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Artikel in der „Zeit“

Bio-Branche reagiert auf „Bio-Lüge“

In ihrer aktuellen Ausgabe stellt die Wochenzeitung „Die Zeit“ in einem ausführlichen Bericht das System „Bio“ infrage. Der BÖLW und Naturland beziehen dazu Stellung.

18.11.2021 vonKatrin Muhl

„Die Zeit“ schreibt von der „Bio-Lüge“, Öko-Verbänden geht das zu weit.

In ihrer aktuellen Ausgabe stellt die Wochenzeitung „Die Zeit“ in einem ausführlichen Bericht das System „Bio“ infrage. Der BÖLW und Naturland beziehen dazu Stellung.

„Die Bio-Lüge“ – so lautet der Titel des „Dossier“ der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung „Die Zeit“, die am Donnerstag erschienen ist. Darin wird kritisiert, dass es ein Missverhältnis zwischen dem Bild von Bio gebe, das viele Verbraucher beim Kauf von Bio-Produkten vor Augen hätten, und dem was tatsächlich in ökologisch arbeitenden Betrieben passiere. Als Beispiel nennt der Artikel den richtlinienkonformen „Platzmangel“ in einem Naturland-zertifizierten Hühnerstall, aber auch Verstöße gegen die EU-Öko-Verordnung, die das Mindestmaß an Bio-Anforderungen gesetzlich regeln.

Der Artikel beruht laut Angaben der Autorin „auf Gesprächen mit Landwirten und anderen Akteuren der Bio-Branche sowie mit Agrarexperten und Behördenmitarbeitern“. Einige Bio-Händler und weitere Insider seien bereit gewesen, anonym gegenüber der „Zeit“ zu berichten, „wie in ihrer Branche die Kontrolleure hinters Licht geführt werden“.

Der Artikel stützt sich neben Aussagen von Branchen-Akteuren auch auf Berichte und Statistiken der Kontrollstellen, die die Autorin einsehen konnte und die der „Zeit“ zufolge Einblick in gut 2000 der etwa 50.000 deutschen Bio-Betriebe geben.

„In Bayern fielen zwischen März 2019 und März 2021 gerade mal 26 Fälle auf (…). Das klingt, als handele es sich um Einzelfälle“, schreibt die Autorin. Dazu bringt sie zwei Theorien von Bernhard Aue, Abteilungsleiter im Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, an: „[D]ass die Berichte nur die Spitze eines Eisbergs unbekannter Tiefe kartografieren“, und „dass es auch zwischen Bio-Bauern und Kontrolleuren ungute Verstrickungen gibt“.

BÖLW: „Grundsätzliche Diskreditierung ist absolut unangemessen“

Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) hat eine Stellungnahme zu dem Artikel abgegeben. „50.000 Bio-Betriebe aus Landwirtschaft, Verarbeitung und Handel grundsätzlich zu diskreditieren, das ist absolut unangemessen“, heißt es darin. Der Verband betont, Bio sei der am strengsten kontrollierte Teil der Land- und Lebensmittelwirtschaft. Bio-Betriebe würden im Schnitt 1,3-mal im Jahr kontrolliert. „Wer so engmaschig kontrolliert, findet Abweichungen, die natürlich auch sanktioniert werden“, teilt der geschäftsführende Vorstand Peter Röhrig mit.

Auch Naturland hat sich nach der Veröffentlichung des Artikels zu Wort gemeldet: „Die Folgen der scharfen Kontrollen über die hohen Standards bei Naturland und anderen Öko-Erzeugerverbänden werden immer wieder von Medien bewusst missverstanden und skandalisiert“, teilt der Verband mit. Die „Zeit“ ziehe Fälle und Berichte heran, „die überhaupt nur aufgrund der engmaschigen Kontrollen der Öko-Landwirtschaft existieren und die deshalb – zum Großteil schon vor Jahren – aufgedeckt und geahndet wurden“.

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