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Geringe Aufnahme über die Haut

Alu in Deos offenbar weniger schädlich als gedacht

Erst im November 2019 hatte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) vor Deodorants mit Aluminiumsalzen gewarnt. Jetzt macht die Behörde eine Kehrtwende.

05.08.2020 vonLeo Frühschütz

Erst im November 2019 hatte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) vor Deodorants mit Aluminiumsalzen gewarnt. Jetzt macht die Behörde eine Kehrtwende.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat seine Haltung zu Aluminiumsalzen in Deos revidiert. Deren „Beitrag zur Gesamtbelastung mit Aluminium ist deutlich geringer als bisher angenommen“, schreibt das Institut und begründet den Sinneswandel mit einer neuen Studie.

Erst im November 2019 hatte das BfR darauf hingewiesen, dass viele Menschen mehr Aluminium zu sich nehmen, als gesundheitlich als tolerabel angesehen wird. Die Behörde empfahl deshalb, „die Aluminiumaufnahme aus allen vermeidbaren Quellen zu verringern“. Als eine der wesentlichen Quellen nannte das BfR Aluminiumsalze in Antitranspirantien. Bei Heranwachsenden und Erwachsenen könne das Aluminium aus Deos bis zu zwei Drittel der Exposition ausmachen.

In der neuesten Mitteilung des Instituts heißt es jetzt, gesundheitliche Beeinträchtigungen durch den regelmäßigen Gebrauch von Antitranspirantien mit Aluminiumsalzen „sind nach gegenwärtigem wissenschaftlichen Kenntnisstand somit unwahrscheinlich“. Als Beleg verweist das BfR auf eine 2019 erschienene Studie, die im Auftrag der europäischen Kosmetikhersteller erstellt wurde. Die Arbeit untersuchte, wieviel Aluminium über die Achselhöhle in den Körper aufgenommen wurde und ergab siebenmal niedrigere Werte als zwei vorhergehende Studien zum selben Thema. Mit diesem neuen Wert hat das BfR gerechnet und kam dementsprechend zu deutlich niedrigeren Aufnahmemengen.

Die ausführliche Argumentation des BfR zeigt aber auch: Bisher gibt es nur drei Studien, die an zusammen 20 Versuchspersonen bestimmten, wieviel Aluminium über die Achselhöhlen aufgenommen wird. BfR-Präsident Professor Andreas Hensel erklärte: „Durch die Haut wird signifikant weniger Aluminium aufgenommen, als auf bislang vorliegender, limitierter Datenbasis berechnet.“ Anstatt jedoch die gesamte Datenbasis von 20 Versuchspersonen zu verwenden, hat das BfR nur mit den an sechs Personen ermittelten Daten der letzten Studie gerechnet. Die beiden anderen Arbeiten hatten zu höheren Aufnahmemengen geführt. Dabei stammte auch eine dieser Arbeiten von der Kosmetikindustrie. Das BfR schreibt, die neue Studie hätte „den belastbarsten Wert“ für die Aufnahme über die Haut geliefert. Ein nachvollziehbare Begründung für diese Ansicht liefert das BfR allerdings nicht.

In allen drei Studien wurde die Aluminiumaufnahme vor allem über die spätere Ausscheidung im Urin abgeschätzt. Dabei deuten die Zahlen darauf hin, dass 15 bis 30 Prozent das aufgenommenen Aluminiums ersteinmal im Körper verbleiben. Das sind zwar nur minimalste Mengen, aber was sie im Körper bewirken können, bleibt weiterhin offen.

Der Fragen-und-Antworten-Katalog auf der Webseite des BfR ist bereits entsprechend aktualisiert.

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