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Foodwatch-Negativpreis

Die „dreisteste Werbelüge“ des Jahres kommt von Rewe

Das „klimafreundliche“ Hähnchenbrustfilet der Kölner LEH-Kette ist für Foodwatch die „dreisteste Werbelüge“ des Jahres. Dafür bekam Rewe nun den „Goldenen Windbeutel“ der Verbraucherorganisation.

15.12.2021 vonMichael Stahl

Foodwatch-Mitarbeiter vor einem Rewe: Fleisch als „klimaneutral“ zu bewerben sei grundsätzlich irreführend, sagt die Verbraucherorganisation.

Das „klimafreundliche“ Hähnchenbrustfilet der Kölner LEH-Kette ist für Foodwatch die „dreisteste Werbelüge“ des Jahres. Dafür bekam Rewe nun den „Goldenen Windbeutel“ der Verbraucherorganisation.

Der Goldene Windbeutel, mit dem Foodwatch alljährlich die „dreisteste Werbelüge“ prämiert, geht dieses Mal an Rewe. Bei einer Online-Abstimmung der Verbraucherorganisation wählten rund 28 Prozent der mehr als 63.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer das als „klimaneutral“ beworbene Hähnchenbrustfilet der Rewe-Eigenmarke Wilhelm Brandenburg auf Platz 1, teilte Foodwatch am Dienstag mit.

Der Organisation zufolge erwecke die Werbung den Eindruck, „dass sich die Produktion des Hähnchens nicht schädlich auf das Klima auswirke. Tatsächlich werde das Hähnchenbrustfilet weder emissionsfrei hergestellt noch würde der bei der Produktion anfallende CO2-Ausstoß ausgeglichen.

Recherchen von Foodwatch würden belegen, dass das Wald-Projekt in Peru, durch das die Treibhausgas-Emissionen angeblich kompensiert wurden, den dortigen Wald nicht schützten. Gleichzeitig erhob Foodwatch den Vorwurf, dass die Zertifikate für das Geflügelfleisch aus den Jahren 2010 bis 2012 stammten, das Projekt für diesen Zeitraum aber „nachweislich keinerlei Emissionsreduktionen bewirkt“ habe; „die Zertifikate sind also falsch“, so Foodwatch. Wegen des mutmaßlichen Greenwashings hatte die Verbraucherorganisation Rewe bereits Anfang Dezember abgemahnt.

Rewe weist Greenwashing-Vorwürfe zurück

In einer Stellungnahme reagierte Rewe auf die Greenwashing-Vorwürfe von Foodwatch und ließ das Unternehmen Climate Partner zu Wort kommen, von dem die Zertifizierung stammt. „Wesentliche Aussagen des Foodwatch-Berichts zum Tambopata-Waldschutzprojekt basieren auf methodischen Fehlern“, heißt es dort. Mehrere Experten von anerkannten Unternehmen hätten das bestätigt, darunter das Start-up Sylvera, das Klimaschutzprojekte bewertet, und Verra, einem Standard zur Zertifizierung von CO2-Emissionsreduktionen. Die „eindrucksvollsten Fehler“ laut Climate Partner: Foodwatch habe ein falsches Projektgebiet analysiert und eine falsche Datengrundlage verwendet.

Generell stößt sich Foodwatch daran, Fleisch als „klimaneutral“ zu bewerben. Das sei grundsätzlich irreführend, weil ein Großteil aller Treibhausgasemissionen, die die Landwirtschaft verursacht, auf die Tierhaltung entfalle. „Rewe rechnet Fleisch mit falschen CO2-Zertifikaten klimafreundlich und täuscht damit umweltbewusste Verbraucherinnen und Verbraucher“, kritisierte Manuel Wiemann, Wahlleiter des Goldenen Windbeutels.

Auch die Wettbewerbszentrale stuft die Werbung mit dem Begriff „Klimaneutralität“ als „irreführend“ ein, wenn es sich dabei um Kompensationszahlungen mittels Ausgleichzertifikaten handelt und diese nicht vollständig durch emissionsvermeidende Maßnahmen erreicht wird. Aus diesem Grund mahnte sie im Mai gleich mehrere Unternehmen ab.

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