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BioMessen 2024

BioWest startet Messejahr mit Besucherzuwachs

Den Auftakt zu 20 Jahren BioMessen machte am Sonntag die BioWest. Nach zuletzt wieder besseren Ergebnissen bei den Bioläden machten viele Besucher in den Gängen weitere Hoffnung auf einen anhaltenden Aufschwung.

Dieses Jahr gibt es bei den BioMessen gleich mehrere Gründe zum Feiern. Neben dem 20. Geburtstag der BioNord im Oktober, eröffnete die BioWest in Düsseldorf bereits zum 10. Mal ihre Pforten für Fachbesucherinnen und -besucher. Gestartet war die Messe am vergangenen Sonntag mit 223 Ausstellenden und damit ungefähr auf dem gleichen Stand wie im Vorjahr.

BioMessen-Veranstalter Matthias Deppe freute sich beim Empfang zum traditionellen Messerundgang über dieses „Signal der Stabilisierung“ – er sei mit einem positiven Gefühl in die insgesamt 49. BioMesse gestartet. Noch mehr dürften sich Deppe und Co-Veranstalter Wolfram Müller über den Besuchenden-Zuwachs von plus 7,5 Prozent gegenüber der BioWest 2023 gefreut haben: insgesamt 1.893 Menschen aus der Branche fanden trotz beinahe sommerlicher Außentemperaturen den Weg in die Messehalle.

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Matthias Deppe

„Die BioMessen sind ein bisschen wie ein Wanderzirkus“

Die BioMessen feiern dieses Jahr ihren 20. Geburtstag. Co-Organisator Matthias Deppe über die heutige Relevanz der Messen, das wachsende Interesse aus dem LEH und warum Endverbraucher (noch) nicht zugelassen werden.

Nachdem sich die Politik auf der letzten BioWest entschuldigen ließ, begleitete in diesem Jahr Martin Berges, Staatssekretär im Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (NRW), die traditionelle Morgenrunde zu den Ausstellern. In der Region ansässige Erzeuger und Hersteller wie etwa Arche Naturküche, Clostermann Organics, der Buscherhof und die Upländer Bauernmolkerei präsentierten ihre Produkte. „Die BioWest ist eine wichtige Plattform für die Absatzförderung unserer Regionalmärkte“, erklärte Berges, dessen Ministerium die fünf Öko-Modellregionen NRWs unter anderem fördert, „um dem Verbraucherwunsch nach Öko aus der Region entgegenzukommen“, so der Staatssekretär.

Als so genannte „Leuchtturmprojekte“ des Bundeslandes nahmen die Öko-Modellregionen (ÖMR) auch über Berges‘ Erwähnung hinaus eine zentrale Rolle auf der Messe ein. Als letzte Station beim Messerundgang bekamen die Gesichter der fünf ÖMR in NRW die Möglichkeit, ihre Region, Betriebe und einige ihrer Produkte kurz vorzustellen. Darüber hinaus gab Jan Leifert, Vorsitzender der Landesvereinigung ökologischer Landbau NRW, den Startschuss für eine neue Verbraucherkampagne der ÖMR. Die Vernetzungs- und Kommunikationsarbeit sei besonders wichtig für „die regionale Wertschöpfungskette im Ökobereich“, erklärte Leifert.

Mit Kommunikation, Vernetzung und AHV zum 30-Prozent-Bio-Ziel

Über die Bedeutung der Öffentlichkeitarbeit und Vernetzung innerhalb der Branche waren sich auch Ute Rönnebeck, Vorständin bei Demeter im Westen, Hannah Fischer, Koordinatorin der Öko-Modellregionen NRW, und Karin Romeder, Geschäftsführerin bei der Naturland Zeichen GmbH, einig. Gemeinsam mit Moderator Detlef Harting diskutierten sie zum Thema „Auf dem Weg zu 30 Prozent Bio: Wer soll das alles essen?“. Beispielhaft für die Branchenkommunikation sei die aktuelle Infokampagne des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Diese sei zwar eine gute Basis, werde aber nicht lang und breit genug gespielt, kritisierte Rönnebeck. „Die Kampagne war nicht packend“, konstatierte Romeder über die inzwischen nur noch reduziert ausgespielte Offensive.

Romeder plädierte dafür, auf dem Weg zu 30 Prozent Bio bis 2030 neben der Kommunikation als einem Baustein vor allem auf den Ausbau der Außer-Haus-Verpflegung (AHV) mit regionalen Bio-Lebensmitteln zu setzen. Dafür müssten laut Romeder Bio-Erzeugnisse direkt ausgeschrieben und besser vermarktet werden. Seitens der Erzeuger könne das beispielsweise über eine stärkere Vernetzung mit Köchinnen und Köchen geschehen.

Diese könnten sich durch Veranstaltungen wie etwa einem „Bio-Speed-Dating“, das es in der Form bereits in Bayern gegeben habe, schnell und unkompliziert mit regionalen Erzeugern austauschen, wodurch die Wertschöpfungskette ohne viel Aufwand unterstützt werden könne, so Romeder. Sobald die Entscheider in den Küchen dahinter stünden, überzeuge man auch eher die Tischgäste. Denn die meisten, so Romeder, bitten nicht von selbst um Bio. „Es muss ganz generell schmecken“, so die Naturland-Zeichen-Geschäftsführerin.

Demeter-Vorständin Rönnebeck unterstich darüber hinaus auch die Rolle der Politik, um das ambitionierte Ziel des BMELs zu erreichen. Die Agrarpolitik habe sich in den vergangenen Jahren wieder nach hinten gedreht, meint Rönnebeck, die dabei auf die Verlängerung der Glyphosat-Ausbringung sowie das außerhalb der Branche kontrovers diskutierte Thema Gentechnik verwies.

„Wenn ich auf Nordrhein-Westfalen gucke, muss ich aber auch mal loben“, so Rönnebeck. Hier habe man den Ökolandbau seit den Neunzigerjahren agrarpolitisch kontinuierlich ausgebaut, etwa mit der Fachschule für ökologischen Landbau, einer Öko-Landbau-Beratung innerhalb der Landwirtschaftskammer und der Auslobung der fünf ÖMR. Dem stimmte auch Hannah Fischer zu, die die vernetzende Rolle der ÖMR für das Bundesland unterstrich. Die Regionalmanagerinnen und -manager seien ein verbindendes Glied in der Wertschöpfungskette und „können dort auch Lücken aufzeigen“.

Leichter Aufwind, aber noch keine Trendwende

Das die Branche nach den letzten krisengebeutelten Jahren wieder etwas Auftrieb gewinnt, zeigen nicht nur die wieder gestiegenen Messebesucherzahlen. Simon Döring, Unternehmensberater bei der Kommunikationsberatung Klaus Braun, stellte auf der Messe vorab die ersten Zahlen aus dem aktuellen Betriebsvergleich für den BioHandel für das Jahr 2023 vor. Vorläufigen Berechnungen zufolge, so Döring, konnten die teilnehmenden Bio-Fachhändler ihr Betriebsergebnis in 2023 im Vergleich zum Vorjahr aufgrund von gesunkenen Gesamtkosten fast verdoppeln.

Auch die Tendenz aus den erhobenen Bonwerten stimme positiv und zeige ein leichtes Plus im ersten Quartal, erklärte Döring. Den „Beginn einer großen Trendwende“ wollte er jedoch nicht ausrufen. Zwar sei auch die Inflation wieder etwas gesunken, aber die Kosten seien allgemein beträchtlich gestiegen und immer mehr Läden müssten betriebsbedingt schließen.

BioOst am 21. April 2024

Am Sonntag, dem 21. April trifft sich die deutsche Bio-Branche zur zweiten Frühjahrsmesse in Leipzig. Neben 235 Ausstellenden warten auf die Fachbesucherinnen und -besucher in der Messehalle 5 auch Vorträge und Diskussionen

10.00 Uhr Eröffnung
Grußworte von Gisela Reetz – Staatssekretärin Sächsisches Staatsministerium für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft und Torsten Weil – Staatssekretär Thüringisches Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft
Im Anschluss Messerundgang mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Verbänden und Medien

11.00 – 11.45 Uhr Der Status quo im Bio-Fachhandel:
Vortrag zur wirtschaftlichen Lage und aktuellen Herausforderungen im Bio-Fachhandel von Simon Döring von der Kommunikationsberatung Klaus Braun

12.00 – 13.00 Uhr Podiumsdiskussion „12 Uhr mittags“
Mehrwegverpackungen: Nachhaltig in der Nische?
Diskussionsrunde mit: Julia Klein – Mach Mehrweg Pool e.V., Veronika Pfender – Dotch GmbH, Jan Schürmann – Naturkost Erfurt, Jonathan Kirchner – Vorstand VG Dresden, Hilmar Hilger – Preussen Quelle GmbH
Moderation: Detlef Harting – Harting & Tovar Kommunikation

„Es braucht aktives Handeln, um am Markt zu bestehen“, meinte der Berater. Durch das stetig wachsende Angebot von Bio-Lebensmitteln im Lebensmitteleinzelhandel müsse sich der Naturkostfachhandel neu positionieren. Eine einfache Lösung habe er nicht, jedoch nannte Döring verschiedene Profilierungsmöglichkeiten: (digitale) Servicedienstleistungen ausbauen – etwa eine Abholstation etablieren, den Bioladen als eine Art „Begegnungs- und Eventstätte“ umbauen, sich durch das Besetzen einer zusätzlichen Nische wieder mehr als Fachgeschäft definieren oder, für größere Geschäfte, den Nachhaltigkeitstrend nutzen und eine Art „Zukunftsmarkt“ erschaffen.

Neues wagen lohnt sich

Auf echtes Neuland hat sich Kolakao-Gründerin Anna-Theresia Schmidt mit ihrer Idee vom Kakao mit Kolanuss als alternativem Koffeinlieferanten zu Kaffee gewagt. Kennengelernt hat Schmidt die Kolanuss auf ihren Reisen durch Afrika und die deutlich mildere, magenverträgliche Koffeinvariante als neues Wachmacher-Getränk mit nach Hause genommen.

Als 2016 klar war, dass sie mit ihrem Kolakao den Markt erobern will, gab es jedoch ein Problem: es gab keine Kolanuss in Bio-Qualität. Nach viel Recherchen, Ausnahmeregelungen und auch einer gescheiterten Kooperation, hat Schmidt inzwischen „zwei super verlässliche Erzeuger in Ghana“ gefunden. „Jetzt haben wir Bio-Kolanüsse im großen Stil“, sagte Schmidt. Neben ihrem Kolakao in vielen verschiedenen Sorten vertreibt Schmidt außerdem Guakao mit Guarana, Goldmilch sowie ein kleines Sortiment an Kräutern und Tees.

Zwar keine gänzlich neuen Erfindungen, aber dafür ein Sortiment, das laut eigener Aussage aus komplett regionalen Rohstoffen hergestellt ist, bietet die Schalk Mühle Genussmanufaktur aus der österreichischen Steiermark. Neben Ölen, Kernen, Saaten und Hülsenfrüchten bietet der Hersteller Proteinriegel und Proteinpulver pur sowie mit Geschmack, aber grundsätzlich ohne zugesetzten Zucker aus Kürbiskernen, Leinsamen, Hanfsamen und Sonnenblumenkernen von Bio-Landwirten aus Österreich. Der Genussmanufaktur zufolge sind die Pulver bereits bei Großhändler Dennree und ab Juni bei Kornkraft sowie Biogarten gelistet.

Machermarktplatz für den Bio-Nachwuchs

Auf dem kleinen Marktplatz am Eingang der Messe fanden sich auch auf der BioWest wieder einige Start-ups, die ihre Produkte an kleineren Ständen präsentieren konnten. Mit ihrem Label „Mal Mich Bunt“ bot Kathleen Prautzsch aus Dresden die einzigen Nonfood-Produkte auf dem Machermarktplatz. Bereits 2018 startete Prautzsch mit dem Verkauf von Ausmal-Tischdecken für Kinder. Seit letztem Jahr vertreibt sie zusätzlich vegane und dermatologisch getestete Kinder-Tattoos über ihren B2B-Shop an Bioläden, Unverpackt-Geschäfte und Reformhäuser. Bei der Verpackung verzichtet das junge Label dabei komplett auf Plastik.

Mit trinkbaren Bio-Mahlzeiten-Shakes unter dem Label „Trinkkost“ war das Unternehmen Unicorn Foods unter den Machern vertreten. Laut Geschäftsführer Stephan Hartjes ist der Drink besonders geeignet für Menschen, die viel unterwegs sind oder vor dem Sport keine schwere Nahrung zu sich nehmen wollen. Die Trinkmahlzeiten enthalten 26 Mineralstoffe und Vitamine, sind ohne Zuckerzusatz und machen dem Hersteller zufolge für rund vier Stunden statt. Vegane Shakes sind im Trinkkost-Portfolio nicht vertreten.

„Naschen ohne Reue“ sowie für Diabetiker geeignete Produkte verspricht das Label Elly Momberg. Auf der Messe vorgestellt wurden beispielsweise zwei verschiedene Keto-Granolas, die nicht wie gewohnt auf Getreideflocken basieren, sondern aus Kokosflocken, Nüssen und verschiedenen Saaten hergestellt werden. Als Süßungsmittel steht Erythrit auf der Zutatenliste. Das Sortiment des Labels reicht darüber hinaus von Pralinen, Schokoladen, Riegel und Aufstriche bis hinzu einem Elektrolyt-Drink.

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