Biohandel

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Aktionsbündnis „Bio für Alle“

Andechser, BÖLW und AöL stellen vor dem Brandenburger Tor drei Forderungen an die Politik

Das Bündnis um Andechser, BÖLW, AöL, LVÖ und BUND hat in Berlin Fachhändler, Hersteller, Landwirte sowie weitere Vertreter der Bio-Branche versammelt, um den gemeinsamen Forderungen Gehör zu verschaffen. Auch der Bundeslandwirtschaftsminister war zu Gast.

Sie suchten die große Bühne und standen dort Seite an Seite: Die Mitglieder des Aktionsbündnis „Bio für Alle“ (siehe Infokasten) wollten beim politischen Bio-Frühstück und der Kundgebung am Brandenburger Tor in Berlin den Anliegen der Bio-Branche Gehör verschaffen.

Vertreter der Andechser Molkerei Scheitz, die die Initiative ins Leben gerufen hat, des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), der Assoziation ökologischer Lebensmittel Hersteller (AöL), der Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern (LVÖ), des BUND Naturschutz stellten vor großem Publikum ihre Forderungen an die Politik.

Die Forderungen

Im Kern formulierte das Bündnis drei Forderungen:

1. Für fairen Wettbewerb:
Absenkung der Mehrwertsteuer für Bio-Lebensmittel auf null Prozent
2. Für ein gentechnikanbaufreies Deutschland:
keine Gentechnik durch die Hintertür
3. Mehr Bio in der Außer-Haus-Verpflegung:
50 Prozent Bio in öffentlichen Kantinen

„Wir fordern, dass für Bio-Lebensmittel null Prozent Mehrwertsteuer gilt, dass Deutschland gentechnikanbaufrei bleibt und dass 50 Prozent Bio in öffentlichen Einrichtungen umgesetzt wird“, fasste Barbara Scheitz, Geschäftsführerin der Andechser Molkerei Scheitz, die Forderungen zusammen.

Tina Andres, Vorsitzende Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), unterstrich: „Für Verbraucherinnen und Verbraucher muss die richtige Entscheidung zur einfachen Entscheidung werden. Mit jedem Hektar Öko-Landbau sparen wir Klimafolgekosten von zirka 750 Euro. Aber da Umweltschäden nicht Teil des Produktpreises sind, erscheinen die fürs Gemeinwohl teureren Produkte im Supermarkt als die vermeintlich billigen. Das muss sich ändern.“

Redebeiträge von Bio-Bauern aus dem ganzen Land

Kinder erzählten auf der Bühne vor dem Brandenburger Tor, wie sie sich ihre Welt wünschen. Laut dem Aktionsbündnis zeigten die Redebeiträge von Bio-Bauern aus dem ganzen Land, dass diese Wünsche mit der Realität der Biolandwirtschaft vereinbar sind.

Sepp Steinmüller, Biobauer aus Oberaudorf, setzt sich für einen nahezu geschlossenen Nährstoffkreislauf und den Erhalt eines artenreichen Ökosystems ein: „Wir haben die Überzeugung gewonnen, dass eine vielfältige Landwirtschaft mit gesunden Böden und Artenreichtum die beste Art ist, Nahrungsmittel zu erzeugen“, erklärte der langjährige Bio-Milchlieferant der Andechser Molkerei Scheitz.

Auch Susanne Schoof, Betriebsleiterin Nordseeküstengenuss in Hedwigenkoog, steht hinter der biologisch-dynamischen Bewirtschaftung ihres Hofes. Für sie ist der Anbau von ursprünglich gezüchteten, samenfesten Gemüsen eine Herzensangelegenheit – Sorten, die ohne alte oder neue Gentechnik entwickelt wurden, stattdessen herkömmlich gezüchtet mit viel Zuwendung, handwerklichem Geschick und Herzblut.

Die Initiative „Bio für Alle“

Die aktuelle Marktsituation und eine mit der „Zeitenwende“ politisch und gesellschaftlich veränderte Lage stellt die Bio-Branche vor große Herausforderungen, heißt es in der gemeinsamen Mitteilung der Initiative. Es sei an der Zeit, die Leistungen der Bio-Landwirtschaft hörbar und sichtbar in das Bewusstsein der Menschen zu stellen. Dem von der Andechser Molkerei Scheitz gegründeten Aktionsbündnis „Bio für Alle“ haben sich auch BÖLW, AöL, LVÖ, BUND-Naturschutz und viele weitere Vertreter der Branche angeschlossen.

Auch Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir war zur Veranstaltung am Brandenburger Tor gekommen. In seiner Rede betonte er, dass der Anteil ökologisch bewirtschafteter Flächen gemäß der Zielsetzung aus dem Koalitionsvertrag bis zum Jahr 2030 von heute elf auf 30 Prozent steigen soll. Doch nicht nur in der Produktion müsse das Ziel erreicht werden, sondern auch bei Konsum. „Wir müssen an die Außer-Haus-Verpflegung ran, denn alle Menschen in Deutschland haben es verdient, dass sie einmal am Tag ein gesundes Essen bekommen, und zwar unabhängig davon, ob die Eltern arm oder reich sind, ob sie Akademiker oder Nicht-Akademiker sind, dafür ist es höchste Zeit“, sagte er. Özdemir erklärte außerdem, dass er sich in Brüssel dafür einsetze, dass weiterhin gentechnikfrei gegessen und produziert werden könne.

Damit griff er eine von den Rednern und Rednerinnen häufig geäußerte Sorge auf: Bioland-Vizepräsidentin Sabine Kabath von der Bio Gärtnerei Watzkendorf in Blankenesee formulierte sie so: „Was mir Sorge macht, ist die Deregulierung der Gentechnik. Wir haben jetzt schon mit fernverdrifteten Planzenschutzmitteln zu kämpfen. Wir wissen auch, dass Gentechnik Flora und Fauna beeinflusst und wir das nie wieder zurückholen können! Die Bundesregierung muss sich dafür einsetzen, dass neue gentechnische Züchtungsverfahren nach aktuell geltendem Gentechnikrecht reguliert bleiben.“

Zum Schluss stellte Landwirtschaftsmeister Georg Scheitz für den Verband Biokreis die biologische Bewirtschaftung seines Betriebs vor, der seit 1986 ein Bio-Betrieb ist: „Unsere nachfolgende Generation an Junglandwirten braucht wieder Visionen und Perspektiven, einen Schulterschluss mit den Verbrauchern, Großabnehmern und der Politik.“

Anne Baumann, stellvertretende Geschäftsführerin der AöL, zog diese Bilanz: „24 AöL-Unternehmen engagieren sich hier. Mit dieser Aktion zeigen wir den Menschen, wie lecker Bio-Lebensmittel schmecken und dass wir die Rezepte der Zukunft schon längst parat haben.“ (juk)

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