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Bonzahlen

Bio-Kunden kauften 2020 seltener ein, dafür deutlich mehr

Weniger Kunden im Laden, dafür mehr Artikel im Einkaufswagen: Die Corona-Pandemie verstärkt den Trend zum One-Stop-Shopping und sorgt bei Fachhändlern für höhere Umsätze pro Einkauf.

15.02.2021 vonNatascha Becker

Einmal hin, alles drin: Bio-Supermärkte profitierten 2020 besonders vom One-Stop-Shopping-Trend.

Weniger Kunden im Laden, dafür mehr Artikel im Einkaufswagen: Die Corona-Pandemie verstärkt den Trend zum One-Stop-Shopping und sorgt bei Fachhändlern für höhere Umsätze pro Einkauf.

Gelegenheitseinkäufe werden durch den großen Wochenendeinkauf ersetzt. So lässt sich das Kundenverhalten in Pandemie-Zeiten zusammenfassen. Was im Frühjahr mit Ausbruch des Corona-Virus begann, setzte sich das ganze Jahr hindurch fort und führte auch im zweiten Halbjahr 2020 zu „enormen Bonwerten“, so Fabian Ganz von bioVista.

Maskenpflicht, Angst vor Ansteckung, teilweise eingeschränkte Öffnungszeiten infolge regionaler Ausgangssperren – all das führte dazu, dass die Kunden seltener in die Läden kamen, dafür aber viel mehr Artikel einkauften.

Hier waren besonders die Bio-Supermärkte ab 400 Quadratmetern im Vorteil, die mit ihrem Sortiment dem Wunsch nach One-Stop-Shopping am meisten entsprechen. Bereits im vergangenen Jahr hatten sie sich in Bezug auf Kundenfrequenz und Bonwerte sehr gut entwickelt und konnten letztere um 0,32 Euro gegenüber 2018 steigern.

Bonwert-Anstieg bei Supermärkten am höchsten

Im zweiten Halbjahr 2020 nun legten die Werte der Bons bei den Bio-Supermärkten um satte 4,01 Euro zu, das entspricht 23,9 Prozent und bedeutet den höchsten Anstieg unter den Betriebsformen – bei einem durch- schnittlichen Rückgang in der Kundenfrequenz um fast elf Prozent.

Ebenfalls sehr krätig zulegen konnten die Bio- Fachmärkte (200 bis 399 Quadratmeter), die ihre Bonwerte um 23,4 Prozent steigerten, obwohl auch bei ihnen im Schnitt elf Prozent weniger Kundschaft im Laden anzutreffen war.

Naturkost-Fachgeschäfte mit geringstem Zuwachs

Um ebenfalls beachtliche 19,2 Prozent stiegen die Bonwerte bei den kleinen Naturkostläden bis 99 Quadratmeter – auch bei ihnen ging die Anzahl der Kunden um fast elf Prozent zurück.

Deutlich weniger ließ die Kundenfrequenz bei den Naturkost-Fachgeschäften (100 bis 199 Quadratmeter) nach: bioVista verzeichnet bei ihnen einen Rückgang um lediglich 4,3 Prozent. Dafür ist hier auch der Anstieg der Bonwerte mit immerhin noch 16,6 Prozent am geringsten.

Der Fachhandel insgesamt verzeichnete einen Anstieg um 3,90 Euro gegenüber 2019, im Schnitt landete ein Artikel mehr im Einkaufswagen der Kunden. Diese ließen sich hingegen seltener in den Läden blicken: Waren es 2019 noch 378 Kunden am Tag, wurden im Pandemie-Jahr durchschnittlich nur noch 340 Kunden gezählt.

Trend zum Wocheneinkauf wird erstmal noch anhalten

Wie lange der Trend zum großen Wocheneinkauf anhalten wird, lässt sich nicht absehen. Für Fabian Ganz steht aber fest, dass sich das Einkaufsverhalten der Kunden in den ersten Monaten dieses Jahres nicht ändern wird. Erst, wenn durch weitreichende Impfungen und wärmeres Wetter auch die Infektionszahlen deutlich sinken und damit die Corona-Regelungen gelockert werden können, werden sich seiner Meinung nach die Gewohnheiten wieder ändern. Denn: „Die Leute wollen raus“.

Und Ganz betont: „Die Leute kaufen trotz Krise weiterhin im Fachhandel ein – obwohl die Krise ja auch eine wirtschaftliche ist.“ Die Gründe dafür liegen vermutlich zum einen in den geschlossenen Restaurants. Zum anderen müssen viele Menschen den Kochlöffel in der Pandemie häufiger selbst schwingen – Homeoffice und Homeschooling sei Dank.

Auch, dass der Online-Handel für Lebensmittel noch nicht flächendeckend ausgereift und etabliert ist, spielte dem stationären Fachhandel sicherlich in die Karten. Wie lange das allerdings noch so sein wird, bleibt abzuwarten.Im zweiten Halbjahr 2020 stieg der durchschnittliche Bonwert im Naturkostfachhandel um rund 23 Prozent auf 21,05 Euro im Vergleich zur zweiten Jahreshälfte 2019.

Diesen Artikel inklusive Infografiken mit den Zahlen im Detail können Print- und Kombi-Abonnenten in der März-Ausgabe des gedruckten BioHandel lesen.

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