Biohandel

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Branchen-Analyse 2022

Bioläden konnten ihre Handelsspanne halten

2022 musste der Naturkostfachhandel heftige Rückgänge verkraften: Die Läden verkauften ein Viertel weniger Ware als noch vor zwei Jahren. Doch es gab auch gute Entwicklungen.

Die vorläufigen Ergebnisse aus dem ContRate© Branchen-Betriebsvergleich 2022 zeigen: Die Umsätze sind im vergangenen Jahr zweistellig gefallen, die Handelsspanne konnte gehalten werden, und gleichzeitig sind die Gesamtkosten deutlich gestiegen. Diese Entwicklungen haben zur Folge, dass das umsatz­anteilige Betriebsergebnis im Vergleich zum Vorjahr um nahezu zwei Drittel gesunken ist und nur noch bei 2,6 Prozent liegt.

Die Detailanalyse des Betriebsvergleichs 2022 zeigt bei der vorläufigen Auswertung, dass die zweistelligen Umsatzzuwächse aus dem ersten Corona-Jahr, die in 2021 knapp gehalten werden konnten, mittlerweile wieder vollständig verloren gegangen sind: Das Absolutniveau der Umsätze lag branchenweit zu Ende 2022 um zwei Prozent unter dem aus 2019.

Da in den Zahlen von 2022 eine zweistellige Inflationsrate steckt, wird deutlich, dass der Naturkostfachhandel im vergangenen Jahr ein Viertel weniger Ware handelte als noch vor zwei Jahren. Der Umsatzrückgang 2022 von 12,3 Prozent wird zu gleichen Teilen verursacht von einem Sinken der durchschnittlichen Kaufsumme und einem weiteren Rückgang der Zahl an täglichen Kaufvorgängen.

Die Handelsspanne ist das Maß für den Anteil des Rohertrags am Umsatz, der dem Händler nach Abzug des Wareneinsatzes bleibt, um seine Handlungskosten zu decken, Darlehen zu tilgen und Gewinn zu erzielen. Die Warenbeschaffung und damit der Wareneinsatz stellen den weitaus größten Kostenblock im Lebensmittelhandel dar.

Die realisierte Handelsspanne liegt bei der vorläufigen Auswertung des Betriebsvergleichs 2022 bei 34,6 Prozent, was den Vergleichswert vom Vorjahr bestätigt. Dass dies erreicht werden konnte, ist eine respektable unternehmerische Leistung angesichts des veränderten Kaufverhaltens der Kundschaft, die im vergangenen Jahr verstärkt zu Handelsmarken, den Sortimentslinien im unteren Preisbereich und Aktionsartikeln gegriffen hat. All diese Produkte sind erfahrungsgemäß eher unterdurchschnittlich kalkuliert.

Der massive Nachfrageschub im Coronajahr kam für die Läden völlig unvermittelt, weshalb sie darauf zunächst nur mit der vorhandenen Logistik und Personalausstattung reagieren konnten. Da eine angemessene personelle Aufstockung kurzfristig nicht möglich war, wurde in vielen Betrieben mit Gehaltserhöhungen und Bonuszahlungen auf diesen Mehraufwand reagiert. Bereits 2021 trafen rückläufige Umsätze auf das erhöhte Personalkostenniveau – was sich 2022 massiv verstärkte.

Die infolge dieser Entwicklungen nötigen Einschnitte bei Personaleinsatz und Personalkosten wurden oft zögerlich angegangen, und zudem bestand angesichts zweistelliger Inflationsraten bei den Mitarbeitenden der Wunsch nach Lohnerhöhung. Wirtschaftlich hatte diese Konstellation zur Folge, dass die Personalkosten umsatzanteilig um zweieinhalb Prozentpunkte auf 19,6 Prozent stiegen.

Der Anteil der Gesamtkosten am Umsatz ist deutlich gestiegen auf 32 Prozent (2022: 27,9 Prozent). Auffällig sind die erheblichen Steigerungen bei den Ausgaben für Energie und den Mietnebenkosten. Der Raumkostenanteil ist damit um ein Prozent auf 5,1 Prozent gestiegen.

Die beschriebenen Entwicklungen haben zur Folge, dass die bisher ausgewerteten Teilnehmer im vergangenen Jahr im Durchschnitt ein erheblich schlechteres Betriebsergebnis erzielten im Vergleich zum Vorjahr; das realisierte Betriebsergebnis lag bei 2,6 Prozent. Der Cashflow halbierte sich und sank auf vier Prozent.

Es dürfte in nächster Zeit zu einer Marktbereinigung kommen. Um ihre Existenzberechtigung nicht zu verlieren, werden die inhabergeführten Bioläden Angebote entwickeln müssen, um eine Alleinstellung an ihrem Standort zu erreichen beziehungsweise zu behaupten. Diese Lösungen werden nur dann erfolgreich sein, wenn sie mit hoher Professionalität entwickelt und für den jeweiligen Standort maßgeschneidert sind.

Individuell werden sie, indem die Läden dabei Elemente einbeziehen wie die spezielle Historie, die lokale beziehungsweise regionale Kundenklientel und die persönlichen Kompetenzen der im Laden Tätigen. Wir meinen, dass der Naturkostfachhandel auf diesem Weg eine echte Chance hat auf eine erfolgreiche Phase in nächster Zeit, sofern die Verantwortlichen bereit sind, ihren Betrieb ein Stück weit neu zu erfinden.

Alle Ergebnisse auf einen Blick

Der Branchenreport Naturkost 2023 liefert fundierte Informationen für Entscheider. Mit dieser ausführlichen Darstellung der ContRate©-Betriebsvergleichsergebnisse werden in einer umfangreichen Mappe die entscheidenden Branchen-Kennzahlen zusammengefasst, basierend auf den anonymisierten und kumulierten Ergebnissen von über einhundert Betrieben, aufbereitet in Tabellen und Grafiken.

Bestellen können Sie den vollständigen Branchenreport bei der Kommunikationsberatung Klaus Braun, Bartholomäus-Weltz-Platz 4, 67346 Speyer, Tel 06232-651166, Fax 06232-651167, E-Mail info@braunklaus.de

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