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Kritischer Agrarbericht

Geballte Kritik und leise Hoffnung

Den Reformstau auflösen und die dringend notwendige Umwandlung der Landwirtschaft angehen. Das war die Botschaft bei der Vorstellung des Kritischen Agrarberichts 2022.

27.01.2022 vonLeo Frühschütz

Seit 30 Jahren erscheint jeden Januar der Kritische Agrarbericht.

Den Reformstau auflösen und die dringend notwendige Umwandlung der Landwirtschaft angehen. Das war die Botschaft bei der Vorstellung des Kritischen Agrarberichts 2022.

Seit 30 Jahren erscheint jeden Januar zur (diesmal abgesagten) Internationalen Grünen Woche der Kritische Agrarbericht. Herausgegeben wird dieser Sammelband vom Agrarbündnis, einem Zusammenschluss von 26 unabhängigen Organisationen aus Landwirtschaft, Umwelt-, Natur- und Tierschutz. Von ihren Experten stammen die Aufsätze, die jedes Jahr die aktuelle Agrarpolitik in allen Facetten begleiten: mit fundierter Kritik am derzeitigen Agrarsystem, aber auch mit Konzepten, Ideen und Praxisbeispielen.

„Preis Werte Lebensmittel“ heißt der Schwerpunkt der Ausgabe 2022. Beschrieben werden darin die aktuellen Studien zu dem Thema, wie externe Kosten in die Preise eingerechnet werden könnten und welche Folgen dies hätte – auch für Biolebensmittel. Themen sind aber auch die Bauernproteste des letzten Jahres, die EU-Agrarpolitik oder die Schweinepreise. Dem Öko-Landbau ist ebenso ein Kapitel gewidmet wie der Welternährung, der Regionalentwicklung, dem Tierschutz und den Umweltwirkungen der Landwirtschaft.

Bei der Präsentation des Berichts zeigte sich Frieder Thomas, Geschäftsführer des Agrarbündnisses, zuversichtlich: Vieles von dem, was in den Verbänden an Positionen und Konzepten erarbeitet worden sei, finde sich auch im Koalitionsvertrag wieder. Jetzt sei es notwendig, die Transformation der Landwirtschaft auch anzugehen. Als Gedächtnisstütze für Ernährungs- und Landwirtschaftsminister Cem Özdemir hat das Agrarbündnis 10 x 5 Kernforderungen an die neue Bundesregierung zusammengestellt.

Loblied für Bio

Tina Andres, Vorstandsvorsitzende des Bio-Dachverbands BÖLW, lobte, dass die Bundesregierung 30 Prozent Bio als Ziel vorgegeben und den Ökolandbau als Leitbild für den Umbau der Landwirtschaft etabliert habe. „Mit Bio setzt die Ampel auf das, was funktioniert“, sagte Andres. Bio gebe „Höfen eine Perspektive, vermeidet chemisch-synthetische Pestizide, hält Tiere artgerecht, macht Ernährungsstile nachhaltiger und schützt das Klima“. Die Wissenschaft belege, dass Bio wirkt.

Elisabeth Fresen, Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, betonte, dass Bäuerinnen und Bauern bereit seien und die Herausforderungen wie Tierwohl, Klima- und Artenschutz anpacken wollen. „Aber damit das möglich ist, muss Cem Özdemir endlich den politischen Rahmen setzen, statt die Gestaltung den freien Kräften des Marktes zu überlassen“, sagte die Milchkuhhalterin. Dies bedeute konkret, die Empfehlungen der Borchert- und der Zukunftskommission Landwirtschaft schnell umzusetzen.

Weiterführende Links zum Thema

Alle Aufsätze des Kritischen Agrarberichts stellt das Agrarbündnis auf seiner Webseite zum Download bereit. Darüber hinaus ist der Bericht al Buch erhältlich.

Kritischer Agrarbericht: 10 x 5 Kernforderungen an die neue Bundesregierung

Kritischer Agrarbericht: Externe Kosten – auch bei Biolebensmitteln

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