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Mitgliedschaft von Kaufland

Bio-Fachhandel fühlt sich von Demeter verraten

Die Aufnahme von Kaufland als Mitglied in den Bio-Anbauverband stößt der Bio-Branche übel auf. Das zeigt eine Leserumfrage von BioHandel.

13.08.2020 vonKatrin Muhl

Kaufland kooperiert seit 2018 mit Demeter. Kürzlich ist die LEH-Kette dem Verband als Mitglied beigetreten.

Die Aufnahme von Kaufland als Mitglied in den Bio-Anbauverband stößt der Bio-Branche übel auf. Das zeigt eine Leserumfrage von BioHandel.

Lebensmittelhändler Kaufland, der wie Discounter Lidl zur Schwarz-Gruppe gehört, ist kürzlich dem Demeter-Verband als neues Mitglied beigetreten. In der Bio-Branche hat der Abschluss des Markennutzungsvertrags unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Tendenziell scheint die Stimmung unter den Branchen-Akteuren besorgt.

Der Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) äußerte in einer offiziellen Stellungnahme Bedenken, ob sich Kaufland langfristig wirklich an die mit Demeter vereinbarten Regeln für Qualität und Fairplay halten wird, und ob ein möglicher Verstoß Konsequenzen von Seiten des Verbands nach sich ziehen würde. „Ansonsten sind die Glaubwürdigkeit einer ganzen Branche und die Werte für die sie steht, gefährdet“, teilte Volkmar Spielberger in seiner Rolle als BNN-Vorstand mit. Demeter-Vorstand Johannes Kamps-Bender signalisierte Entwarnung.

In einer ersten Blitzumfrage von BioHandel gaben 78 Prozent der Teilnehmer an, dass Demeter der Bio-Branche mit der Aufnahme von Kaufland schade. Ein gegenteiliges Votum gaben 22 Prozent der Befragten ab.

Die Ergebnisse einer weiteren, nicht repräsentativen Umfrage von BioHandel ergeben ein ähnliches Bild. 161 Leser haben uns ihre Meinung anonym mitgeteilt. 76 Prozent finden die Demeter-Mitgliedschaft von Kaufland „gefährlich“, 14 Prozent bewerten sie mit „gut“, nur 10 Prozent ist die Sache egal.

Von den Befragungsteilnehmern, die die Partnerschaft gefährlich finden, bezweifeln etliche genau wie Spielberger, dass sich Kaufland an die Abmachungen mit Demeter halten wird. Viele fürchten, der Lebensmittelhändler könnte seine Marktmacht missbrauchen und sehen die Demeter-Grundsätze gefährdet.

Es fallen Begriffe wie „Preisdumping“ oder „Massenproduktion“. Einige erwarten einen langfristigen Schaden für Demeter. Die Kooperation sei „unüberlegt“ und „naiv“, für Kaufland nichts als „Schmuck“, finden mehrere Befragte – einer verwendet den Begriff „Greenwashing“.

Kaufland verramsche Bio, heißt es mehrfach, sowohl in Bezug auf den Gedanken, als auf die Produkte. „Gute Bio-Produkte werden inflationär“, schreibt ein Befragter. Das schade dem Image von Bio und der Fachhandel leide mit.

Für den Bioladner heißt das wieder Pionierarbeit

Befragungsteilnehmer

Gleich mehrere Fachhändler teilen mit, sie fühlten sich und die ursprüngliche Öko-Idee verraten. Einer schreibt: „Für den Bioladner heißt das wieder Pionierarbeit, und stärker regionale Strukturen aufzubauen, und dem Kunden erklären, dass die Produkte im Bioladen aus nachhaltigen kleineren Betrieben kommen (…) Die Bio-Branche muss sich deutlich und schnell davon absetzen und Bio 4.0 starten.“

Demeter begründete den Schritt damit, mehr Kunden erreichen zu wollen. Ein Befragter schreibt: „Aus Sicht von Kaufland und Demeter ist der Schritt folgerichtig, weil er zumindest mittelfristig beide Marken stärkt. Für den ethischen und den Qualitätsanspruch von Demeter ist es allerdings eine Infektion mit einer potentiell tödlichen Krankheit.“ Ein anderer teilt mit: „Öffnung ist gut, aber ich sehe wirklich nicht, wie Demeter und Kaufland zusammengehen sollen.“

Umdenken muss stattfinden

Wenige Befragungsteilnehmer finden die Kooperation dennoch gut. Sie mache Demeter-Produkte bekannter, loben sie. Es müsse ein Umdenken stattfinden, damit Bio von der Alternative zum Standard wird. Das funktioniere nach Meinung eines Befragten nur, „wenn auch große Handelsketten mitziehen“. Ein weiterer sieht als Vorteil der Kooperation: „So kann der Verband mitgestalten und Einfluss nehmen. Für mehr Menschen werden Demeter Produkte zugänglich.“

Anderer Umgang mit Demeter-Ware?

Ob sie mit Demeter-Ware aufgrund der Mitgliedschaft von Kaufland im Verband anders umgehen, wollte BioHandel noch von den Befragungsteilnehmern wissen. Das Ergebnis fällt gemischt aus: 33 Prozent sagen ja, 35 Prozent votieren mit nein, 32 Prozent lassen die Antwort offen.

Bleibt anzuwarten, wie sich die Situation entwickeln wird. BNN-Vorstand Spielberger sagte, der Demeter-Verband müsse sich daran messen lassen, ob Kaufland den gemeinsam getroffenen Vereinbarungen nachkommt.

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