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Bio im Test: Mal wieder Reis in der Luft zerrissen

Ökotest hat einmal mehr nach Arsen im Reis gesucht und es auch gefunden. Alles unter den amtlichen Grenzwerten, aber dennoch gab es dunkelrot. Gleiches gilt für Mate-Tee aus Südamerika.
26.01.2017
Ökotest hat einmal mehr nach Arsen im Reis gesucht und es auch gefunden. Alles unter den amtlichen Grenzwerten, aber dennoch gab es dunkelrot. Gleiches gilt für Mate-Tee aus Südamerika.

Ökotest hat einmal mehr nach Arsen im Reis gesucht und es auch gefunden. Alles unter den amtlichen Grenzwerten, dennoch gab es dunkelrot. Gleiches gilt für Mate-Tee aus Südamerika. Die meisten Produkte waren nach Meinung der Tester „nicht verkehrsfähig“ – auch solche aus Bio-Anbau.

Reis

8 Bio-Reis, 13 konventionelle Produkte

Daverts Echter Basmati schnitt „gut“ ab, Dennree Langkornreis erhielt ein „befriedigend.“ Der Basmatireis von Gepa bekam ein „ausreichend“, während der Langkornreis von Rapunzel und Basic von Ökotest mit „mangelhaft“ und der von Alnatura mit „ungenügend“ bewertet wurden. Die Gründe für die Abwertung sind die altbekannten: Arsen, Mineralöl und ein wenig Cadmium.

Reis reichert Schwermetalle an, die im Boden oder im Wasser vorkommen, insbesondere Arsen und Cadmium. Die Schwermetalle lagern sich vorwiegend in der Schale ab, weswegen Vollkornreis nicht nur mehr Mineralstoffe enthält, sondern eben auch mehr Schwermetallspuren. Von den getesteten Vollkornreisen (bio und konventionell) schnitt deshalb keiner besser als „befriedigend“ ab, während es bei den anderen Reisarten (Basmati und parbpoiled) zumindest fünf „gr��ne“ Produkte gab, darunter das von Davert.

Seit Anfang 2016 gelten für Reisprodukte die in der EU-Verordnung 2015/1006 festgelegten Arsengrenzwerte. Reis darf seither nicht mehr als 200 Mikrogramm je Kilogramm (µg/kg) an anorganischem Arsen enthalten, für parboiled Reis sind es 250 µg/kg. Diesen amtlichen Grenzwert halten alle Bio-Produkte ein. Ökotest jedoch wertet um zwei Stufen ab, wenn der Arsengehalt zwischen 100 und 200 µg/kg liegt. Eine Note schlechter gibt es bereits ab 50 µg/kg.

Reis ist übrigens nicht die wichtigste Aufnahmequelle für Arsen stellte das Bundesinstitut für Risikobewertung im Juni 2015 fest. Das meiste anorganische Arsen werde über andere Lebensmittel aufgenommen wird, die zwar niedriger belastet seien, aber häufiger verzehrt würden, etwa Milch, Weizen oder Trinkwasser.

Cadmium fand das Labor in „erhöhter“ Mengen im Langkornreis von Basic und Alnatura. Der Gehalt lag in den beiden Fällen zwischen 50 und 100 Prozent des Grenzwertes von 200 µg/kg und führte zu zwei Stufen Abwertung.

„Erhöhte“ Gehalte langkettiger Mineralölkohlenwasserstoffe (MOSH) wiesen die Produkte von Basic, Davert und Gepa auf, “stark erhöht“ waren die MOSH bei Alnatura. Dabei definierte Ökotest bereits Gehalte von 2 bis 4 Miligramm je Kilogramm (mg/kg) als stark erhöht und wertete um zwei Stufen ab. Aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH) fanden sich bei Rapunzel, Alnatura und Gepa, wobei bereits der rein qualitative Nachweis für eine Abwertung um zwei Noten reichte. Konkrete Gehalte nannte Ökotest nicht.

Alnatura weist auf seiner Webseite darauf hin, dass der Langkornreis „die strengen gesetzlichen Höchstgehalte für Arsen“ deutlich unterschreite.Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sieht Lebensmittel als gesundheitlich sicher an, bei denen die Höchstgehalte eingehalten sind. Dennoch hat Ökotest hier eigene Bewertungsmaßstäbe angesetzt und für uns nicht nachvollziehbar abgewertet.“ Bei MOSH und MOAH verweist Alnatura darauf, dass der Herstellerpartner im Verarbeitungsprozess auf mineralölhaltige Schmierstoffe verzichte und die Verpackungsfolie mit mineralölfreien Farben bedruckt sei. Mögliche Eintragswege könnten Einträge aus der Umwelt oder die Verwendung von Jutesäcken beim Transport sein.

Rapunzel geht Ökotest auf seiner Webseite direkt an:Diese Abwertung seitens Öko-Test ist für uns inakzeptabel! Uns wundert es immer mehr, welche Stilblüten der zunehmende Wettbewerb um Auflagen und Anteile am Zeitschriftenmarkt mit sich bringt“, schreibt Rapunzel-Geschäftsführer Andreas Wenning und argumentiert ebenfalls, dass die bemängelte Arsenbelastung weit unter dem Grenzwert liege: „Legt man den von Ökotest ermittelten Wert zugrunde, könnte ein Erwachsener nach Empfehlung der EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) ein Leben lang täglich 1,16 kg Reis (ungekocht) zu sich nehmen ohne Auswirkungen auf die Gesundheit.“

Matetee

7 Bio-Mate, 7 konventionelle Produkte

Der Mate von Oasis ist mit „sehr gut“ das einzig empfehlenswerte Produkt. Zwölf Matetees bekamen die Note „ungenügend“, zehn davon stufte Ökotest sogar als „nicht verkehrsfähig“ ein - darunter auch vier Bio-Mate.

Der Grund für die krasse Abwertung ist der Schadstoff Anthrachinon. Die Substanz war bis 2009 in der EU als Pestizid zugelassen, löst im Tierversuch Krebs aus und wird von der WHO deshalb als mögliches Kanzerogen eingestuft. Anthrachinon kann auch bei unvollständigen Verbrennungen entstehen und ist vermutlich auf diesem Weg in die Tees gelangt, denn die Mateblätter werden gedarrt und teilweise sogar aus geschmacklichen Gründen geräuchert. Ungeräucherter, grüner Mate wie der von Oasis, weist deshalb die geringsten Belastungen auf.

Für Anthrachinon gilt eine gesetzliche Rückstandshöchstmenge von 0,02 mg/kg. „Trotz der Miteinberechnung einer Messtoleranz von 50 Prozent“ überschritten laut Ökotest zehn Matetees diesen Wert und wurden deshalb als nicht verkehrsfähig bewertet.

Von den sechs „ungenügenden“ Bio-Produkten lagen Salus und Kraus Organic über dem Höchstgehalt, aber noch innerhalb der Toleranzgernze. Überschritten hatten diese die Matetees von Amanda, El Puente, Sonnentor und Tee Gschwendtner. Bei Sonnentor und El Puente ist angemerkt, dass laut Anbietergutachten in der Charge weniger Anthrachinon gefunden wurde. Bei El Puente läge das Produkt laut Ökotest dennoch über dem Höchstgehalt, wäre aber wegen der Messtoleranz noch verkehrsfähig. Tee Gschwendtner hat den Verkauf des getesteten Mate vorsorglich ausgesetzt.

Lebensbaum war in dem Test nicht vertreten. „Wegen der zu hohen Anthrachinonengehalte hatten wir mehrere Jahre keinen Mate im Angebot. Inzwischen haben wir Ware bekommen, die qualitativ in Ordnung ist“, sagte Lebensbaum-Sprecher Jan Kühn.

Mehr zum Thema "Matetee" erfahren Sie am Mittwoch in unserem Bericht zum EU-Bio-Recht: "Darf Mate-Tee als Bio-Lebensmittel verkauft werden?"

Körperpeelings

8 zertifizierte Naturkosmetika, 14 herkömmliche Produkte

Alle Naturkosmetika schnitten „sehr gut“ ab, darunter die Peelings von Benecos, Farfalla, Lavera, Nonique, Primavera und Weleda. Von den konventionellen Produkten lag nur eines im grünen Bereich. Alle anderen setzten schwer abbaubare synthetische Polymere ein. Vier Peelings rubbelten immer noch mit Polyethylen-Kügelchen. Mikroplastik war auch das eigentliche Thema des Artikels.

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