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Kolumne

Bio und Klimaschutz gehören zusammen

Bio-Lebensmittel reichen nicht. Die gesamte Branche muss klimaneutral wirtschaften, so der Appell von Elke Röder.

01.04.2020 vonElke Röder

Bio-Lebensmittel reichen nicht. Die gesamte Branche muss klimaneutral wirtschaften, so der Appell von Elke Röder.

Wir leben in seltsamen Zeiten: Der Deutsche Wetterdienst warnt Mitte Januar vor Trockenheit. Die Temperaturen der Weltmeere steigen mit der Energie von fünf Atombomben pro Sekunde. In Australien ist eine Fläche von der Größe Südkoreas abgebrannt.

Währenddessen demonstrieren konventionelle Bauern, weil sie sich im „Würgegriff zwischen Umweltschutz und Markt“ sehen. Sie fürchten um ihre wirtschaftliche Zukunft, deshalb kämpfen sie für den Status Quo, dabei wird der immer brüchiger.

2019 war das Jahr mehrerer erfolgreicher Volksbegehren zum Insektenschutz, der Fridays-for-Future-Demonstrationen. 2020 begann mit gut 27.000 Menschen auf der Demonstration „Wir-haben-es-satt“. Die Gesellschaft ist gefühlt bereit für einen Gesellschaftsvertrag, der die ökologischen Leistungen der Bauern und Bäuerinnen entlohnt.

Aber wo steht die Mehrheit der Bevölkerung tatsächlich und wie sieht ein solcher Gesellschaftsvertrag konkret aus? Und zwar so konkret, dass die Bauern und Bäuerinnen ihre Betriebe verlässlich ausrichten können.

Alle stimmen wirr durcheinander ihre Instrumente

Es ist Aufgabe der Politik, die differierenden Standpunkte zusammenzuführen. Doch der dazu nötige Prozess ist noch nicht zu erkennen. Bildlich gesprochen, hat das Konzert noch nicht begonnen, der Dirigent/ die Dirigentin ist nicht in Sicht, die Partitur nicht aufgeschlagen, der Taktstock nicht gehoben – alle stimmen wirr durcheinander ihre Instrumente.

Wieviel der verbleibenden Zeit nehmen wir uns, bis das Konzert beginnt?

Sicher, Jahr für Jahr erringen Naturkost- und Naturwaren-Unternehmen angesehene Nachhaltigkeitspreise. Und ja, es gibt bemerkenswerte Klimaleistungen in der Bio-Fachbranche: Natürliche Gase zur Kühlung, Gas- oder Elektroantriebe, Mehrweg, verbesserte Verpackungen oder völliger Verzicht auf dieselben, petrochemiefreie Waschmittel, gestärkte regionale Bio-Wertschöpfungsketten. – Das alles sind bewundernswerte Pionierleistungen von Mittelständlern, die zum Klimaschutz beitragen und in der Branche noch viel breiter genutzt werden könnten als bisher.

Und trotzdem steht die Frage unübersehbar im Raum: Haben wir wirklich verstanden? Wann sind wir als einzelner Betrieb und als Branche klimaneutral? Denn – so zeigt der gesellschaftspolitische Diskurs: Bio-Lebensmittel reichen nicht, um den Klimawandel aufzuhalten. Wir als Branche und Fach-Einzelhandel müssen klimaneutral wirtschaften. Denn mit Naturgesetzen lässt sich nicht verhandeln. Und sie warten auch nicht.

Elke Röder

Geschäftsführerin Politik & Grundlagen beim Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN)

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