Wissen. Was die Branche bewegt
Bio im Test

Proteinshakes sind „überflüssig und ungesund“

Proteinshakes für die Muckis braucht kein Mensch, meint die Stiftung Warentest. Und wenn schon, dann sollten sie zumindest frei von Schadstoffen sein. Für drei Bio-Proteinpulver traf das nicht zu.

30.03.2020 vonLeo Frühschütz

Das Sportlerheld Proteinpulver von Bio-Planète, das Sport Premium Protein 78 pur von Raab Vitalfood und der Vegan High Protein Shake von Pur Ya! haben eines gemeinsam: „Diese Pulver sind deutlich bis stark mit Schadstoffen belastet“, schreibt die Stiftung Warentest. „Ein akutes Risiko stellen die Befunde nicht dar, aber sie wären vermeidbar.“ Deshalb kommen die Tester zu dem Schluss, diese Produkte seien „für niemanden empfehlenswert“.

Im Proteinpulver von Bio Planète fand das Labor 265 Mikrogramm Nickel in einer Portion. Ein 60 Kilogramm schwerer Erwachsener würde mit einem Shake täglich die maximal tolerierbare Aufnahmemenge von 2,8 Mikrogramm Nickel je Kilogramm Körpergewicht überschreiten, rechnet die Stiftung vor und fügt hinzu: „Zuviel Nickel hat sich im Tierversuch als fortpflanzungsschädigend erwiesen.“

Bei Raabvitalfood enthält laut Stiftung eine Portion vier Milligramm Aluminium, womit die tolerierbare Aufnahmemenge bei täglichem Verzehr zu mehr als einem Viertel ausgeschöpft wäre. Zudem bemängelten die Tester „hohe Gehalte“ an gesättigten Mineralölkohlenwasserstoffen (MOSH).

Im Pulver von Pur Ya! fand das Labor „sehr hohe“ Gehalte an MOSH. Außerdem schmeckte das Pulver ranzig, was ihm auch bei Sensorik ein „mangelhaft“ eintrug.

Das konventionelle Pulver der Drogeriekette Rossmann enthielt den Fettschadstoff 3-MCPD.

Abgesehen von diesen vier Produkten hatten die Tester an den sonstigen konventionellen Pulvern wenig zu bemängeln, nur ein paar Deklarationsfehler und falsch bezeichnete Aromen. „Die Qualität vieler Pulver ist nicht schecht, doch kaum jemand braucht sie, nicht mal Leistungssportler“, lautete das Fazit. Belegt wurde dies durch Aussagen des Ernährungsforschers Helmut Heseker von der Uni Paderborn. Ihm zufolge nehmen die meisten Menschen schon mit der normalen Nahrung mehr Eiweiß zu sich als sie brauchen.

Bio Planète: Produzieren Sporthelden nicht mehr

Bei Bio Planète wundern sie sich über die Stiftung Warentest. „Denn dem Magazin ist bekannt, dass der Bio Planète Sportlerheld bereits seit Dezember 2019 nicht mehr produziert wird und dementsprechend auch nicht mehr erhältlich ist“, schreibt das Unternehmen. Eingestellt habe man den Vertrieb des Pulvers aus Kapazitätsgründen. Wegen der „sehr positiven Entwicklung der Absätze unserer Bio Planète Öle“ sei die Entscheidung gefallen, „uns künftig voll auf unser Kerngeschäft konzentrieren zu wollen“.

Zu den Nickelnachweisen schreibt Bio Planète: „Nickel ist allerdings kein Schadstoff, ganz im Gegenteil erfüllt dieser Mineralstoff wichtige Funktionen in unserem Körper. Es gibt darüber hinaus keine gesetzlich festgelegten Höchstgrenzen für die Nickelaufnahme. Der Sportlerheld kann bedenkenlos verzehrt werden.“

Raab Vitalfood: Mineralöl ist ubiquitär

„Mineralöle sind ubiquitäre Umweltkontaminanten“ schreibt Raab Vitalfood. Für sie existierten keine gesetzlichen Grenzwerte sondern lediglich eine von der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA errechnete tolerierbare tägliche Aufnahmemenge für MOSH von 12 mg pro kg Körpergewicht. Diesen Wert würde ein 60 Kilogramm schwerer Mensch bei einer Portion des Pulvers zu gerade einmal 0,05 Prozent ausschöpfen. „Welche Werte die Stiftung Warentest als Bewertungsschlüssel zu Grunde legt ist uns leider nicht bekannt“, schreibt Raab Vitalfood und fügt hinzu: „In diesem Bereich kann man allenfalls von geringsten Spuren sprechen.“

Zur bemängelten Gehalt an Aluminium schreibt das Unternehmen, dass Aluminium das häufigste Metall der Erdkruste und damit auch natürlicherweise Bestandteil aller Böden sei. „Es kann deshalb nicht gänzlich vermieden werden, dass pflanzliche Produkte (wie z.B. auch Kakao oder Kaffee) gewisse Mengen an Aluminium enthalten“. Die Diskussion um die hohe Aluiminiumbelastung sei bekannt. Aber es sollte nicht darum gehen, „Lebensmittel mit einem nicht vermeidbaren, natürlichen Gehalt an Aluminium noch strenger zu beurteilen, sondern darum eine zusätzliche Aufnahme, beispielsweise über Bedarfsgegenstände und Kosmetika, zu vermeiden“.

Kommentare

Schlagwörter

Das könnte Sie auch interessieren

Ähnliche Beiträge