Biohandel

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Biofach-Pressekonferenz

Bio-Umsätze sind 2023 gestiegen

Im vergangenen Jahr hat der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln wieder zugelegt. Den größten Anteil hält dabei der konventionelle Lebensmitteleinzelhandel. Damit Bio-Unternehmen den Umbau des Ernährungssystems weiter gestalten können, fordert der BÖLW eine entschlossene politische Rahmensetzung.

Nach der „Delle“ folgt die Erholung: Der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln in Deutschland ist im vergangenen Jahr um fünf Prozent auf 16,1 Milliarden Euro gestiegen. Im Vergleichsjahr 2022 wurde mit ökologisch erzeugten Lebensmitteln noch 3,5 Prozent weniger umgesetzt. Gleichzeitig legte die Landwirtschaftsfläche, die nach ökologischen Kriterien bewirtschaftet wird, um 4,3 Prozent auf insgesamt 1,94 Millionen Hektar zu. Das teilte der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) gemeinsam mit der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) zum Auftakt der viertägigen Branchenmesse Biofach / Vivaness am Dienstag in Nürnberg mit.

Dass die „Delle“, wie Diana Schaack von der AMI die Umsatzentwicklung 2022 beschrieben hatte, im vergangenen Jahr wieder geglättet wurde, liegt fast ausschließlich an den höheren Preisen, die Verbraucherinnen und Verbraucher im vergangenen Jahr für Lebensmittel ausgeben mussten. Der Mengenabsatz bei Bio sei im Vergleich zum Vorjahr weitestgehend gleich geblieben, so Schaack.

Die größten Umsatzzuwächse registrierte die AMI beim konventionellen Lebensmitteleinzelhandel, zu dem LEH-Ketten, Discounter und Drogeriemärkte gezählt werden. Hier betrug das Plus 7,2 Prozent. Schaack zufolge entwickelten sich die Discounter dabei deutlich besser als die Vollsortimenter. Der Naturkostfachhandel steuerte 0,2 Prozent zum Umsatzwachstum bei. In allen weiteren Absatzkanälen wie Bäckereien, Wochenmärkten und Versandhandel stieg der Umsatz mit Bio den AMI-Berechnungen zufolge um 1,8 Prozent.

Konventioneller Handel mit höchstem Umsatzanteil

Von den 16,1 Milliarden Euro Bio-Umsatz insgesamt, die 2023 zusammenkamen, steuerte der konventionelle Handel 10,8 Milliarden Euro bei. Der Naturkostfachhandel brachte es auf einen Umsatz von 3,15 Milliarden Euro. Rechnet man das Geschäft mit Non-Food-Artikeln hinzu, ergibt sich ein Umsatz von 3,8 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahr sank der Umsatzanteil, den der Naturkostfachhandel zum Bio-Geschäft beitrug von 20,5 auf 19,6 Prozent. Aldi, Rewe, DM und Co. bauten ihren Marktanteil im gleichen Zeitraum von 66,6 auf 67,3 Prozent aus.

BÖLW-Vorsitzende Tina Andres am Rednerpult

„Die Biobranche bleibt stabil, auch unter schwierigen Voraussetzungen“, kommentierte die BÖLW-Vorstandsvorsitzende Tina Andres die Entwicklung im vergangenen Jahr. Zwar habe sich das Bio-Einkaufsverhalten geändert, so Andres, aber insgesamt seien die Biokäufer Bio treu geblieben.

Ebenfalls positiv hat sich im vergangenen Jahr der Markt für Naturkosmetik entwickelt. Branchenexpertin Mirja Eckert registrierte ein Umsatzwachstum von zwei Prozent bei einer „nahezu gleichbleibenden Absatzentwicklung“ wie im Vorjahr. Hauptabsatzkanal für Naturkosmetik sind Eckert zufolge Drogeriemärkte. Der Biofachhandel und Reformhäuser verbuchten indes ein „leichtes einstelliges Minus“ bei leicht rückläufigem Absatz, so Eckert. Sie beobachtet, dass in Bioläden eher preisgünstige Marken punkten, während die Kundschaft im Reformwarenhandel eher zu höherpreisiger Naturkosmetik greift.

Wachstumskurs bei Trockenprodukten, Milchalternativen und Co

Trotz einer Gesamtinflationsrate von neun Prozent für Lebensmittel im Jahr 2023, zeigten Bio-Lebensmittel erneut eine bremsende Wirkung was Preissteigerungen betrifft. Sie waren nur um fünf Prozent teurer als im Jahr zuvor. Laut AMI-Berechnungen betrug die Teuerung bei konventioneller Ware im Vergleich dazu fast neun Prozent.

Starke Umsatzzuwächse im zweistelligen Bereich erzielten im vergangenen Jahr einige Trockenprodukte wie verpackte Backwaren, Süßwaren, aber auch Tiefkühlkost, Brotaufstriche, Feinkost und gekühlte Feinkost. Ein weiteres Jahr infolge gehörten auch Milchalternativen mit einem Plus von 15 Prozent zu den Publikumslieblingen.

Bei Bio-Frischeprodukten verzeichneten Käse und Wurst – vor allem verpackte – einen Anstieg der Verkaufsmengen von sechs beziehungsweise fünf Prozent. Grund dafür sind dem BÖLW zufolge vor allem Neulistungen in Discountern. Der Anteil der Handelsmarken lag 2023 bei 56 Prozent des Bio-Umsatzes, 2022 waren es noch 52 Prozent.

Die wichtigsten Entwicklungen 2023 im Überblick

  • Umsatz mit Bio-Lebensmitteln: 16,1 Milliarden Euro (+5 Prozent)
  • Bio-Landwirtschaftsfläche: 1.940.301 Hektar (+4,3 Prozent)
  • Anteil Ökoflächen an gesamter Landwirtschaftsfläche: 11,8 Prozent
  • Anzahl EU-Bio-Betriebe: 16.984
  • Anzahl Verbandsbetriebe: 19.552 – Bis auf Naturland (+2,8 Prozent) haben alle großen Bio-Anbauverbände 2023 Betriebe verloren (Biokreis: -5,2 / Bioland: -0,7 /Demeter: -2,5 Prozent)
  • Fläche EU-Bio: 706.279 Hektar
  • Fläche Verbände: 1.234.022 Hektar – Verbandsflächen entwickeln sich stärker als solche für EU-Bio, weil auch die großen Supermarktbetreiber immer stärker Verbands-Bio nachfragen
  • Pro-Kopf-Ausgaben für Bio-Lebensmittel in Deutschland: 184 Euro. Zum Vergleich: Schweiz (441 Euro), Dänemark (369 Euro) und Österreich (287 Euro)

Quelle: BÖLW

Tina Andres nutzte die Vorstellungen der Bio-Zahlen für einen erneuten Appell an die Politik. „Nur mit deutlich mehr Bio kann Politik gemeinsam mit Wirtschaft sowie Verbraucherinnen und Verbrauchern unser Ernährungssystem zukunftsfest machen. Die Zeit drängt: Um Artensterben und Klimawandel zu bewältigen und unsere Lebensmittelproduktion dauerhaft sicher zu machen, brauchen wir jetzt mehr Tempo bei der ökologischen Transformation“, so Andres.

Als weitere Maßnahmen, Bio hinsichtlich der Strategie des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) zu stärken, fordert ihr BÖLW-Kollege Peter Röhrig, Bürokratie bei der Agrarförderung abzubauen, den Umbau der Tierhaltung weiter voranzutreiben, die Bio-Züchtung zu stärken und 30 Prozent der Forschungsmittel für Öko-Forschung bereitzustellen.

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