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Vollkornbäckerei

Bio Kaiser kündigt neue Ära an

Mehr Individualität, weniger Ketten-Image: Die Eröffnung der 18. Filiale ist für Bio Kaiser der Startschuss für Veränderungen. Geplant sind Kooperationsläden, individuelle Filialen und mehr Freiheiten für die Mitarbeiter.

20.08.2020 vonMichael Stahl

Bio-Kaiser-Filiale in Frankfurt-Riedberg: „Das Wort ,Bäckereikette‘ ehrt keinen Bäcker“, sagt Geschäftsführer Volker Schmidt-Sköries.

Mehr Individualität, weniger Ketten-Image: Die Eröffnung der 18. Filiale ist für Bio Kaiser der Startschuss für Veränderungen. Geplant sind Kooperationsläden, individuelle Filialen und mehr Freiheiten für die Mitarbeiter.

Auf der obersten Stufe zum neuesten Bio Kaiser im Frankfurter Stadtteil Riedberg liegt ein großer, schwerer Naturstein. Als „Stein des Anstoßes“ bezeichnete ihn Volker Schmidt-Sköries, Chef des Bio-Bäckers bei der offiziellen Eröffnung der Filiale Mitte August. Es ist die Nummer 18 im Rhein-Main-Gebiet. 20 sollen es dort insgesamt werden, sagt Schmidt-Sköries. Gleichzeitig will der Geschäftsführer künftig einige Dinge anders machen.

„Mit dem neuen Laden beginnt eine neue Ära“, kündigte Schmidt-Sköries an. Die Welt von Bio Kaiser soll demokratischer werden und die Mitarbeiter mehr Gelegenheit bekommen, sich selbst zu verwirklichen. Weniger Ketten-Image und mehr Charakter ist das Ziel.

Neben geplanten Kooperationsläden mit anderen Bio-Bäckern sollen die Verkäuferinnen und Verkäufer ihre Filialen künftig stärker eigenverantwortlich führen. Darüber hinaus werden alle Läden im Rhein-Main-Gebiet durch Künstler aus der Region rückwirkend individuell gestaltet, so Schmidt-Sköries. „Das Wort ,Bäckereikette‘ ehrt keinen Bäcker“, sagt er. Bio Kaiser wolle die Menschen mit seinen Läden entzücken.

Wie das aussehen soll, können die Gäste nun seit kurzem in der neuesten Filiale sehen, die vom Frankfurter Künstler Daniel Hartlaub gestaltet wurde. „Himmel und Erde“ lautet das Motto, das sich in großflächigen Motiven über Wände und Decken erstreckt. Gemeinsam mit Hartlaub entstand nicht nur die Idee, sämtliche Filialen neu zu gestalten. Aus der Zusammenarbeit heraus entstand außerdem die Idee eines „bedingungslosen Kunstauskommens“, wie Schmidt-Sköries es nennt. Der Unternehmer will Künstler aus der Region, die durch die Coronakrise in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten sind, für ein bis drei Jahre finanziell unterstützen.

Auch in Zukunft sollen bei dem Vollkornbäcker, der rund 300 Mitarbeiter beschäftigt, Gemeinsinn und wirtschaftlicher Erfolg im Einklang stehen. Dazu gehört auch der Einstieg der GLS Treuhand im Juli, mit dem verhindert werden soll, dass das Unternehmen einmal meistbietend verkauft wird und damit dauerhaft seinen Wurzeln treu bleiben kann.

Mitarbeiter und Getreidebauern werden in guten Jahren am wirtschaftlichen Erfolg beteiligt. Für das vergangene Jahr erhielten sie 600.000 Euro. Was danach künftig als ausschüttungsfähiger Gewinn zur Verfügung steht, soll zu einem Drittel in die sozialen, ökologischen und anderen gemeinnützigen Projekte der GLS Treuhand gehen.

Im vergangenen Jahr erzielte Bio Kaiser laut Schmidt-Sköries mit 1,5 Millionen Euro seinen bisher höchsten Gewinn. Der Umsatz kletterte auf 18,6 Millionen Euro. Im Februar 2020 und rückwirkend auf die vergangenen anderthalb Jahre habe der Umsatzzuwachs bei 25 Prozent gelegen.

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