkota-Netzwerk, das dem Bündnis angehört. Es geht um Preise, die deutlich über dem bisherigen Niveau für Fairtrade-Kakao liegen müssen. Denn der Mindestpreis, den der Faire Handel vorgibt, sei bei weitem nicht existenzsichernd, heißt es im aktuellen Kakao-Barometer. Das belegen selbst Berechnungen von Fair Trade International.

„Zu wissen, wie viel man zahlen sollte, obwohl man es nicht zahlt, kann nicht als nachhaltig angesehen werden“, kommentieren die Autoren des Kakao-Barometers in Bezug auf Fairtrade. Die verschiedenen Zertifizierungssysteme könnten zwar das Einkommen der Bauern leicht verbessern, seien aber nicht in der Lage, diese aus der Armut zu befreien. Zudem erschwere die Konkurrenz zwischen den Standards eine dringend notwendige Erhöhung der Mindestpreise.

Millionengewinne mit Armut

Derzeit würden in Ghana und der Elfenbeinküste rund 1.800 US-Dollar pro Tonne Bohnen bezahlt. Notwendig wären Mindestpreise von gut 3100 Dollar. Inkota und weitere Organisationen fordern deshalb von der Bundesregierung ein wirksames Lieferkettengesetz, dass die Unternehmen verpflichtet, die Menschenrechte zu achten – zu denen auch ein existenzsicherndes Einkommen gehört.

In der Verantwortung sehen die Autoren hier die großen Kakaohändler und -verarbeiter wie Barry Callebaut, Nestlé oder Mondelez. Im Bericht machen sie am Beispiel des italienischen Familienkonzerns Ferrero (Nutella) folgende Rechnung auf: Die Familie schüttete sich 2020 eine Dividende von 642 Millionen Euro aus. Um den geschätzt 90.000 Bauern, die den Kakao für Ferrero anbauen, ein existenzsicherndes Einkommen zu bezahlen, müsste der Konzern 450 Millionen Euro mehr für den Rohstoff ausgeben. Es blieben immer noch 192 Millionen Euro Gewinn für die Famile Ferrero übrig. Um die Verteilung der Einnahmen gemeinsam zu gestalten, bräuchten die Bauern einen Platz am Verhandlungstisch, fordert deshalb Isaac Gyamfi, Geschäftsführer der niederländischen Stiftung Solidaridad in Westafrika.

Bio ist nur etwas besser

Erst wenn die Bauern existenzsichernde Preise bekommen, könnten auch die anderen Probleme wie Kinderarbeit und Entwaldung angegangen werden, heißt es im Bericht: In Ghana und der Elfenbeinküste wurden in den vergangenen drei Jahrzehnten über 70 Prozent der Regenwälder abgeholzt. In der Elfenbeinküste werden 30 bis 40 Prozent des Kakaos illegal in Naturschutzgebieten angebaut. Aufgrund der Armut arbeiten immer noch rund 1,5 Millionen Kinder unter ausbeuterischen Bedingungen auf Kakaoplantagen in Westafrika, belegte kürzlich eine Studie im Auftrag des US-Arbeitsministeriums.

Bio-Kakao stammt meist aus Mittel- und Südamerika, wo die Bedingungen besser und die Armut geringer ist als in Westafrika. Dort gibt es nur wenige biofaire Kakao-Projekte. Dennoch gilt auch für Bio-Kakao, dass der gezahlte Preis unter dem existenzsichernden Einkommen liegen kann. Studien etwa aus der Dominikanischen Republik legen das nahe.

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