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Bio in Spanien

Mit Normen gegen Kunstdünger

Die Meldungen über Kunstdüngereinsatz bei spanischem Bio-Gemüse haben eine Reaktion hervorgerufen. CAAE, die größte spanische Kontrollstelle, will für Bio-Gartenbaubetriebe nur noch Dünger genehmigen, die einer spanischen Norm genügen. Doch reicht das?

31.03.2020 vonLeo Frühschütz

CAAE teilte mit, sie werde „keine andere Zertifizierung von organischen Düngemitteln akzeptieren als die öffentliche und akkreditierte spanische UNE-Norm“. Damit wolle man den spanischen Bio-Sektor transparenter und sicherer machen. Die Landwirte hätten 2020 noch Zeit, sich darauf einzustellen. Ab Anfang 2021 würden die CAAE-Zertifizierer nur noch organische Düngemittel akzeptieren, die nach UNE-Norm zertifiziert sind.

„Detailierte Anweisungen sind Fortschritt“

UNE ist die offizielle spanische Normungsorganisation, vergleichbar mit DIN in Deutschland. Für Bio-Betriebmittel gibt es drei UNE-Normen, von denen eine Düngemittel betrifft. Bio-markt.info hat Albrecht Benzing, Geschäftsführer der international tätigen deutschen Öko-Kontrollstelle CERES gebeten, diese Norm zu bewerten. Benzing hatte bereits vergangenen November in der taz den laschen Umgang spanischer Kontrollstellen mit Düngemitteln kritisiert. Er sieht in der Festlegung auf die UNE-Norm einen Fortschritt „weil es hier sehr detaillierte Anweisungen gibt“. Allerdings hat er auch entscheidende Einwände: „Ich habe in dem 40 Seiten langen Standard kein einziges Wort gefunden zur Plausibilität von Nährstoffkonzentrationen“.

Mit zulässigen organischen Düngern lassen sich zum Beispiel nur bestimmte Stickstoffkonzentrationen erreichen. Werte die darüber liegen sind ein klarer Beleg dafür, dass dem Düngemittel Kunstdünger zugefügt wurde. „Wenn man das nicht auf dem Schirm hat, nützt der schönste Standard nichts“, warnt Benzing und befürchtet, dass es weiter zu Betrügerein kommt, „wenn auch jetzt mit noch schöneren Zertifikaten.“

„Konventionelle Betriebsmittel werden einfach substituiert“

Eine weitere Kritik Benzings: Im Biolandbau erlaubtes Rohphosphat ist kaum wasserlöslich. Enthält ein flüssiges Düngemittel Phosphat, kommt dieses höchstwahrscheinlich aus wasserlöslichem Kunstdünger. Doch in dem UNE-Standard fehle der Hinweis, dass bestimmte Dünger eigentlich nicht in flüssiger Form vorliegen dürfen, schreibt Benzing. Er hat auch einen grundsätzlichen Einwand: „Der wichtigste Grundsatz, dass Düngung im ökologischen Landbau eigentlich über eigene Tierhaltung, Kompostierung, Gründüngung und Fruchtfolge erfolgen muss, und alles andere nur Zusätze sein dürfen, fällt komplett weg“. Der Standard passe in „das vielerorts zunehmend zu beobachtende Verständnis von ökologischem Landbau, bei dem einfach konventionelle Betriebsmittel durch andere substituiert werden“.

Pressemitteilung CAAE

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