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Gemeinschaftsverpflegung

Konventioneller Caterer soll Bremer Großküchen Bio erklären

Die Stadt Bremen will 100 Prozent Bio in ihren Kantinen umsetzen. Den Auftrag für das Training der Köche bekommt jedoch ein konventioneller Gastro-Großhändler. Die Bio-Branche ist sauer.

08.10.2020 vonLeo Frühschütz

Um Bremen öffentliche Kantinen auf 100% Bio-Kost umzustellen, muss das Küchenpersonal geschult werden.

Die Stadt Bremen will 100 Prozent Bio in ihren Kantinen umsetzen. Den Auftrag für das Training der Köche bekommt jedoch ein konventioneller Gastro-Großhändler. Die Bio-Branche ist sauer.

Bremen gehört zum Bündnis der Bio-Städte und hat sich schon 2018 in einem Aktionsplan 2025 vorgenommen, die öffentliche Gemeinschaftsverpflegung schrittweise auf 100 Prozent Bio umzustellen. In Schulen und Kitas soll dieses Ziel 2022 erreicht werden. Zunächst soll dafür das Küchenpersonal der öffentlichen Bremer Einrichtungen geschult werden. Den Zuschlag für ein entsprechendes Schulungskonzept erhielt ein konventioneller Lebensmittelgroßhändler.

Ansonsten sei für die Umsetzung des Ziels noch nicht sehr viel passiert, berichtete der Weser-Kurier im Juli 2020 – und berief sich dabei auf die Antworten des Senats auf Anfragen der dort mitregierenden Grünen. Jan Saffe, ernährungspolitischer Sprecher der Grünen in Bremen, wünsche sich laut Zitat im Weserkurier mehr Herzblut und Leidenschaft, auch und gerade auf Seiten der zuständigen Senatoren.

Rückschlag für Bremens Bio-Branche

Die Stadt plant schon länger, eine Übungsküche einzurichten, in der das Küchenpersonal aus Bremens Schulen, Kitas, Krankenhäusern und Behörden-Kantinen zur Umstellung auf Bio- und regionale Lebensmittel weitergebildet werden soll. Nun hat sie für über 100.000 Euro den Auftrag vergeben, ein Konzept für eine solche Ausbildungsstätte zu erarbeiten. Und zwar an eine Consulting-Firma des international agierenden Lebensmittelgroßhändlers Chefs Culinar.

Saffe sprach aufgrund dessen Anfang Oktober laut Weserkurier von einem „Schlag in die Fresse“ der Bio-Branche Bremens. Denn Chefs Culinar stehe für ein agrarindustrielles System, das mit Großkonzernen wie Tönnies oder Nestlé zusammenarbeite, ärgerte sich der Grünen-Politiker im Weserkurier.

Kritik am Ausschreibungsverfahren

„Wofür brauchen wir ein Konzept, noch dazu ein so überdimensioniertes?“, zitierte der Kurier Marie Pigors vom regionalen Bio-Großhändler Naturkost Kontor. Zielführender wäre ein Zusammenschluss aller lokalen Akteure gewesen, sagte Pigors dem Kurier und stellte das Ausschreibungsverfahren durch das Umweltressort infrage. „Denn das ist an uns allen vorbeigegangen.“

Umweltstaatsrat Ronny Meyer wies die Kritik zurück. Man habe 13 Unternehmen und Organisationen angeschrieben, die Ausschreibung darüber hinaus an bestehende Netzwerkpartner übersandt, mit der Bitte, sie an potenziell geeignete Bieter weiterzuleiten. Außerdem gehe es nur um den Bereich Training und Ausbildung der Köche und nicht um die spätere Lieferung der Bio-Lebensmittel.

Nicht angefragt worden sei der niedersächsische Bio-Großhändler Kornkraft, der Gemeinschaftsverpflegung und ein umfangreiches Seminarprogramm anbiete, schreibt die Bremer taz. Dort sei man „mehr als unglücklich“, dass Chefs Culinar sich nun in Bremen als Bio-Botschafter darstellen könne.

Bio-Qualität vor Kostenneutralität

Zwar gab es nach einem Krisentreffen einen Kompromiss zwischen dem Umweltressort und dem Agrarpolitischen Bündnis Bremen. Doch die Befürchtungen bleiben, dass Chefs Culinar das Herzblut für frisches, regionales Bio fehle. Das Einzige, was Chefs Culinar qualifiziere, sei der Vorrang von Kostenneutralität in ihrem Konzept, heißt es in der taz.

Dass es auch anders geht, zeigt übrigens das ebenfalls rot-grün-rot regierte Berlin. Dort hat die Stadt fürs Schulessen Vergaberichtlinien, die Bio klar bevorzugen und nicht nur auf die Kosten schauen. Um die Schulung der Kantinenleiter kümmert sich dort die Kantine Zukunft.

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