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Food Tracks

Bio Company nutzt Software gegen Lebensmittelverschwendung

Das Backthekenpersonal der Bio-Supermarktkette optimiert Bestellabläufe und Sortimentsgestaltungen seit kurzem digital. Damit jeder Kunde bekommt, was er möchte – und am Ende des Tages dennoch nichts übrig bleibt.

18.05.2021 vonMichael Stahl

Digitales Brötchen-Controlling bei der Bio Company: V.l.n.r.: Patrizia Weinzierl (Fachbereichsleitung Back & Bistro), Nicole Korset-Ristic (Leitung Verkauf), Tobias Pfaff (Geschäftsführer Antegon), Sarah Fedrow (Einkauf Back & Bistro)

Das Backthekenpersonal der Bio-Supermarktkette optimiert Bestellabläufe und Sortimentsgestaltungen seit kurzem digital. Damit jeder Kunde bekommt, was er möchte – und am Ende des Tages dennoch nichts übrig bleibt.

Den Kampf gegen Lebensmittelverschwendung führt die Bio Company seit Mitte Mai in allen 51 Berliner Filialen digital. Eine Software soll dem Backthekenpersonal künftig dabei helfen, die Nachfrage nach Produkten besser zu prognostizieren und die Bestellmengen zu optimieren. „Unser Wunsch ist es, dass auch abends eintreffende Kunden möglichst noch genau das Brot bekommen, welches sie sich vorstellen. Gleichzeitig sollen die übriggebliebenen Waren am Ende des Verkaufstages auf ein Minimum reduziert sein“, so Verkaufsleiterin Nicole Korset-Ristic.

Die Software, die diesen Wunsch erfüllen soll, heißt „Food Tracks“ und kommt von Antegon, einem Start-up aus Münster, das sich auf das Controlling von handwerklichen Bäckereien spezialisiert hat. Das Programm, das per Tablet bedient werden kann, nutzt Algorithmen, die auf vorherige Abverkäufe zurückgreifen und wiederkehrende Muster erkennen.

Abschreibungen bei Backwaren sind laut Bio Company im Handel üblich. Das Thünen-Institut hat errechnet, dass 2019 allein im „organisierten Lebensmitteleinzelhandel“, zu dem die Forscher Supermärkte, Discounter und Verbrauchermärkte zählen, über 100.000 Tonnen Backwaren zu viel produziert wurden und gespendet oder entsorgt werden mussten. Laut dem Institut entspricht das einem Umsatzverlust von mehr als sechs Prozent.

Obst mit Fehlern schmeckt mitunter besser

Backwaren werden bei der Bio Company eigenen Angaben zufolge nicht weggeworfen. „Brot vom Vortag ist in den Filialen für die Kunden zu einem reduzierten Preis erhältlich. Auch die Mitarbeiter der Märkte dürfen sich noch etwas nach ihrem Bedarf mitnehmen“, teilt das Unternehmen mit. Der Rest gehe an die Lebensmittelretter von Foodsharing, die die unverkauften Brote, Brötchen und Teilchen an Bedürftige weitergeben.

Derzeit laufe außerdem ein Pilotprojekt mit dem Start-up Too Good To Go (TGTG), das über eine App übriggebliebene Lebensmittel zu einem reduzierten Preis anbietet. Dort gibt es aktuell auch Backwaren aus vier Bio-Company-Märkten. „Sollte die Testphase erfolgreich sein, wird das Angebot auf weitere Filialen ausgeweitet“, teilt Bio Company mit. Auch Denns und Alnatura kooperieren mit TGTG.

Laut Thünen-Institut musste der organisierte LEH 2019 insgesamt rund 290.000 Tonnen Lebensmittel im Wert von 1,7 Milliarden Euro in den Müll werfen. Mengenmäßig landeten dort mit 185.812 Tonnen am häufigsten Obst und Gemüse. Bananen, Gurken oder Kartoffeln bleiben mitunter auch deswegen in der Auslage liegen, weil sie von der Idealerscheinung zu sehr abweichen. Dabei hat das Aussehen oft keinen Einfluss auf den Geschmack.

So schmecken etwa Bio-Äpfel mit leichten Schalenfehlern mindestens ebenso gut wie Äpfel der Klasse I, teilweise sogar besser, wie die Fördergemeinschaft Ökologischer Obstbau in einer bundesweiten Blindverkostung herausgefunden hat. „Für den Handel kann es sich also einerseits finanziell lohnen, Äpfel mit Schalenfehlern anzubieten. Andererseits kann damit der Handel dazu beitragen, dass weniger Lebensmittel und Ressourcen verschwendet werden“, sagt Jutta Kienzle von der FÖKO.

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