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Gastkommentar

Demeter bei Kaufland und Rewe ist kein Pakt mit dem Teufel – im Gegenteil

Immer mehr Marken wollen vom Bio-Boom profitieren. Deren Beweggründe sind egal, solange die Richtung stimmt. Auch aus marktstrategischer Intension kann eine ökologische Mission werden.

15.10.2020 vonHassaan Hakim

Demeter im LEH: Verpflichtung für die „Konventionellen“.

Immer mehr Marken wollen vom Bio-Boom profitieren. Deren Beweggründe sind egal, solange die Richtung stimmt. Auch aus marktstrategischer Intension kann eine ökologische Mission werden.

Veränderung tut weh. Sie katapultiert uns aus der Komfort-Zone. Doch Wandel ist gesund und notwendig. Vor allem in einer Zeit, in der die Umstände unsere Zukunft gefährden. Wir stehen mitten in einem gesellschaftlichen Wandel, in dem Menschen den Zusammenhang zwischen Konsum und Krise immer mehr verstehen. Dass billige Lebensmittel auf Kosten sozialer und ökologischer Standards produziert werden und wir mit unserer Kaufentscheidung etwas verändern können, wird nachvollziehbarer.

Für Konzerne ist es eine Herausforderung, denn sie müssen sich den neuen Konsumentenwünschen beugen. Kaufland und Rewe sind neue Mitglieder bei Demeter. Manche sagen, das ist ein Pakt mit dem Teufel. Ich denke, das ist eine Chance. Demeter eröffnet den ‚Konventionellen‘ einen Weg, für den diese sich verpflichten müssen. Es ist ein Weg, mit den höchsten ökologischen Standards.

Über den Autor

Hassaan Hakim berät Unternehmen aus dem ökologisch nachhaltigen Sektor bei der Marken- und Positionierungsstrategie. Seine Agentur YOOL ist seit Anfang letztes Jahr Lead-Agentur von Demeter Deutschland und Demeter International.

Ich bezweifle, dass diese Lebensmittelriesen moralische Gründe haben, hier mit einzusteigen. Doch finanzieller Gewinn oder Verlust sind die stärksten Motoren für Veränderung, die schnell etwas in Bewegung bringen. Offen gestanden, der Beweggrund ist mir egal, solange die Richtung stimmt. Das Gute: Manche Konzerne entwickeln beim Voranschreiten eine neue Gesinnung. Sie identifizieren sich mit der Richtung und aus marktstrategischer Intension wird plötzlich eine ökologische Mission. Konsumenten sind inzwischen bereit, mehr für bessere Nahrungsmittel zu bezahlen.

Immer mehr Bio-Marken drängen auf den Markt und versuchen, ein Stück des Bio-Booms abzugreifen. Gerade jetzt braucht es Marken wie Demeter, die hohe Werte-Standards setzen. Demeter hebt im LEH das kollektive ökologische Bewusstsein an, setzt die Messlatte hoch auch für andere Bio-Marken und gibt durch Vertriebsgrundsätze dem Handel Spielregeln vor. Unabhängig von markenstrategischen Gesichtspunkten, verletzten Gemütern und Fachhansdelstreue trägt Demeter eine gesellschaftliche Verantwortung, die auch eine gewisse Verfügbarkeit bedingt.

Wir wollten den ökologischen Wandel. Jetzt steht er vor der Tür. Wir sollten ihn hereinlassen! Und ja, Feindbilder schwinden und die eigene, Jahrzehnte lange persönliche Mission wird professionell vom ‚Feind‘ gekapert. Was solls, Veränderung tut eben ein bisschen weh. Ich persönlich entscheide mich im Zweifel für „Öko statt Ego“ und werde auch weiterhin bei meinem Bioladen einkaufen.

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