Biohandel

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Rabatte

Alnatura schafft kurzfristige Sonderangebote ab

Die Bio-Kette bietet ihren Kunden seit Anfang Februar 1.300 Artikel zu „Dauerpreisen“, die mindestens einen Monat lang gelten. Alnatura möchte so verlässlich Bio für alle anbieten bei gleichzeitig fairen Preisen für die Erzeuger. Ein schwieriger Spagat, vor allem in der aktuellen Lage.

Bio-Filialist Alnatura bietet den Kunden seiner Super Natur Märkte seit Anfang des Monats länger reduzierte Preise. „Über 1300 Produkte haben wir im Februar 2022 im Preis gesenkt“, teilt der Bio-Händler auf seiner Webseite mit. Die sogenannten „Alnatura Dauerpreise“ gelten demnach mindestens einen Monat und ersetzen kurzfristige Preisaktionen. Alnatura möchte seinen Kunden so mehr Verlässlichkeit bieten, „jederzeit günstig einkaufen“ zu können „und nicht nur innerhalb eines kurzen Aktionszeitraums“.

Die „Dauerpreise“ ziehen sich über das gesamte Sortiment der Super Natur Märkte, inklusive den bereits günstigeren Produkten der Alnatura-Eigenmarke, teilt das Unternehmen mit. Kürzere Sonderpreis-Aktionen fährt Deutschlands zweitgrößte Bio-Kette demnach nur noch bei frischem Obst und Gemüse sowie an der Backwarentheke. Als Grund nennt Alnatura die saisonalen und erntebedingten Preisschwankungen in diesen Bereichen.

„Wir möchten möglichst vielen Menschen Bio-Lebensmittel zu erschwinglichen und zugleich für die Erzeuger fairen Preisen zugänglich machen“, schreibt Alnatura. Dieser ohnehin schon nicht einfache Spagat ist durch die dramatisch gestiegenen Preise für Energie und Rohstoffe noch schwieriger geworden. Bereits Ende des vergangenen Jahres hatten große Naturkosthersteller angekündigt, auf ihre gestiegenen Kosten mit Preiserhöhungen für ihre Produkte zu reagieren.

Rapunzel macht Schluss mit Rabatten

Auch Rapunzel kostet die Produktion seiner Lebensmittel deutlich mehr, weshalb der Bio-Pionier die Preise für zahlreiche Produkte ab März anheben wird. „Bereits seit Januar kosten Nudeln mehr“, sagt Pressesprecherin Eva Kiene. Gleichzeitig stellt Rapunzel klar: „Wertschöpfungserhaltende Preise stehen für uns im Vordergrund – und das im Rahmen verkaufsfähiger Preise“.

In der Praxis bedeutet das: Schluss mit Rabatten. Ab März bietet Rapunzel keine preisgesteuerten Aktionen mehr an, um den Verkauf anzukurbeln. „Kostbare Lebensmittel dürfen nicht unter Wert verkauft werden“, teilt Geschäftsführer Leonhard Wilhelm in einer Broschüre an die Händler mit. „Daher lenken wir unseren Fokus bewusst weg von der Preiskommunikation und hin zu Werten, die von Anfang an Grundlage unseres Tuns sind.“

Dafür hat Rapunzel in den vergangenen drei Jahren die „Fairwert“-Kampagne entwickelt. Mit der Werbeoffensive will der Bio-Hersteller zeigen, was hinter seinen Produkten steckt und so die Wertschöpfung entlang der gesamten Lieferkette erlebbar machen. Naturkostfachhändler können „Fairwerte“-Partner werden und erhalten unter anderem entsprechende Werbemittel.

Öko-Barometer 2021 – Bio-Kunden legen besonders viel Wert auf Regionalität

Die Kampagne bedient ein gestiegenes Bedürfnis der Verbraucher, die immer genauer wissen wollen, wo und unter welchen Bedingungen für Mensch, Tier und Umwelt ihre Lebensmittel produziert werden. Im aktuellen „Öko-Barometer“ des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) nannten die Befragten als wichtigste Gründe für den Kauf von Bio-Lebensmitteln die Aspekte Tierwohl, Gesundheit und Naturbelassenheit. Noch mehr Wert legten sie darauf, dass die Produkte aus der Region kommen und sie mit ihrem Kauf regionale Betriebe unterstützen können.

Das Thema ist inzwischen auch auf der politischen Agenda. Erst am Montag hat Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir auf der EU-Agrarministerkonferenz gemeinsam mit seiner österreichischen Amtskollegin Elisabeth Köstinger eine Initiative für eine verpflichtende EU-weite Herkunftskennzeichnung vorgestellt. Diese soll transparent machen, woher die Lebensmittel stammen und den Landwirten so ein faires Einkommen gewährleisten. „Die Herkunftskennzeichnung macht auch Transportwege sichtbar und ist damit ein Baustein für klimagerechten Konsum", so Özdemir.

Rapunzel kommt mit seiner Informations-Kampagne so gesehen genau zur richtigen Zeit. Nie war die Diskussion über Wertschöpfungsketten präsenter in der breiten Öffentlichkeit. Dass Rapunzel-Produkte dennoch weiterhin rabattiert angeboten werden, kann der Bio-Hersteller nicht verhindern. Händler müssen sich nicht an die unverbindliche Preisempfehlung ihrer Lieferanten halten und können diese unterbieten. Gut möglich also, dass Vollkorn-Pasta oder Kürbiskerne von Rapunzel trotz gestiegener Herstellungskosten in den Super Natur Märkten nicht zu „Fairwerten“, sondern zum „Alnatura Dauerpreis“ verkauft werden.

Weiterführende Links zum Thema

Öko-Barometer 2021 des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft

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