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Nach Prozessmängeln

BNN erkennt neuen ICADA-Standard an

Weil Prüf- und Zertifizierungsprozesse bei Icada nicht konform mit den Sortimentsrichtlinien des BNN waren, musste der Naturkosmetikverband nachbessern. Icada kam so einer Auslistung zuvor, sieht das Ergebnis jedoch zwiespältig.

Knapp zwei Jahre lang war unklar, ob Naturkosmetik, die vom Verband Icada zertifiziert wurde, auch in Zukunft von Bio-Fachhändlern verkauft werden darf, die sich nach den gemeinsamen Sortimentsrichtlinien (SRL) des Bundesverbands Naturkost Naturwaren (BNN) und Naturkost-Süd (NKS) richten. Grund dafür waren Icadas Qualitätskriterien und Zertifizierungsregeln, die BNN und NKS als nicht konform mit ihren SRL ansahen.

Ausgangspunkt war ein Kongress im Oktober 2020. Dort hatte der Naturkosmetikverband für eine „,Icada-Zertifizierung ohne Kosten‘ auf Grundlage von Eigenbestätigungen der Hersteller“ geworben. Für eine Zertifizierung , etwa mit dem Icada-Premiumlabel „Bio- und Naturkosmetik “, mussten die Hersteller seinerzeit ihre Produkte nur einmal überprüfen lassen.

BNN und NKS hatten Icada daraufhin aufgefordert, die Standards nachzubessern. Der Verband kam dieser Aufforderung zunächst nur sehr widerwillig nach und riskierte damit eine Auslistung der von ihm zertifizierten Produkte. Nun kam es zu einer Einigung.

Vorausgegangen war ein „intensiver Austausch“ mit Icada, wie der BNN auf BioHandel-Anfrage mitteilte. Am Ende dieser Zusammenarbeit steht ein überarbeiteter Kontroll- und Zertifizierungsprozess. Vorbehaltlich seiner Einhaltung und Umsetzung, könne der neue Standard weiter gemäß den Sortimentsrichtlinien von BNN und NKS anerkannt werden, teilte der BNN mit.

Was der neue Icada-Standard für Händler und Hersteller bedeutet

Konkret bemängelte das SRL-Lenkungsgremium unter anderem, dass Icada in der Vergangenheit keinen Unterschied gemacht habe zwischen Natur- und Bio-Kosmetik. Der neue Standard unterscheidet nun zwischen „Naturkosmetik“ und „Bio- und Naturkosmetik“ mit den Labeln „natural“ und „natural+organic“. Zudem weist er jetzt eine konkrete Prozent-Grenze für Bio-Kosmetik aus. Auch das war eine Anforderung des Lenkungsgremiums.

So haben laut des aktuellen Icada-Standards nur natürliche kosmetische Produkte „Bio-und Naturkosmetik“-Qualität, bei denen mehr als 20 Prozent aller verwendeten Inhaltsstoffe aus kontrolliert biologischem Anbau stammen. Sie tragen das Label „natural+organic“. Produkte mit einem geringeren Bio-Anteil werden mit „natural“ gelabelt.

Für Händler und Hersteller bedeutet die Neuauflage des Icada-Standards konkret:

  • Alle Produkte mit dem bisherigen Icada-Label „natural+organic“ müssen bis zum 30. Juni 2023 vom Markt genommen werden.
  • Ab dem 01. Juli 2023 sind lediglich Icada-Produkte mit den Labeln „natural“ oder „natural+organic“ konform zu den Sortimentsrichtlinien, die ein gültiges Zertifikat vorweisen können.

„Wir können von unserer Seite nicht sagen, dass dies durchweg zu einer qualitativen Verbesserung geführt hat.“

Icada-Geschäftsführer Yves Strauch zur Prozent-Grenze für Bio-Kosmetik

Bei Icada sieht man den Ausweis eines Prozentwerts zwiespältig. „Der alte Icada-Standard war qualitativ sehr hochwertig, weil an die Icada-Label-Lizenznehmer hohe Bio-Anforderungen gestellt wurden“, teilte der neue Icada-Geschäftsführer Yves Strauch mit. Abgesehen von wenigen Ausnahmen hätten so viele Bio-Rohstoffe wie möglich in die Produkt-Rezeptur eingebracht werden müssen.

Über die Änderung sagt Strauch: „Wir können von unserer Seite nicht sagen, dass dies durchweg zu einer qualitativen Verbesserung geführt hat.“ Allerdings entspreche der überarbeitete Icada-Standard nun mehr den anderen großen Standards, die ebenfalls mit Grenzwerten arbeiten, was zu einer Vereinheitlichung der anerkannten Kriterien für Natur- und Bio-Kosmetik beitragen könnte. „Letzteres ist erkennbar auch im Sinne von Icada, so dass wir die angesprochene teilweise Veränderung des qualitativen Niveaus durchaus durch diese positive Wirkung kompensiert sehen“, so Strauch.

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