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BÖLN-Studie

Diese Produktgruppen bieten noch Bio-Absatzpotenzial

Die Möglichkeiten, mit Bio mehr Umsatz zu generieren, sind noch lange nicht ausgeschöpft – das zeigt eine neue Studie. Hohes Potenzial liegt dabei offenbar in umsatzstarken Produktgruppen im konventionellen LEH. Aber auch die Bio-Branche kann davon profitieren.

28.01.2021 vonDaniela Nickel

Der Bio-Absatz ist vor allem im vergangenen Jahr rasant gestiegen, obwohl es bisher in längst nicht allen Lebensmittelgruppen eine gute Auswahl an ökologischen Produkten gibt.

Die Möglichkeiten, mit Bio mehr Umsatz zu generieren, sind noch lange nicht ausgeschöpft – das zeigt eine neue Studie. Hohes Potenzial liegt dabei offenbar in umsatzstarken Produktgruppen im konventionellen LEH. Aber auch die Bio-Branche kann davon profitieren.

Wie eine neue Studie der Universität Kassel zeigt, gibt es im Lebensmittelbereich viele Möglichkeiten, den Bio-Umsatz weiter zu steigern – vor allem bei umsatzstarken Produktgruppen im konventionellen Lebensmitteleinzelhandel (LEH), wie etwa Tiefkühlkost und Süßwaren. Ziel der vom Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) in Auftrag gegebenen Studie war es, das Absatzpotenzial ökologischer Produkte bei Konsumenten besser zu erschließen.

Als Grundlage dafür dienten den Forschern die Einkäufe von rund 8.400 repräsentativen Haushalten aus dem Haushaltspanel der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Bei der Auswertung wurden daraus vier unterschiedliche Zielgruppen definiert:

  • Öko-Intensiv-Käufer (4 Prozent der Befragten/40 Prozent des Öko-Umsatzes)
  • Öko-Medium- Käufer (14,7 Prozent / 35,5 Prozent)
  • Öko-Zufalls- Käufer (40,8 Prozent / 4,1 Prozent)
  • Öko-Wenig- Käufer (37,1 Prozent / 20,3 Prozent)
  • Öko-Nicht-Käufer (3,5 Prozent / 0 Prozent)

Bio-Kunden greifen bei Pizza und Co oft zu konventionellen Produkten

Laut der Studienergebnisse werden bestimmte Lebensmittel auch von Öko-Intensiv-Käufern bisher vorrangig in konventioneller Qualität gekauft. Das betrifft vor allem Produkte wie Pizza, Fischkonserven, Pralinen und Konfekt, Speiseeis, Fruchtgummis und Lakritz, Bonbons sowie Kuchen, Torten und Strudel. Gründe dafür sind entweder die mangelnde Auswahl entsprechender ökologischer Pendants oder, dass die biologische Herstellung bei weniger gesunden und naturnahen Produkten selbst für Öko-Intensiv-Käufer keine übergeordnete Rolle spielt. Bislang liegen der Kaufentscheidung für diese Produktgruppen offenbar eher Qualitäts- und Genussaspekte als ökologische Ansprüche zu Grunde.

Qualitätsbewusste Konsumenten als Bio-Kunden gewinnen

Die Autoren der Studie sehen hier einen potenziellen Ansatzpunkt um den Öko-Anteil an Lebensmittelabsätzen zu erhöhen. Vor allem der LEH könnte die Zielgruppen der Öko-Wenig- und Öko-Medium-Käufer neben Gemüse, Obst, Eier und Milchprodukten auch stärker an andere Bio-Produkte (wie Pizza, Nussriegel oder Schokolade) binden, die bisher eher von Öko-Intensiv-Käufern im Naturkosthandel gekauft wurden.

Die Forscher empfehlen daher, das Segment der „qualitätsbewussten Verbraucher“ als Käufer neuer ökologischer Produkte zu gewinnen, da diese offenbar weniger preissensibel sind. Zu den qualitätsbewussten Käufern zählen laut Studienbericht hauptsächlich Öko-Medium-Käufer sowie teils Öko-Intensiv-Käufer, da bei deren Einkäufen „deutlich höhere Ausgaben für alkoholische Getränke, Geflügelzubereitungen, Schokoladen-, Zucker- und Backwaren und Tiefkühlkost“ vorlagen als bei den anderen Gruppen. „In der Kommunikation sollten Produzierende und Handel die Qualität von Öko-Produkten produktgruppenspezifisch hervorheben, wie beispielsweise den Tierwohlaspekt bei Öko-Fleisch und -Käse“, heißt es in der Pressemitteilung zur Veröffentlichung der Studie.

Auch der Fachhandel könnte profitieren

Die Ergebnisse legen nahe, dass Hersteller sowie Groß- und Einzelhandel in den bisher eher konventionell geprägten Produktgruppen hohes Wachstum generieren könnten. Zwar verorten die Autoren der Studie das Öko-Umsatzpotenzial vorwiegend im konventionellen Handel, doch auch innerhalb der Naturkostbranche könnten Sortimentserweiterungen der entsprechenden Produktgruppen Vorteile bringen.

Dabei haben ökologische Hersteller und Bio-Händler durchaus Vorteile gegenüber dem konventionellen Handel. Bio-Hersteller profitieren bei der Entwicklung von Neuprodukten von ihrer Expertise in der Produktion sowie durch vorhandene Netzwerke im Bio-Rohstoff-Bereich. Bio-Händler haben unmittelbar die Möglichkeit zu prüfen, ob ihr Angebot in Hinblick auf die genannten Produktgruppen erweiterbar ist. Wobei die letztere Option, z.B. bei Tiefkühlkost, besonders für kleinere Läden nur begrenzt umsetzbar ist.

Hintergrundinformation

Das BÖLN-Projekt „Analyse von Haushaltskäufen mithilfe von Paneldaten zur besseren Erschließung des Absatzpotentials bei Öko-Wenig-, Öko-Medium und ÖkoIntensiv-Käufern“ wurde von Forschern der Universität Kassel, Fachgebiet Agrar- und Lebensmittelmarketing, durchgeführt. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) förderte die Studie im Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN). Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) begleitete die Arbeiten als Projektträger.

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