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Bioläden steuern auf Vor-Corona-Umsatzniveau zu

Die Umsatzrückgänge der Naturkostläden haben sich zuletzt etwas abgeschwächt. Hält diese Entwicklung an, könnten die Geschäfte bis Jahresende wieder das Niveau von vor der Corona-Krise erreichen.

Die Umsatzentwicklung im Naturkostfachhandel glich zuletzt einer Achterbahnfahrt. Auf Steigerungsraten von bis zu sieben Prozent in den Jahren 2018 und 2019 und eine Verdoppelung des Umsatzwachstums im Verlauf der Corona-Pandemie 2020 folgte ein Abschwung von knapp 15 Prozent im ersten Halbjahr des aktuellen Jahres. Dass sich der Abwärtstrend in der zweiten Jahreshälfte abschwächen könnte, hatte bereits die Juni-Entwicklung mit „nur“ noch einem Minus von acht Prozent angedeutet. Und auch die Rückgänge im Juli und August weisen in diese Richtung.

War in den vergangenen Jahren für den gesamtdeutschen Naturkostfachhandel eine eher einheitliche Umsatzentwicklung festzustellen, werden regionale Differenzen inzwischen immer deutlicher: Der Westen marschiert weiterhin vorneweg, und im Süden wird die Entwicklung langsamer.

Eine Ursache dafür liegt darin, dass infolge des weiterhin zu beobachtenden Nord-Süd-Gefälles bei der Akzeptanz von Biolebensmitteln die Wettbewerbssituation für die Bio-Fachhändler im Süden durch einen immer enger werdenden Wettbewerb gekennzeichnet ist:

  • Einerseits bauen die Lebensmittelsupermärkte und Discounter ihre Bio-Angebote immer weiter aus und machen Bio zu einem zentralen Thema in ihrer Werbung.
  • Andererseits steigt der brancheninterne Wettbewerb durch die weiter anhaltende Expansion der Bio-Filialisten, was die Wachstumspotenziale der inhabergeführten Fachgeschäfte beschneidet.


Ob das durch die Corona-Pandemie und den Krieg in der Ukraine massiv veränderte Kaufverhalten der Verbraucherinnen und Verbraucher sich auch in regionalen Unterschieden bemerkbar macht, ist momentan noch eine offene Frage.

Im Corona-Jahr 2020 verbuchte der Südwesten (Nielsen 3a) mit 19 Prozent die stärksten Zuwächse; die Steigerungsraten der übrigen Regionen lagen seinerzeit zwischen 15 und 17 Prozent. Und es ist gerade auch der Südwesten, der – gemeinsam mit Bayern (Nielsen 4) – im Vorjahr und im ersten Halbjahr 2022 die stärksten Umsatzrückgänge aufweist und damit die Einschätzung bestärkt, dass mittlerweile alle Corona bedingten Zuwächse wieder verlorengegangen sind.

2021 gingen die Geschäfte in den beiden Regionen um vier Prozent zurück. Im 1. Halbjahr 2022 betrug das Minus 16,5 Prozent im Südwesten beziehungsweise minus 16 Prozent in Bayern. Ein wesentlicher Unterschied zwischen den beiden Regionen liegt in den unterschiedlichen Ausgangssituationen: In den drei Jahren vor 2021 hatte der Südwesten einen kumulierten Umsatzzuwachs von 35 Prozent realisiert, in Bayern waren es knapp 28 Prozent. In Baden-Württemberg (Nielsen 3b) schrumpfte der Umsatz 2021 um 2,6 Prozent und im 1. Halbjahr 2022 um 13,3 Prozent. 2018, 2019 und 2020 lag das Plus insgesamt bei 29,9 Prozent.

Der Westen (Nielsen 2) hatte mit einem Zuwachs in von insgesamt fast 40 Prozent in den Jahren 2018, 2019 und 2020 die beste Ausgangslage nach dem Corona-Jahr. Die dortigen Läden verbuchten im vergangenen Jahr nur leichte Umsatzrückgänge von minus 1,3 Prozent. Im 1. Halbjahr 2022 betrug das Minus etwa 13 Prozent.

Auch im Norden (Nielsen 1) war die Konstellation nach Corona überdurchschnittlich gut mit einem Dreijahresplus von 2018 bis 2020 von 34 Prozent. Nach einem Rückgang von minus 2,7 Prozent im vergangenen Jahr verzeichneten die Läden im ersten Halbjahr 2022 eine negative Umsatzentwicklung von 13,4 Prozent.

Der Osten (Nielsen Ost) mit Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt sowie Sachsen und Thüringen ist die einzige Region, die 2021 mit plus 0,8 Prozent eine positive Umsatzentwicklung erreichen konnte. Und auch die Entwicklung im ersten Halbjahr 2022 ist mit minus 13,5 Prozent besser als der Bundesdurchschnitt.

Fasst man die Geschäftsentwicklungen seit 2018 bis zum 1. Halbjahr 2022 zusammen und unterstellt, dass die Umsatzrückgänge im 2. Halbjahr (wenigstens) einstellig bleiben, dürfte das dazu führen, dass sich ein Großteil der Bioläden und Biomärkte am Jahresende auf dem Umsatzniveau von 2019 bewegen wird.

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