Wissen. Was die Branche bewegt
EU-Öko-Verordnung

EU-Kommission bedroht die Existenz von Kleinbauern im Süden

Mit dem Inkrafttreten des neuen Bio-Rechts können Zertifizierungen für Kleinbauern deutlich teurer werden als bisher. Verschiedene Organisationen schlagen Alarm.

17.09.2020 vonLeo Frühschütz

Kleinbauer bei der Reisernte

Mit dem Inkrafttreten des neuen Bio-Rechts können Zertifizierungen für Kleinbauern deutlich teurer werden als bisher. Verschiedene Organisationen schlagen Alarm.

Geplante Detailvorschiften zur neuen EU-Öko-Verordnung würden die Zertifizierungskosten für Kleinbauern vervielfachen. Davor warnen Naturland und weitere Fairhandels-Organisationen.

Damit sich Kleinbauern, die in den Ländern des Südens Kaffee, Reis, Bananen oder Gewürze produzieren, überhaupt eine Bio-Zertifizierung leisten können, gilt folgende Regelung: Die Kleinbauern schließen sich zu einer Kooperative zusammen, die ein internes Kontrollsystem (ICS) aufbaut.Mit dessen Hilfe stellt sie sicher, dass die Bauern die Bio-Regeln einhalten. Die von der EU zugelassene Öko-Kontrollstelle muss nicht jeden Kleinstbetrieb einzeln kontrollieren, sondern überprüft, ob das ICS funktioniert. Dazu kommen zur Absicherung risikobasierte Stichprobenkontrollen bei einigen Bauern sowie Rohstoffanalysen.

Mehr Kontrollen und Analysen

„Die Pläne der EU-Kommission sehen nun u.a. vor, die Mindestzahl der Einzelkontrollen und Rohstoffanalysen auf fünf bzw. zwei Prozent festzuschreiben, unabhängig vom Risiko. Zudem soll eine Kooperative nur noch maximal 2.000 Mitglieder umfassen dürfen“, schreibt Naturland. Dies gehe an der Realität in vielen Ländern des Südens mit Tausenden von Kleinstbetrieben völlig vorbei. „Die Vorschläge der EU bedeuten, dass die Kooperativen ihre knappen Ressourcen künftig für unnötige neue Verwaltungsstrukturen und höhere Zertifizierungskosten ausgeben müssen, statt sich auf die Schulung ihrer Mitglieder und die Weiterentwicklung ihres internen Kontrollsystems zu konzentrieren“, warnt Naturland-Geschäftführer Steffen Reese.

Kosten würden sich vervierfachen

Was die geplanten Änderungen in der Praxis bedeuten könnten, habe das Fairhandelshaus GEPA am Beispiel der Naturland Fair zertifizierten Ankole Coffee Producers´ Cooperative Union (ACPCU) in Uganda hochgerechnet, schreibt Naturland. Demnach fallen für die rund 8.200 Kleinbauern bisher jährliche Kosten für Kontrolle und Analysen von 12.000 Euro an. Die Pläne der EU-Kommission würden dazu führen, dass sich diese Kosten mehr als vervierfachen, auf insgesamt knapp 50.000 Euro.

In einem gemeinsamen Brief haben deshalb Naturland, das Forum Fairer Handel, das Fairhandelshaus GEPA und Fairtrade Deutschland an Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner appeliert, sich in Brüssel für praktikablere Lösungen einzusetzen.

Kommentare

Das könnte interessant sein ...

Ähnliche Beiträge