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Contrate-Betriebsvergleich

Bio-Fachhandel steigert Betriebsergebnisse um mehr als die Hälfte

Der Naturkostfachhandel hat 2020 stark von der Pandemie profitiert. Das spiegelt sich auch im Contrate-Betriebsvergleich wider. Unter anderem stiegen die Umsätze der Teilnehmer zweistellig.

14.10.2021 vonKlaus Braun

Durchschnittlich 180.000 Euro Gewinn erzielten die Läden in 2020.

Der Naturkostfachhandel hat 2020 stark von der Pandemie profitiert. Das spiegelt sich auch im Contrate-Betriebsvergleich wider. Unter anderem stiegen die Umsätze der Teilnehmer zweistellig.

Die Teilnehmer am ContRate_B©-Betriebsvergleich realisieren 2020 einen Umsatzsprung von mehr als 17 Prozent – und die Betriebsergebnisse legen um mehr als die Hälfte zu. Der massive Anstieg der Umsätze wird bestätigt durch das Umsatzbarometer BioHandel, das für 2020 ebenfalls ein Umsatzwachstum von etwa siebzehn Prozent ermittelte (vgl. BioHandel 3/2021). Dieses Umsatzwachstum speist sich ausschließlich aus höheren Kundenbons.

Die Verbraucher gingen viel seltener zum Einkaufen, dafür kauften sie größere Mengen. Da dies für alle Läden gilt, kann der Naturkost-Fachhandel zeigen, dass alle seine Einkaufsstätten auch für ‚One-Stop-Shopper‘ attraktiv sind. Dies bestätigt die Tendenz, dass der Naturkost-Einzelhandel auf einem guten Weg ist, die zwischenzeitlich an den LEH abgegebene ‚Wachstums-Führerschaft‘ bei der Vermarktung ökologisch erzeugter Lebensmittel wieder zu übernehmen.

Handelsspanne leicht verbessert

Nachdem die durchschnittlich realisierte Netto-Handelsspanne der Teilnehmer am Betriebsvergleich 2019 bei knapp 35 Prozent gelegen hatte, steigt sie 2020 auf 35,4 Prozent. Neben differenzierter Preiskalkulationen dürfte eine weitere Ursache darin liegen, dass infolge der erheblich gestiegenen Einkaufsmengen bessere Konditionen bei den Vorlieferanten möglich waren – und nicht zuletzt haben sich die durch Corona eingeschränkten Verbraucher häufiger Produkte aus dem hochpreisigen Bereich ‚gegönnt‘.

Die Ausgaben für Personal stellen den mit Abstand größten Kostenblock dar: In den vergangenen Jahren waren diese Kosten kontinuierlich gestiegen (absolut wie anteilig). In 2019 waren sie seit langem erstmals wieder leicht auf 17,1 Prozent gesunken; dieser Trend setzt sich fort: Im vergangenen Jahr liegt die Personalkostenquote deutlich unter 17 Prozent. Dabei enthalten sind die steuerfreien Corona-Zuwendungen, die in der Bio-Branche vielfach ausgezahlt wurden.

Die positiven Auswirkungen der vielfältigen Personal-Maßnahmen auf die Qualität von Service, Beratung und Kundenbindung in den Läden sind in der Pandemie-Zeit unübersehbar. Das zeigt sich nicht zuletzt an der erheblichen Verbesserung der Personalleistung: Von gut 150.000 Euro in den Vorjahren steigt sie im Durchschnitt aller Betriebe auf etwa 175.000 Euro; Spitzenreiter sind die umsatzstärksten Betriebe mit über 200.000 Euro.

Weitere Kosten sinken anteilig

Die Ausgaben für das Ladenlokal sind 2020 leicht gestiegen, vor allem durch höhere Mietnebenkosten. Der Raumkostenanteil am Umsatz bewegte sich lange bei etwa fünf Prozent; 2018 war er gesunken auf 4,7 Prozent, und 2019 hatte er sich weiter verbessert auf 4,3 Prozent. Im vergangenen Jahr liegt er erstmals unter vier Prozent. Der Umsatzanteil der Ausgaben für Marketing und Werbung im Bio-Einzelhandel lag 2019 bei einem Prozent.

2020 bleiben die Ausgaben für Werbung im Vergleich zum Vorjahr stabil; ihr Anteil sinkt damit auf 0,8 Prozent. Abweichend hiervon erhöhen die umsatzstarken Betriebe ihre Marketingausgaben auf 1,3 Prozent. Alle übrigen Kosten sind 2020 umsatzanteilig weiter leicht zurückgegangen auf 5,5 Prozent. Dabei bleiben die Abschreibungen nominell etwa gleich; anteilig sinken sie dadurch auf aktuell 1,3 Prozent vom Umsatz. Die anteilige Gesamtkostenbelastung, die 2019 auf 28,1 Prozent gesunken war, verringert sich weiter: 2020 liegt sie bei 26,9 Prozent.

Starke Verbesserung der Ergebnisse

Die Teilnehmer am Betriebsvergleich erhöhen ihr Vorjahresergebnis um mehr als die Hälfte; sie erreichen damit umsatzanteilig 8,5 Prozent. Das bedeutet, dass ein durchschnittlicher Teilnehmerbetrieb einen Gewinn (vor Steuern) von über 180.000 Euro erzielt. Dabei erzielen die kleinsten Bioläden (unter 200 Quadratmeter Verkaufsfläche) mit fast zehn Prozent das beste Betriebsergebnis – gemessen an den absoluten Umsätzen liegt ihr durchschnittliches Ergebnis allerdings erheblich unter dem der Betriebe auf mittlerer und großer Fläche.

Die Teilnehmer am Betriebsvergleich erzielen im Jahr 2020 eine durchschnittliche Flächenproduktivität (Nettoumsatz pro Quadratmeter Verkaufsfläche) von etwa 7.000 Euro. Die Flächenproduktivität der Bioläden und Biomärkte liegt damit über der fast aller Discounter (und weit über der von Lebensmittel-Supermärkten). Die Anteile der Dach-Warengruppen haben sich im Vergleich zum Vorjahr kaum verändert: Der Umsatzanteil der Frischeprodukte ist gleichgeblieben (58 Prozent), der Umsatzanteil aller Trockenprodukte (einschließlich Getränke) ist geringfügig gestiegen (35 Prozent), und der Naturwarenanteil ist leicht gefallen (auf 7 Prozent des Nettoumsatzes).

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