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Kolumne

Der Hafermilch-Hype

Oatly hat einen Börsenwert von zehn Milliarden Euro. Ist das der ultimative Sieg des Veganismus? Eher grassierender Börsenwahnsinn, meint unser Autor Leo Frühschütz.

Es ist der alte Kapitalistentraum: Einen Trend entdecken, investieren und ein paar Jahre später den dicken Reibach machen. 2016 kauften die Eigentümer des größten Brauereikonzerns der Welt (Anheuser-Busch Inbev via Verlinvest) zusammen mit dem chinesischen Staats-Konzern China Resources die Mehrheit des schwedischen Hafermilchabfüllers Oatly. Preis unbekannt. Damals füllten die Schweden 38 Millionen Liter konventionelle und ökologische Hafermilch in TetraPaks.

Die neuen Eigentümer drückten die Marke mit ihren Beziehungen auf den chinesischen und den US-Markt. 2020 füllte Oatly bereits 299 Millionen Liter ab und machte damit einen Umsatz von 421 Millionen US-Dollar, das sind 345 Millionen Euro. Dabei entstand ein Verlust von 49 Millionen Euro, wie dem Börsenprospekt zu entnehmen ist. Darin steht auch, dass der Netto-Buchwert des Unternehmens zum 31. März 2021 134 Millionen Dollar betrug, das wären 28 Cent je Aktie.

Von diesen Aktien bot die Firma bei ihrem Börsengang gut zehn Prozent an – für 17 US-Dollar das Stück. Also das 60-fache. Und die Anleger stürzten sich darauf. Noch am Ausgabetag stieg der Kurs auf gut 22 US-Dollar und hat seither kaum abgenommen. Mit den realen wirtschaftlichen Daten lässt sich das nicht erklären. Vielmehr damit, dass immer mehr Kapital an die Börsen drängt, weil anderswo kaum Renditen zu erwirtschaften sind. Und vegane Aktien liegen nun mal im Trend.

Ich würde nicht in vegane Aktien investieren, um für mein Alter vorzusorgen. Nicht deshalb, weil ich gerne Fleisch esse. Sondern weil ich dem Hype nicht traue.

Vor kurzem stellten zwei Investorinnen in den USA den ersten globalen veganen Aktienindex mit 22 Unternehmen vor. Vermutlich wird Oatly bald das 23. in diesem Universum. Funktioniert der Index wie geplant, werden bald erste Fonds für Anleger auf den Markt kommen, die diesen Index abbilden. Dann können auch Veggies, die nicht so viel Geld haben, auf vegan korrekte Art und Weise fürs Alter vorsorgen. Ich würde es nicht tun. Nicht deshalb, weil ich gerne Fleisch esse. Sondern weil ich dem Hype nicht traue.

Trotz der explodierenden Veggie-Umsätze ist in Deutschland der Fleischverzehr pro Kopf von 2017 bis 2020 um gerade mal 4,5 Prozent zurückgegangen. Natürlich machen die Firmen, die den Trend als erstes bedienen, eine zeitlang gute Geschäfte, siehe Rügenwalder. Doch sie werden sich bald mit vielen Mitbewerbern um einen nur langsam wachsenden Kuchen streiten müssen. Die Umsätze werden stagnieren, ebenso die Gewinne (wenn es überhaupt welche gibt). Denn es wird teurer werden, sich auf dem Markt zu behaupten. Irgendwann merken das auch die Börsianer. Und dann schrumpft die Altersvorsorge.

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