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Proteste

Bauern heizen dem Handel ein

Seit Wochen demonstrieren wütende Landwirte vor den Toren von Verarbeitern und Handelsunternehmen gegen zu niedrige Erzeugerpreise. Doch erst blockierte Zentrallager brachten Bewegung in die Debatte.

08.12.2020 vonLeo Frühschütz

Wollen bessere Preise erwirken: Bauern bei einer Protestaktion im November.

Seit Wochen demonstrieren wütende Landwirte vor den Toren von Verarbeitern und Handelsunternehmen gegen zu niedrige Erzeugerpreise. Doch erst blockierte Zentrallager brachten Bewegung in die Debatte.

Von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft bis zu Land schafft Verbindung: Deutschlands Landwirte machen seit Wochen Verbände übergreifend Druck für bessere Preise. „Schluss mit lustig!“ heißt die Kampagne, die sich gegen Molkerei- und Schlachtkonzerne richtet. Von ihnen forderten die Bäuerinnen und Bauern in einem ersten Schritt:

  • für den Liter Milch mindestens 15 Cent mehr
  • für das kg Rindfleisch mindestens 1 Euro mehr
  • für das kg Schweinefleisch mindestens 50 Cent mehr
  • für das kg Geflügel mindestens 20 Cent mehr

Doch die Verarbeiter reichten den Schwarzen Peter an die Handelskonzerne weiter. Deren Marktmacht führe dazu, dass sie keine höheren Preise durchsetzen könnten. Auch die Molkereien „kämpfen mit Kostensteigerungen, die am Markt nicht honoriert werden“, teilte der Milchindustrieverband mit.

Bauern blockieren Zentrallager

Ende November blockierten Landwirte daraufhin mehrere Zentrallager des Handels, insbesondere von Lidl, bis schließlich Klaus Gehrig, Leiter der Schwarz-Gruppe, zu der Lidl und Kaufland gehören, reagierte. Er wolle sich für eine Verbesserung der Situation der Landwirte stark machen, schrieb er laut agrarheute. Es folgte ein „Dringlichkeitsgipfel" mit den Chefs der großen Lebensmittelkonzerne, Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner und Spitzenvertretern des Handels. Als Zeichen guten Willens kündigte Gehrig am 4. Dezember an, über die Initiative Tierwohl ungefähr 50 Millionen Euro an Landwirte auszuzahlen.

Das sei eine nette Geste, kommentierte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied. „Aber wegen des andauernden Preiskampfs verlieren unsere Bauern diesen Betrag fast wöchentlich“. Es brauche eine grundlegende Veränderung in der Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Lebensmitteleinzelhandel. "Land schafft Verbindung" sprach laut NDR von einer reinen Marketing-Aktion. Letztlich kämen auf jeden Betrieb nur 192,31 Euro.

Aldi will fair zu den Bauern sein

Nach Lidl betonten auch Aldi Nord und Süd, dass man sich „umfassend zu fairen Handelspraktiken im Umgang mit Lieferanten, Herstellern und Landwirten“ bekenne und „Fair Trade für die heimische Landwirtschaft“ wolle. Der Discounter sicherte zu, dass man alle Vorgaben der EU-Richtlinie gegen unfaire Handelspraktiken (UTP) einhalten werde. Auch unterstütze er den Vorschlag des Bundeslandwirtschaftsministeriums für einen freiwilligen Verhaltenskodex für die gesamte Wertschöpfungskette.

Wie der Norddeutsche Rundfunk (NDR) unter Berufung auf die Bauern berichtete, waren bei einer Protest-Aktion Aldi-Lager in Niedersachsen blockiert worden, unter anderem in Lingen (Landkreis Emsland), Weyhe (Landkreis Diepholz), Seevetal (Landkreis Harburg), Rinteln (Landkreis Schaumburg) und Lehrte (Region Hannover) blockiert worden.

Die Wirtschaftswoche erinnert die protestierenden Landwirte daran, dass einige der größten Lebensmittelverarbeiter genossenschaftlich organisiert sind, also den Landwirten selber gehören. Das seien milliardenschwere Konzerne, die durchaus auf Augenhöhe mit dem Handel verhandeln könnten. Das Handelsblatt nennt den Molkereikonzern DMK, Westfleisch, Südzucker sowie den Obst- und Gemüsevermarkter Landgard.

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