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Jahresbericht

Alnatura kommt gut durch die Bio-Krise

Das Bio-Handelshaus hat trotz Ukraine-Krieg, Energiekrise, Inflation und Kaufzurückhaltung bei Bio nur wenig an Umsatz eingebüßt im Vergleich zum Vorjahr. Gründer und Geschäftsführer Götz Rehn blickt optimistisch in die nahe Zukunft.

Der Bio-Händler Alnatura hat im Geschäftsjahr 2021/22 weniger Umsatz gemacht als im Jahr zuvor. Das Unternehmen berichtete am Donnerstag über einen Rückgang um 2,5 Prozent auf 1,12 Milliarden Euro. Würde das Geschäftsjahr erst am 31. Dezember und nicht schon am 30. September enden, dann sähe das Ergebnis besser aus, mutmaßte Götz Rehn, der Gründer und Geschäftsführer von Alnatura, auf der Jahrespressekonferenz in Darmstadt. Denn die Kundenzahlen des zweitgrößten Bio-Händlers in Deutschland seien stabil geblieben. Und nach einem Rückgang im Frühjahr zeichne sich nun ein klarer Aufschwung ab.

Daher sieht Rehn nach eigener Auskunft optimistisch in die nahe Zukunft. „Nach den überdurchschnittlichen Umsatzsteigerungen in den beiden Pandemiejahren und angesichts der aktuellen Krisensituation hatten wir mit einem wesentlich stärkeren Rückgang gerechnet. Umso mehr freuen wir uns, dass unsere Kundinnen und Kunden Alnatura treu geblieben sind und mit ihrem Einkauf den Bio-Landbau und damit den Klimaschutz fördern. Insbesondere für unsere Bio-Bauern ist dies ein gutes Signal“, sagte Rehn. Er betonte: „Die Preise im Biosegment sind weniger gestiegen als die im konventionellen Bereich. Das ist doch ein weiteres gutes Argument für Bio.“

Dass Alnatura bislang vergleichsweise gut durch die Bio-Krise gekommen ist, dürfte auch damit zusammenhängen, dass das Unternehmen seine Produkte neben dem Bio-Fachhandel auch über den LEH und Drogeriemärkte sowie zahlreiche Online-Shops vertreibt. 2022 kam in Deutschland mit der Handelsgruppe Bünting und ihren über 200 Famila-, Combi- und Markant-Märkten im Emsland und in Ostfriesland ein neuer Partner dazu, ebenso der Express-Lieferdienst Gorillas. In Österreich hat der Großhändler Metro Cash&Carry seit Februar das Alnatura-Sortiment gelistet. Neue Online-Händler sind Farmy in der Schweiz und Sezamo in Rumänien.

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Seit Juni liefert Alnatura zudem direkt aus seinen Super Natur Märkten. Online-Bestellungen können im Markt abgeholt werden oder werden von Mitarbeitenden aus der Filiale mit E-Fahrzeugen zum Kunden und zur Kundin nach Hause geliefert. Ziel sei es, den Kundinnen mit „Bio aus der Nachbarschaft“ einen zusätzlichen Service zu bieten. Der Anteil an frischer Ware pro Bestellung betrage im Durchschnitt 50 Prozent, berichtete Einkaufsleiterin Petra Schäfer. Das beweise das Vertrauen der Kunden in Alnatura, denn „Obst und Gemüse sind die sensibelsten Produkte, da besteht das größte Risiko“. Bislang beliefert Alnatura aus zehn Berliner und vier Frankfurter Filialen. Eine Erweiterung des Angebots sei geplant, sagte Rehn. „Sobald alles gut funktioniert, rollen wir weiter aus.“ Im nächsten Schritt solle eine eigene Bestell-App eingeführt werden, hieß es am Donnerstag.

Um Kundinnen und Kunden auch angesichts der Inflation nicht zu verlieren, bietet Alnatura seit Februar 2022 in all seinen Märkten dauerhaft reduzierte Preise auf wechselnde Produkte an. Die „Alnatura Dauerpreise“ sind in allen Filialen gleich, gelten demnach mindestens einen Monat und ersetzen kurzfristige Preisaktionen. Dieses Konzept habe sich bewährt. „Um die Preise noch transparenter zu machen und damit den Einkauf zu erleichtern, gibt es unsere Dauerpreise“, sagte Petra Schäfer. Damit sei es nicht mehr nötig, wechselnde Angebote in verschiedenen Alnatura-Märkten zu vergleichen.

149 Super Natur Märkte betreibt Alnatura in 72 Städten in 14 Bundesländern. Erst am Mittwoch eröffnete die neueste Filiale in Kiel. Bis Ende des Kalenderjahres sollen es 150 Märkte sein. Im Geschäftsjahr 2021/22 gab es sieben Neueröffnungen in Frankfurt-Eschersheim, Eschborn, Singen, Schwerin, Braunschweig, Nürtingen und Hildesheim sowie sechs Großumbauten. Investitionen in einen „Refresh“ der Läden seien bedeutend für den Erfolg, betonte Petra Schäfer. Die Expansion werde in den kommenden Monaten fortgesetzt, kündigte Götz Rehn an. Geplant sind weitere Eröffnungen unter anderem in Karlsruhe, Bad Homburg, Berlin, Bad Kreuznach, Ludwigsburg, Neuenburg im Breisgau, Hürth und Lindau.

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Kommentare

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Helmut Petrik

Was Herr Rehn verschweigt ist, dass die "Dauerniedrigpreise" zum Teil leider auf dem Rücken der für Alnatura produzierenden Gärtner und Landwirte ausgetragen wird.
Partnerschaftliches Miteinander sieht anders aus.

Redaktion BioHandel

Hallo Herr Petrik, danke für Ihren Kommentar. Könnten Sie diesbezüglich etwas konkreter werden? Was genau meinen Sie, wenn Sie sagen, die Dauerniedrigpreise werden teilweise auf dem Rücken von Gärtnern und Landwirten ausgetragen?

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