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Verbraucherumfrage

Bio-Kunden akzeptieren nicht jeden Preis

Einer Studie zufolge gibt es nur noch wenige Bio-Verweigerer und eine bessere Zahlungsbereitschaft für Bio-Produkten. Aber auch beim Kauf ökologisch produzierter Lebensmittel haben Verbraucher Preis-Obergrenzen.

08.02.2021 vonHorst Fiedler

Kundin vor einem Milchregal: Die Hälfte der Verbraucher ist bereit, für Bio-Milch deutlich mehr zu bezahlen als für konventionell hergestellte.

Einer Studie zufolge gibt es nur noch wenige Bio-Verweigerer und eine bessere Zahlungsbereitschaft für Bio-Produkten. Aber auch beim Kauf ökologisch produzierter Lebensmittel haben Verbraucher Preis-Obergrenzen.

Die Zahl der Bundesbürger, die nach eigener Einschätzung mehr Biolebensmittel als konventionelle Produkte in ihren Einkaufskorb legen, ist in den vergangenen drei Jahren von 14 auf 25 Prozent gestiegen. Zu diesem Ergebnis kommt die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Price Waterhouse Coopers (PWC) in einer Umfrage.

Das Unternehmen hatte bereits im Jahr 2017 Verbraucher zu ihrem Bio-Konsum interviewt. Der Anteil der Bio-Verweigerer hat sich demnach inzwischen halbiert: Nur noch jeder Zehnte kauft der aktuellen Umfrage zufolge gar keine Bio-Produkte.

Günstiger Preis als Kaufargument verliert an Zugkraft

Für knapp die Hälfte der Befragten spricht der meist günstigere Preis für den Kauf konventioneller Produkte. 2017 waren es noch 63 Prozent, die das Preisargument anführten. Für die andere Hälfte der Käufer besteht demnach grundsätzlich die Bereitschaft, für Bio mehr zu zahlen als für vergleichbare konventionelle Ware. Doch die Höhe der „Zuzahlung“ hat Grenzen, wie die Studie anhand konkreter Produkte herausfand:

Milch: Die Hälfte der Verbraucher ist bereit, für Bio-Milch im Schnitt 61 Prozent mehr zu bezahlen – maximal 1,45 Euro pro Liter bei einem Preis von 90 Cent für konventionelle Milch. Dass bei Milch Handelsmarken hoch im Kurs sind, wurde bei der Wahlmöglichkeit unter verschiedenen Preisklassen deutlich: Konventionelle Handelsmarkenmilch für 69 Cent pro Liter wählten 34 Prozent der Befragten, Handelsmarkenmilch in Bio-Qualität für 99 Cent 41 Prozent. Konventionelle Markenprodukte (1,19 Euro/Liter) wurden von 10 Prozent gewählt, Bio-Markenprodukte (1,49 Euro/Liter) von 15 Prozent.

Kaffee: Auch beim Kaffee gibt es Preisgrenzen. Hier würde nur ein Drittel für ein Bio-Produkt mehr bezahlen, wenn zwischen einem konventionellen Kaffee für 4,90 Euro pro 500 Gramm und einem Bio-Kaffee für 8,98 Euro gewählt werden müsste. Bis zu einer Grenze von maximal 6,94 Euro pro 500 Gramm besteht die Bereitschaft, einen Bio-Kaffee zu kaufen. Das sind rund 42 Prozent mehr als für einen konventionellen Kaffee.

Hähnchenbrustfilet: Ebenfalls 42 Prozent mehr würden die Befragten für 250 Gramm Bio-Hähnchenbrustfilet zahlen, das konventionell hergestellt 2,75 Euro kostet. Das sind 3,91 Euro, die jedoch nicht annähernd an den tatsächlichen Marktpreis von 7,35 Euro pro 250 Gramm Bio-Hähnchenbrustfilet heranreichen. Nur jeder Fünfte würde laut Studie zu dem deutlich teureren Bio-Produkt greifen.

Güte-Siegel wichtig für die Kaufentscheidung

Für 65 Prozent der Befragten sind Gütesiegel „sehr wichtig“ oder „wichtig“. Bei der Befragung im Jahr 2017 sprachen sich bereits 62 Prozent dafür aus. Bei der konkreten Frage, ob Gütesiegel wichtig für die Kaufentscheidung seien, bejahten dies 59 Prozent, 2017 waren es nur 47 Prozent. Gleichzeitig ist das Vertrauen in Bio-Siegel im gleichen Zeitraum stark gestiegen: Waren es 2017 nur 44 Prozent, die dem Siegel vertrauten, sind es heute 55 Prozent.

In der Befragung wurde außerdem erhoben, ob ein Online-Kauf von Bio-Produkten infrage komme. Sieben Prozent der Befragten gaben an, schon einmal Bio online gekauft zu haben, elf Prozent antworteten mit „ja, auf jeden Fall“, 30 Prozent meinten „vielleicht“. Vor allem für Personen unter 35 Jahren und Familien mit Kindern ist die Online-Bestellung ein Thema.

Insgesamt wird aber die Aussage, dass in den stationären Geschäften die Auswahl an Bioprodukten mittlerweile so groß sei, dass es keinen Online-Versand brauche, von 75 Prozent der Befragten unterstrichen. Befürchtet werden zudem Qualitätseinbußen (69%) und Umweltbelastungen (68%) durch den Online-Versand.

Sämtliche Ergebnisse der PWC-Verbraucherumfrage können auf der Webseite des Unternehmens abgerufen werden.

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