Biohandel

Wissen. Was die Branche bewegt

Schalen-Eier-Sortiment

Für Lidl sterben keine Eintagsküken mehr

Alle Schalen-Eier, die Kunden ab sofort bei dem Discounter finden, tragen ein gelbes Logo mit der Botschaft „Ohne Kükentöten“. Auch ein erstes verarbeitetes Produkt ist mit dem Symbol gekennzeichnet.

Lidl lässt für seine Schaleneier keine Küken mehr töten. Das gab der Discounter Anfang der Woche in einer Pressemitteilung bekannt. Demnach stamme das gesamte Schaleneier-Sortiment in den 3.200 Lidl-Filialen ab sofort aus einer Produktion ohne Kükentöten. Das Unternehmen akzeptiere dafür laut eigenen Angaben „alle im Sinne des Tierwohls anerkannten Alternativen“. Neben der Bruderhahnaufzucht kämen auch Methoden zur frühen Geschlechterbestimmung im Ei zum Einsatz.

Mit den Bio-Eiern im Sechserpack hatte Lidl bereits im März 2021 einen Teil des Eier-Sortiments national auf die Hahn-Aufzucht umgestellt. Lebensmittelhändler Rewe teilte im Oktober mit, unter seinen Eigenmarken nur noch Schaleneier von Lieferanten anzubieten, die auf das Töten von Küken verzichten. Aldi und der wie Lidl zur Schwarz-Gruppe gehörende Händler Kaufland arbeiten ebenfalls an Schalen-Eier-Sortimenten ohne Kükentöten.

Lidl stellt derweil auch die Spätzle seiner Eigenmarke „chef select“ auf eine Rezeptur mit Eiern ohne Kükentöten um. Weitere Eigenmarkenprodukte sollen folgen, kündigt das Unternehmen an. In vielen Fällen kommen Eier in verarbeiteten Produkten aus dem Ausland
und werden weiter „mit Kükentöten“ produziert. Lidl-Kunden erkennen alle Artikel, bei deren Produktion keine geschlüpften Küken sterben mussten, an einem gelben herzförmigen Logo mit der Botschaft „Ohne Kükentöten“ auf der Verpackung.

Bislang wurden in Deutschland pro Jahr etwa 45 Millionen männliche Küken nach dem Schlüpfen getötet, weil sie keine Eier legen und sich nicht als Masthühner eignen. Seit dem 1. Januar ist das Töten von geschlüpften Eintagsküken in Deutschland gesetzlich verboten. Eingriffe im Hühnerei, bei denen Hühnerembryonen nach dem 6. Bebrütungstag im Ei getötet werden, sind ab 1. Januar 2014 untersagt. Das federführende Bundeslandwirtschaftsministerium begründet die Regelung damit, dass „Hühnerembryonen ab dem siebten Bebrütungstag Schmerz empfinden“. Bei Eiern, die Händler aus dem Ausland beziehen, ist es weiterhin möglich, dass die Brüder der Legehennen getötet wurden.

Bio-Anbauverbände arbeiten unterdessen daran, die Bruderhahnaufzucht als Alternative zum Kükentöten verpflichtend in ihren Richtlinien zu verankern. Beim Anbauverband Biokreis ist im vergangenen Jahr eine entsprechende Richtlinie in Kraft getreten. Als langfristige Lösung bevorzugen die Bio-Verbände den Umstieg auf sogenannte Zweinutzungshühner, die sich sowohl für die Eier- als auch zur Fleischproduktion eignen. (kam)

Kommentare

Registrieren oder anmelden, um zu kommentieren.

Regula Züger Càceres

Der Artikel sagt "Seit 1. Januar ist das Töten von geschlüpften Eintagsküken gesetzlich verboten. Eingriffe im Hühnerei, bei denen Hühnerembryonen nach dem 6. Bebrütungstag im Ei getötet werden, sind ab 1. Januar 2014 untersagt. Das federführende Bundeslandwirtschaftsministerium begründet die Regelung damit, dass „Hühnerembryonen ab dem siebten Bebrütungstag Schmerz empfinden“....
Wenn das stimmt, dass das Gesetzt seit 1.Januar Kükentöten verbietet, dann müsste und dürfte der Handel dies ja nicht mehr ausloben als Qualitätskriterium, weil es «normal» ist!?! Ist es das aber wirklich? Werden jetzt in Deutschland jährlich ein Grossteil der 45 Millionen männlichen Küken zusätzlich aufgezogen als Masthähne, obwohl sie sich nicht eignen oder werden diese grösstenteils bereits mit früher Geschlechterbestimmung (vor dem 6. Bebrütungstag) beseitigt?

Auch interessant: