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Richtlinie für den Handel

Biokreis schließt Discounter als Mitglieder aus

Per Mitgliederbeschluss macht der Bio-Anbauverband eine Aufnahme von Discountern unmöglich. In der Eierproduktion wird die Bruderhahnaufzucht zur Pflicht.

10.03.2021 vonRedaktion

Per Mitgliederbeschluss macht der Bio-Anbauverband eine Aufnahme von Discountern unmöglich. In der Eierproduktion wird die Bruderhahnaufzucht zur Pflicht.

Die vom Biokreis verabschiedete Richtlinie für den Handel tritt ab dem kommenden Jahr in Kraft. Sie gilt für Unternehmen aus dem Lebensmitteleinzelhandel, Rohwaren- und Großhandel, die dem Bio-Anbauverband als Mitglied angehören wollen. Unter anderem legt die Richtlinie fest, dass Handelsmitglieder mindestens 20 Prozent ihres Umsatzes mit Bio-Produkten generieren müssen. Zudem müssen sie Maßnahmen zur Entwicklung nachhaltiger ökologischer Konzepte nachweisen und weiterentwickeln.

Discounter werden mit Einführung der Richtlinie von der Mitgliedschaft im Verband ausgeschlossen. Den Grundstein dafür legte die Mitgliederversammlung vor zwei Jahren mit dem sogenannten „Fachhandelsbeschluss“, mit dem der Verband bereits damals seine strategischen Partnerschaften auf den „Naturkostfachhandel und den qualifizierten Lebensmitteleinzelhandel“ beschränkt hat.

Im Juli 2020 übernahm Gottfried Erves im Biokreis den Vorstandsposten von Franz Strobl. Evers kündigte an, die Zusammenarbeit mit dem Naturkostfachhandel voranbringen zu wollen.

Bruderhähne statt In-Ovo-Selektion

Eine weitere Richtlinie verbietet ab sofort die In-Ovo-Selektion, die Geschlechterbestimmung im Ei. Für alle Biokreis-Mitglieder wird damit ab dem kommenden Jahr die ökologische Aufzucht von Bruderhähnen zur Pflicht. Bereits im November hatten sich Biokreis-Mitglieder und der Vorstand des dafür ausgesprochen.

Ab Januar 2022 soll das Töten männlicher Küken deutschlandweit per Gesetz verboten werden. Zwei Jahre später sollen dann auch Eingriffe an einem Hühnerei, die der Geschlechtsbestimmung dienen, ab dem siebten Bebrütungstag verboten werden. Das federführende Landwirtschaftsministerium begründet die Regelung damit, dass „Hühnerembryonen ab dem siebten Bebrütungstag Schmerz empfinden“.

Neben Biokreis lehnen auch die Bio-Anbauverbände Bioland, Demeter und Naturland die sogenannte In-Ovo-Selektion ab. Sie arbeiten aktuell ebenfalls daran, die Bruderhahnaufzucht verpflichtend in ihren Richtlinien zu verankern. Doch auch diese Methode ist nicht frei von Kritik.

Die Vebraucherschutzorganisation Foodwatch bemängelt, dass sich die Bruderhahnaufzucht wirtschaftlich nicht lohne, „weil die Hähne der auf extreme Legeleistung gezüchteten Rassen kaum Fleisch ansetzten und sehr viel Futter benötigten“. Als langfristige Lösung bevorzugen die Bio-Verbände den – auch von Foodwatch geforderten – Umstieg auf sogenannte Zweinutzungshühner, die sich sowohl für die Eier- als auch zur Fleischproduktion eignen. (kam)

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