Biohandel

Wissen. Was die Branche bewegt

Gesprächsrunde auf der BioSüd

„Die Lage ist nicht aussichtslos“

Die aktuellen Herausforderungen der Branche waren das Gesprächsthema Nummer eins auf der BioSüd. Es wurde lebhaft darüber debattiert, was nötig ist, damit der Fachhandel gut aus der Krise kommt.

440 Ausstellende und 2.728 Besuchende nutzten am vergangenen Sonntag auf der BioSüd die Chance, sich auszutauschen. „Ein gelungener Abschluss des BioMessen-Jahres 2022“, bilanzierte Veranstalter Wolfram Müller. Wie schon auf der BioNord in Hannover standen auch in den Augsburger Messehallen die Themen Energiekrise, Inflation, sinkende Kunden- und Umsatzzahlen im Mittelpunkt vieler Gespräche. „(K)eine Zukunft für den Bio-Fachhandel?“ lautete deshalb die bewusst provokativ gestellte Frage, unter der die Diskussionsrunde „12 Uhr mittags“ stattfand.

„Es gibt ein Leben nach der Krise“

Zwar mache der Fachhandel gerade schwierige Zeiten durch, „aber die Lage ist nicht aussichtslos“, so die Einschätzung von Eva Kiene, Pressesprecherin von Rapunzel. „Es gibt ein Leben nach der Krise, wir werden das gemeinsam durchstehen“, so ihre Überzeugung.

Wichtig sei dazu der persönliche Austausch, wie er früher auf Messen stattgefunden habe, betonte Lazaro Campuzano. Das sei die letzten Jahre nicht möglich gewesen und habe gefehlt, so der Vertriebsleiter von Demeter Felderzeugnisse. Jetzt sei man wieder an dem Punkt, sich austauschen und Impulse setzen zu können und die „Biofamilie wieder zu einen.“

Miteinander statt übereinander reden

„Wir müssen wieder miteinander, statt übereinander reden“, betonte auch Ökoring-Geschäftsführer Thomas Börkey-Biermann. Nötig seien zudem individuelle Konzepte, bei denen von den Herstellern über den Groß- bis zum Fachhandel alle Glieder der Wertschöpfungskette zusammenarbeiteten. Als positives Beispiel nannte er die Mitmach-Aktion, die Stefan Voelkel auf der BioNord anregte, um Kunden wieder zurück in die Läden zu holen.

In der Tat kämpft der Fachhandel gerade damit, dass Kunden fernbleiben, obwohl die Preise teils günstiger sind als im konventionellen Lebensmitteleinzelhandel (LEH). „Das Erste was gestrichen wird, wenn es finanziell eng wird, ist vermeintlicher Luxus“, so BNN-Geschäftsführerin Kathrin Jäckel. Dazu würden von einigen Verbrauchern qualitativ-hochwertige Produkte aus dem Bioladen gezählt.

Dennoch gebe es bereits wieder vorsichtige Schritte zurück in den Fachhandel. „Die Kunden vermissen beim Einkauf im konventionellen LEH etwas und merken zudem, dass es dort auch nicht so günstig ist“, hat Jäckel beobachtet. „An Bio an sich ist jedenfalls kein Fragezeichen.“

Flexibilität ist gefragt

Vom Einzel- über den Großhandel bis zu den Herstellern: Eine besondere Herausforderung sind gerade die Kostensteigerungen im Energiebereich. Diese habe es zwar schon immer gegeben. „Aber nicht in diesem Umfang und in dieser Häufigkeit“, berichtete Lazaro Campuzano. „Das macht die Kalkulation extrem schwierig.“ Früher habe man einmal pro Jahr kalkuliert, jetzt müsse man das bei jeder Produktion. Gefragt sei jetzt große Flexibilität, vor allem von den Herstellern, aber natürlich auch von beiden Handelsstufen.

Thomas Börkey-Biermann stimmte zu: „Die Zyklen haben sich geändert“, so der Ökoring-Geschäftsführer. Wichtig ist für ihn deshalb, die Betriebswirtschaftlichkeit nicht aus den Augen zu verlieren, und zwar auf allen Stufen der Wertschöpfungskette. Alle müssten ihre Hausaufgaben machen und ihr Unternehmen effizienter gestalten. Das sei wichtig wegen der Spanne, aber auch um auskömmliche Löhne zahlen zu können. „Das wird von der Branche erwartet und vorausgesetzt, ist aber nicht überall der Fall.“

„Nur Wachstum funktioniert nicht“

Insgesamt sieht auch er die Branche in einer schwierigen Zeit. Allerdings gelte es mutig zu bleiben. „Wir sind lange gewachsen“, erinnert Börkey-Biermann. „Aber nur Wachstum funktioniert nicht“. Jetzt gelte es, proaktiv zu werden und zu den Werten zurückzukehren, mit denen man angetreten sei, dann komme man auch gemeinsam aus der Krise.

Entscheidend dabei ist für Eva Kiene die Frage, welches Bio man anbieten wolle. So stellt Rapunzel mit der Fairwert-Kampagne etwa den ökologischen Anbau und fairen Handel noch stärker in den Mittelpunkt seiner Kunden-Kommunikation.

„Billig können andere besser“, davon zeigte sich auch Harald Sorst von Original Beans überzeugt. Aus dem Publikum heraus appellierte er an die Fachhändler, sich mehr mit Produkten und Marken zu beschäftigen und Qualität und Diversität zur Profilierung zu nutzen.

„Wir machen viel mehr als Bio“, pflichtete Thomas Börkey-Biermann seinen Vorrednern bei. Vieles davon sei allerdings noch nicht genügend kommuniziert. Dafür wäre jetzt eine gute Gelegenheit. Denn „in der Krise muss man in die Kommunikation gehen“, so die Überzeugung von Detlef Harting, Geschäftsführer von Harting & Tovar, der die Diskussion moderierte. „Und die Branche hat gute Argumente.“

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Bei der Diskussion „12 Uhr mittags“ diskutierten Stefan Voelkel, Naturkostsafterei Voelkel, Jonathan Mesecke, Naturkost Elkershausen, Kathrin Jäckel, BNN, und Ralf Hoppe, Bauck, wie der Bio-Fachhandel weiterhin Menschen von sich überzeugen kann.

Diskussion auf der BioNord

Wie der Bio-Fachhandel weiterhin von sich überzeugen kann

Geringere Kaufkraft, zurückgehende Umsätze: Auf der BioNord diskutierten Branchenakteure über Möglichkeiten, die Folgen von Inflation und Energiekrise für den Bio-Fachhandel abzuwenden.

Allerdings müsse der Begriff „Bio“ neu aufgeladen werden, sagte Kathrin Jäckel. Während es für Ältere klar sei, dass Bio Umwelt- und Naturschutz bedeute, gelte das für Jüngere nicht unbedingt. „Unter dem Aspekt des Klimawandels stehen bei jungen Menschen Themen wie vegetarische und vegane Ernährung vorne“, so die BNN-Geschäftsführerin.

Die Jugend zu gewinnen sei aber nicht nur wichtig, um Käufernachwuchs zu haben, sondern auch um am Puls der Zeit zu bleiben. Deshalb sei es umso wichtiger, dass die Branche noch stärker vermittelt, wo Bio im Vergleich zu konventionellen Erzeugungs- und Herstellungsmethoden steht und was die Qualität von Bio stützt. Debatten wie zum Beispiel zum Planet Score als transparente Nachhaltigkeitskennzeichnung seien deshalb wichtig.

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