Wissen. Was die Branche bewegt
Erdbeeren aus Spanien

Entlastung für einen Bio-Betrieb

Die ARD hat über Wasserraub für den Erdbeeranbau in Spanien berichtet und angemerkt, dass ein Bio-Anbauer deshalb vor Gericht steht. Da dessen Erdbeeren im Biofachhandel vertrieben werden, hat BioHandel nachgefragt.

07.05.2021 vonLeo Frühschütz

Erdbeeren von Naturkost Schramm stehen unter anderem bei Alnatura. (Symbolbild)

Die ARD hat über Wasserraub für den Erdbeeranbau in Spanien berichtet und angemerkt, dass ein Bio-Anbauer deshalb vor Gericht steht. Da dessen Erdbeeren im Biofachhandel vertrieben werden, hat BioHandel nachgefragt.

Das TV-Magazin PlusMinus hat in der ARD über Wasserraub für den Erdbeeranbau in Spanien berichtet und dabei angemerkt, dass ein Bio-Anbauer deshalb vor Gericht steht. Da dessen Erdbeeren im Biofachhandel vertrieben werden, hat BioHandel nachgefragt.

Der Beitrag von PlusMinus beschäftigte sich allgemein mit den vielen illegalen Brunnen, mit denen andalusische Erdbeeranbauer dem Nationalpark Coto de Doñana das Wasser abgraben. Erwähnt wird, dass die Bio-Erzeuger Bionest und Flor de Doñana in Sevilla wegen illegaler Wasserentahme vor Gericht stehen und in wenigen Wochen ein Urteil erwartet wird. Für Bionest kommt dessen Abnehmer Rewe kurz zu Wort, für Flor de Doñana der Kunde Alnatura. Flor de Doñana habe stets legales Wasser bezogen, zitiert PlusMinus Alnatura:„Es scheint sich um einen Verwaltungsfehler zwischen der andalusischen Regierung und der Wasserbehörde zu handeln,wodurch es zu diesem Prozess bekommen ist.“

Naturkost Schramm: Der Grund für das Verfahren

Alnatura bezieht sich dabei auf eine Stellungnahme des Bio-Obst und Gemüseimporteurs Naturkost Schramm, der die Erdbeeren von Flor de Doñana bezieht und an regionale Bio-Großhändler weiterleitet, die auch Alnatura beliefern. Geschrieben hat die Stellungnahme Christian Borchard, der für Schramm vor Ort in Spanien dessen Lieferanten betreut. Demnach bezieht sich die Klage auf die Finca Pública Matalagrana, die der andalusischen Regierung gehört. Von deren 222 Hektar habe Flor de Doñana 13 Hektar gepachtet, was weniger als 10 Prozent der Produktion des Unternehmens für ganz Europa ausmache. „Das Gerichtsverfahren bezieht sich auf den Wasserbezug dieser Finca in den Jahren 2009 bis 2012. Für diesen Zeitraum hat es laut der zuständigen Wasserbehörde, Confederación Hidrográfica del Guadalquivir, keine gültige Lizenz für die Wasserentnahme gegeben“, schreibt Borchard. Flor de Doñana wolle im Verfahren beweisen, dass es sich hierbei um ein Missverständnis zwischen der andalusischen Regierung als Eigentümer der Finca und der Wasserbehörde handele.

Naturkost Schramm sei sich bewusst, dass es in Spanien Fälle illegaler Wasserentnahmen gebe. „Aus diesem Grund arbeiten wir nur mit Partnern zusammen, die wir auch vor Ort besucht haben und beginnen erst eine Zusammenarbeit, sobald wir alle notwendigen Dokumente und Unterlagen zusammengetragen haben“, heißt es in der Stellungnahme. Man führe auch regelmäßige Audits vor Ort bei den Anbauern durch. In den 20 Jahren der Zusammenarbeit mit Flor de Doñana „sind uns dabei in keinem Moment Anomalien aufgefallen.“

Weiling sieht keinen Zusammenhang zur heutigen Belieferung

Für den Großhändler Weiling beschreibt Pressesprecherin Annette Thul den Vorgang gleichlautend und fügt hinzu: „Weiling bezieht seit 2012 Produkte von Flor de Doñana. 2016 wurde zusätzlich zur Naturland-Zertifizierung von Weiling die Gesellschaft für Ressourcenschutz (GFRS) beauftragt, den Betrieb zu prüfen“. Diese Prüfung habe auch die Wasserrechte umfasst. „Weder von Naturland noch seitens der GFRS wurde eine Abweichung hinsichtlich der Wassernutzung festgestellt“. Weiling bedauere es, dass in dem Bericht die Aussagen zu dem Verfahren nicht zeitlich und inhaltlich einsortiert wurden. „Einen aktuellen Zusammenhang zur heutigen Belieferung konnten wir nicht feststellen“, schreibt Thul.

Wasser in der Naturland-Richtlinie

Der Bio-Anbauverband Naturland hat 2017 das Thema Bewässerung in seine Erzeugerstandards aufgenommen. In Regionen mit Wasserknappheit müssen die Betriebe die Legalität von Brunnen und Wasserquellen nachweisen. Sie müssen effiziente Bewässerungssysteme einsetzen, deren Wartung nachweisen und den Verbrauch messen. Regenwasser sammeln und vor der ersten Zertifizierung einen Wassermanagementplan erstellen, gehört ebenfalls zu den Pflichten.

Die Richtlinie (Punkt B I.7, S. 17)

Kommentare

Das könnte interessant sein ...

Ähnliche Beiträge