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ContRate-Betriebsvergleich

Fachhandel steigert Betriebsergebnisse deutlich

Die Betriebsergebnisse im Naturkostfachhandel sind 2019 um die Hälfte gestiegen. Die Netto-Handelsspanne der Teilnehmer am ContRate-Betriebsvergleich erreichte knapp 35 Prozent.

06.10.2020 vonKlaus Braun

Dem Fachhandel blieb 2019 mehr vom Umsatz.

Die Betriebsergebnisse im Naturkostfachhandel sind 2019 um die Hälfte gestiegen. Die Netto-Handelsspanne der Teilnehmer am ContRate-Betriebsvergleich erreichte knapp 35 Prozent.

Die Teilnehmer am Betriebsvergleich von ContRate_B© realisieren nach einem schwachen 2017 und einem Plus von fünf Prozent in 2018 im vergangenen Jahr einen deutlichen Umsatzzuwachs. In Verbindung mit moderat steigenden Kosten und stabilen Roherträgen führt das dazu, dass die Betriebsergebnisse um die Hälfte zulegen.

Der Anstieg der Umsatzentwicklung wird bestätigt durch das Umsatzbarometer BioHandel, das für 2019 ein Umsatzwachstum von knapp sieben Prozent ermittelte. Dieses Umsatzwachstum speist sich zum geringeren Teil aus höheren Kundenbons, zum größeren Teil aus einem Mehr an Kunden und Kaufvorgängen. Damit ist der Naturkost-Einzelhandel auf einem guten Weg, die zwischenzeitlich an den LEH abgegebene Wachstums-Führerschaft wieder zu übernehmen.

Nachdem die durchschnittlich realisierte Netto-Handelsspanne der Teilnehmer am Betriebsvergleich in den vergangenen Jahren immer leicht über 34 Prozent gelegen hatte, stieg sie 2018 auf 35,1 Prozent. Ursache hierfür waren Kalkulations- und Ertragsverbesserungen bei grüner Frische und Thekenware. Das bestätigt sich in 2019; diesmal wird eine Handelsspanne von knapp 35 Prozent erreicht.

Personalkosten sind gesunken

Die am Vergleich teilnehmenden Bioläden und Biomärkte agieren am Markt als inhabergeführte Fachgeschäfte. Das hat zur Folge, dass die Ausgaben für Personal den mit Abstand größten Kostenblock darstellen: Innerhalb der vergangenen fünf Jahre waren diese Kosten kontinuierlich gestiegen – ihr Umsatz-Anteil hatte sich von 16 Prozent 2014 auf 18,6 Prozent 2018 erhöht.

Dabei ist zu beobachten, dass die Wochenstundenzahl festangestellter Mitarbeiter mit sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung kontinuierlich erhöht wurde, während parallel dazu die Beschäftigung von Aushilfen immer weiter reduziert wurde. 2019 führt dies dazu, dass erstmalig wieder die Personalkosten in ihrem Umsatzanteil sinken (von 18,6 auf 17,1 Prozent). Die positiven Auswirkungen dieser Personal-Maßnahmen auf die Qualität von Service, Beratung und Kundenbindung sind spätestens in der Pandemie-Zeit unübersehbar.

Bei den jährlichen (Netto-) Umsatzleistungen pro (rechnerische) Vollzeitkraft werden 2019 die bisherigen Entwicklungen bestätigt: Die Mitarbeiter der kleineren Läden (bis 200 m² Verkaufsfläche) erzielen mit rund 130.000 Euro die schwächsten durchschnittlichen Personalleistungen, die Beschäftigten in den Betrieben zwischen 200 und 400 Quadratmeter erwirtschaften etwa 160.000 Euro, und in den großflächigen Geschäften über 400 Quadratmeter wird eine Personalleistung von ca. 170.000 Euro erreicht.

Verstärkter Einsatz von Social Media

Ein weiterer relevanter Kostenfaktor im Naturkost-Einzelhandel sind die Ausgaben für das Ladenlokal. Der Raumkostenanteil am Umsatz bewegt sich seit Jahren um fünf Prozent; 2018 hatte er sich leicht verbessert auf 4,7 Prozent, und 2019 ist er weiter gesunken auf 4,3 Prozent. Ein Viertel davon entfällt auf Verbrauchs- und Energiekosten.

Der Umsatzanteil der Ausgaben für Marketing und Werbung im Bio-Einzelhandel liegt seit Jahren leicht über einem Prozent. 2019 werden die Werbeausgaben im Vergleich zum Vorjahr etwas zurückgefahren – sie liegen bei 1 Prozent. Es ist zu beobachten, dass die Naturkosthändler bei ihren Marketing-Aktivitäten den Einsatz von Online-Kanälen und Sozialen Netzwerken verstärken. Dies erfordert primär innerbetriebliche Arbeitszeit und ist andererseits oft schon bei klein(st)en Budgets wirksam.

Alle übrigen Kosten sind 2019 umsatzanteilig leicht zurückgegangen auf 5,7 Prozent. Dabei sind die Abschreibungen stärker rückläufig; sie betragen aktuell 1,5 Prozent.Im Ergebnis ist der durchschnittliche Anteil der gesamten Kosten am Umsatz 2019 gefallen auf 28,1 Prozent.

Durchschnittliche Flächenproduktivität von 5.774 Euro

Die deutliche Umsatzsteigerung und diese Kostenentwicklung haben zur Folge, dass trotz eines leichten Spannenverlustes die Teilnehmer am Betriebsvergleich erheblich bessere Betriebsergebnisse erzielen als im Vorjahr: Absolut sind die durchschnittlichen Ergebnisse 2019 um die Hälfte besser als 2018, und umsatzanteilig sind sie gestiegen von 4,7 auf 6,8 Prozent. Das bedeutet, dass 2019 in den analysierten Naturkost-Fachgeschäften durchschnittlich etwa 120.000 Euro erwirtschaftet werden für Unternehmerlohn, Steuern und Tilgung sowie zur Verbesserung der Eigenkapitalausstattung.

Die Teilnehmer des Betriebsvergleichs von ContRate_B© erzielen 2019 eine durchschnittliche Flächenproduktivität (Nettoumsatz pro Quadratmeter Verkaufsfläche) von 5.774 Euro.

Die Unterschiede zwischen Filialbetrieben und inhabergeführten Unternehmen bestehen weiterhin; der Abstand hat sich im Vergleich zum Vorjahr halbiert: Die durchschnittliche Flächenleistung der filialisierten Biosupermärkte ist (nur) noch um zehn Prozent niedriger als bei den inhabergeführten Betrieben.

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