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Kaufland bei Demeter

BNN: „Bio für Alle nicht um jeden Preis“

Der Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) fürchtet mögliche negative Auswirkungen auf die Branche, sollte sich Kaufland nicht an die vereinbarten Regeln für Qualität und Fairplay halten. Demeter-Vorstand Johannes Kamps-Bender signalisiert Entwarnung.

30.07.2020 vonKatrin Muhl

Dass die LEH-Kette Kaufland dem Demeter-Verband als Mitglied angehört, sieht der BNN kritisch.

Der Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) fürchtet mögliche negative Auswirkungen auf die Branche, sollte sich Kaufland nicht an die vereinbarten Regeln für Qualität und Fairplay halten. Demeter-Vorstand Johannes Kamps-Bender signalisiert Entwarnung.

Der Bundesverband Naturkost Naturwaren (BNN) hat sich zur Mitgliedschaft von Kaufland bei Demeter geäußert. Aus dem Schreiben, das BioHandel vorab bekommen hat, ist zu entnehmen, dass sich der Interessenverband ernsthaft Sorgen um den Ruf der Branche macht.

Demeter sei mit seinen hohen Standards „ein geschätzter Partner des Fachhandels“. Dass dieser jüngst den zur Schwarz-Gruppe gehörenden Lebensmittelhändler Kaufland als Mitglied aufgenommen hat, sieht der BNN kritisch.

Demeter begründete den Schritt mit der Erschließung neuer Märkte und Zielgruppen. Dr. Alexander Gerber, Vorstand bei Demeter, teilte mit, er sei überzeugt, mit Kaufland als neues Mitglied dem Ziel, möglichst viele Menschen zu erreichen und von den Vorteilen der Demeter-Werte überzeugen zu können, wieder einen Schritt näher gekommen zu sein.

„Bio für Alle ist ein gutes Ziel", so BNN-Vorstandsmitglied Volkmar Spielberger, "aber nicht um jeden Preis". Der Bio-Fachhandel vertrete "Werte, denen sich ein nationales Systemhandelsunternehmen in der Regel nicht verpflichtet fühlt.“

BNN sieht Glaubwürdigkeit in Gefahr

Kaufland ist nicht die erste LEH-Kette, mit der Demeter eine vertragliche Bindung eingegangen ist. Aktuell bestehen auch Markennutzungsverträge mit tegut, dm, Globus, Edeka und einigen kleineren Lebensmittelketten. Inzwischen laufen laut Verbandsangaben rund 20 Prozent der Umsätze mit Demeter-Produkten über den konventionellen Lebensmitteleinzelhandel.

Die Rahmenbedingungen für den Verkauf von Demeter-Produkten im konventionellen Lebensmitteleinzelhandel werden durch die Demeter-Vertriebsgrundsätze geregelt. Darüber hinaus seien mit Kaufland weitere Fairplay-Vereinbarungen getroffen worden. Dass sich Kaufland daran halten wird, bezweifelt der BNN. Dem Interessenverband zufolge sei es bereits vorgekommen, dass Verstöße bei Demeter ohne Folgen geblieben sind – „auch von kleineren Handelspartnern als Kaufland“, heißt es in dem Schreiben.

BioHandel hat Demeter um eine Stellungnahme zum Vorwurf des BNN gebeten. Kamps-Bender teilt mit: „Die Einhaltung dieser Bedingungen unterliegt bei uns einem kontinuierlichen Monitoring. Wenn Verstöße bei einem Händler von Demeter-Produkten festgestellt oder gemeldet werden, wird dem nachgegangen."

Mit Kaufland habe Demeter laut eigenen Angaben bisher nur positive Erfahrungen gemacht. "Kaufland führt seit zwei Jahren Demeter-Produkte im Rahmen von Verträgen mit Demeter-Herstellern. Wann immer wir Kritik an Kaufland herantrugen, wurde für Abhilfe gesorgt. Mit dem jetzt geschlossenen Vertrag ist unser Ziel eine vertrauensvolle Zusammenarbeit, für mehr Nachhaltigkeit und Fairplay am Markt, trotzdem überwachen wir selbstverständlich die Einhaltung der Regeln", so Kamps-Bender.

Weiter stellt Kamps-Bender klar: "Grundsätzlich sind wir als zertifizierender Verband mit Themen wie Kontrolle und dem Umgang mit Regelverstößen vertraut. Deshalb ist klar – sollte irgendein Partner wiederholt vertragsbrüchig werden, dann müssten wir Sanktionen einleiten und in letzter Konsequenz wäre auch eine Kündigung des Vertrages möglich.“

Aus Sicht des BNN werde sich der Demeter-Verband jetzt daran messen lassen müssen, ob Kaufland den Vereinbarungen nachkommt. „Ansonsten sind die Glaubwürdigkeit einer ganzen Branche und die Werte für die sie steht, gefährdet“, so Spielberger.

Demeter für alle?

In einem Interview auf der Webseite von Demeter sprechen die Vorstände Alexander Gerber und Johannes Kamps-Bender über die Verbandsstrategie, Demeter-Produkte im Lebensmitteleinzelhandel, die Partnerschaft mit dem Naturkostfachhandel und die Demeter-Vertriebsgrundsätze.

Mit Kaufland habe Demeter laut eigenen Angaben bisher nur positive Erfahrungen gemacht. "Kaufland führt seit zwei Jahren Demeter-Produkte im Rahmen von Verträgen mit Demeter-Herstellern. Wann immer wir Kritik an Kaufland herantrugen, wurde für Abhilfe gesorgt. Mit dem jetzt geschlossenen Vertrag ist unser Ziel eine vertrauensvolle Zusammenarbeit, für mehr Nachhaltigkeit und Fairplay am Markt, trotzdem überwachen wir selbstverständlich die Einhaltung der Regeln", so Kamps-Bender.

Weiter stellt Kamps-Bender klar: "Grundsätzlich sind wir als zertifizierender Verband mit Themen wie Kontrolle und dem Umgang mit Regelverstößen vertraut. Deshalb ist klar – sollte irgendein Partner wiederholt vertragsbrüchig werden, dann müssten wir Sanktionen einleiten und in letzter Konsequenz wäre auch eine Kündigung des Vertrages möglich.“

Aus Sicht des BNN werde sich der Demeter-Verband jetzt daran messen lassen müssen, ob Kaufland den Vereinbarungen nachkommt. „Ansonsten sind die Glaubwürdigkeit einer ganzen Branche und die Werte für die sie steht, gefährdet“, so Spielberger.

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