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Regionalmesse

BioOst versprüht Optimismus

Zum Jahresauftakt der vier regionalen BioMessen gab es zwar kein Patentrezept dafür, wie der Naturkostfachhandel aus der Krise kommt. Die Veranstalter ziehen aber ein positives Fazit aus der BioOst.

Volle Gänge, lebhafte Gespräche: 240 Ausstellende und 1.680 Fachbesucher kamen vergangenen Sonntag zu BioOst auf das Messegelände in Leipzig. Man freue sich sehr „über diesen gelungen Jahresauftakt“, teilten die Veranstalter der BioMessen, Matthias Deppe und Wolfram Müller, mit. „Ein häufiges Feedback war, dass die Aussteller mit gedämpften Erwartungen an den Start gegangen waren und von der Resonanz sehr positiv überrascht wurden.“

Unter Ausstellern waren auch zahlreiche regionale Bio-Unternehmen, die den Messetag nutzten, um sich und ihre Sortimente zu präsentieren. Die BioOst bot aber nicht nur eine Bühne für neue Produkte und Sortimente für den Bio-Fachhandel, sondern auch eine Plattform für Austausch und Vernetzung.

„Wir streben im Öko-Landbau an, dass Angebot und Nachfrage gleichmäßig gut wachsen – in allen Schritten und über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg. In diesem Zusammenhang hat die BioOst in Leipzig eine wichtige Funktion“, sagte Sachsens Staatsminister für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft, Wolfram Günther. Alle wüssten, dass die Branche ein herausforderndes Jahr hinter sich habe. „Dennoch können wir feststellen: Die Nachfrage ist da. Und auf Seiten der Unternehmen sehe ich viele Ideen, nicht nur bei der Entwicklung von Produkten, sondern auch bei der Vermarktung. Ich nehme hier eine sehr positive Grundstimmung mit.“

Susanna Karawanskij, thüringische Ministerin für Infrastruktur und Landwirtschaft, machte darauf aufmerksam, dass es wichtig sei, ökologische Produktion regional und landesübergreifend zu denken. Schließlich gebe es gewachsene Strukturen in den ostdeutschen Ländern, die sich gut miteinander verknüpfen ließen. „Am Ende brauchen wir vor allem ausreichend Mittel, um den Ausbau des Ökolandbaus noch stärker zu unterstützen. Wir brauchen starke regionale Produktion und kurze Lieferketten. Damit sorgen wir vor allem für robuste Versorgungsstrukturen und wie wichtig das ist, hat uns die Corona-Pandemie gezeigt“, sagte Susanna Karawanskij.

„100 Prozent Bio reicht nicht mehr“

Wie sich der Bio-Fachhandel angesichts sinkender Umsätze und steigender Kosten aufstellen kann, um auch in Zukunft erfolgreich zu wirtschaften, war Thema einer Podiumsdiskussion unter dem Titel „Wege aus der Depression“. Karin Romeder, bei Naturland Zeichen zuständig für den Fachhandel, verwies auf den grundlegenden Unterschied zwischen Bio- und konventionellem Handel: „Der Bio-Fachhandel hat Bio in der DNA. Wir waren immer – und ich wünsche mir das auch für die Zukunft – die Speerspitze der Bio-Branche. Dazu gehört, aktiv die Themen herauszuspielen, die uns nach vorne bringen.“ Die aktuelle Krise sei zwar eine erhebliche, aber durchaus nicht die erste, die die Branche erlebe.

Auch Thomas Hölscher, Geschäftsführer des Großhandels Naturkost Erfurt, wies darauf hin, dass Veränderungen grundsätzlich unabdingbar seien, die aktuelle Krise aber nicht hausgemacht, sondern durch äußere Ereignisse verursacht sei. „Natürlich haben wir alle gerade nicht viel zu lachen, aber ich erlebe ein hohes Maß von Aktivität und Kreativität, so dass ich das Wort ,Depression‘ in diesem Zusammenhang nicht angemessen finde.“

Marisa Endrejat, Geschäftsführerin des jungen Unternehmens Elb-Ferment, lobte ebenfalls den Optimismus und Zusammenhalt. „Elb-Ferment gibt es seit vier Jahren und wir haben unseren Markteinstieg über den Bio-Fachhandel gefunden. Wir sind Überzeugungstäter und da war es einfach logisch, dass das unser Weg ist.“

Malte Reupert, Geschäftsführer des Bio-Filialisten Biomare, berichtete von seinen Erfahrungen im Schutzschirmverfahren und von dem bevorstehenden erfolgreichen Abschluss: „Man muss ehrlich in den Spiegel schauen und seine Hausaufgaben machen.“ Das sei schwierig und aufwändig, aber man habe es geschafft: „Ab Mai sind wir wieder ein ganz normales Unternehmen.“ Das sei auch dem Vertrauen von Lieferanten zu verdanken. Die gemeinsamen Werte, ein besonderes Miteinander, das sei ein Schatz, dessen man sich bewusst sein solle, so Malte Reupert. Allerdings, so seine Warnung: „Die Vergangenheit trägt uns nicht in die Zukunft. 100 Prozent Bio, das reicht nicht mehr.“

Am Ende der Diskussion gab es zwar keine Patentrezepte für den Bio-Fachhandel. Wohl aber einen Hauch von Optimismus, dass die Bio-Branche mit Resilienz und Kreativität auch diese Krise überstehen wird.

Am 16. April findet die BioWest in Düsseldorf statt, im Herbst folgen die BioSüd in Augsburg (10. September) und die BioNord am neuen Standort Hamburg (17. September).

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