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Moderne Unternehmensführung

Coronakrise zeigt dem Fachhandel eine große Schwäche auf

BioHandel-Kolumnist Manuel Pick fordert einen Paradigmenwechsel bei den Organisations- und Führungsprinzipien im Fachhandel.

17.07.2020 vonManuel Pick

Erste Krisenstürme überstanden, Umsatz hochgeballert, ganz ordentlich verdient. Alles richtig gemacht – in den letzten drei Monaten. Schade bloß, dass sich die Versäumnisse der letzten 15 Jahre rächen und klar wird, dass der Laden mittelfristig trotzdem verkauft werden muss.

Betriebswirtschaftlich zu wackelig, Nachfolgemanagement vergurkt, organisational unreif und instabil. So schnell kann ein Lebenswerk auf den konventionellen Markt kommen. Genau das, was man immer vermeiden wollte.

Dabei ist die Corona-Krise das krasse Kontrastmittel, das die notwendigen Haltungskorrekturen aus langjährigen Fehlstellungen sichtbar macht. Die Branche hat geliefert, sicher. Aber das war persönlichen Kraftakten und nicht der Funktionstüchtigkeit kraftvoller Organisationen geschuldet.

Corona hat gezeigt: Es hat funktioniert, weil die Chefs noch mal ins Geschirr gegangen sind. Genau wie früher, als der Laden mit dem Macher stand und fiel. Auch im Stresstest hat die freiwillige Selbstausbeutung der Beteiligten dazu beigetragen, die Organisationspathologien zu kompensieren.

Modelle, die den jungen Wilden die Macht geben, Bio weiterzuentwickeln, sind rar.

Das Selbstverständnis des hemdsärmeligen Zugpferdes ist eine der größten Schwächen, die sich die Branche leistet. Von wegen New Work, resiliente Organisationen, starke Führungsteams. Die gute alte Linienorganisation hat noch einmal so getan, als sei sie zukunftsfähig. Aber sie hat eben nur so getan.

Ausweis für die Fehlfunktion sind am Ende die Unternehmensverkäufe in den konventionellen „sichernden Hafen“, die sich häufen. Anstelle strahlender Nachfolge-Modelle oder innovativer Ideen wählt die Branche eher die klassische Kapitalisierung. Modelle, die den jungen Wilden die Macht geben, Bio weiterzuentwickeln, sind rar.

Und dass jetzt keiner auf die Idee kommt, mit Häme auf den vielleicht krassesten Lapsus der Krise, die vergeigte Kommunikation von Rapunzel, zu schauen. Denn wahrscheinlich ist verschiedentlich die fehlende Social-Media-Strategie ursächlich für sicheres Abwettern, nicht sichere und professionelle Steuerung.

Die wäre aber hilfreich, wenn man bei den Großen mitspielen, wenn man vor- ne dran sein, wenn man die Unternehmen der Zukunft stellen will.

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